Oberschulrat Maria Josefa Cäzilia Holubowsky

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Maria Holubowsky
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

22. August 1894, Wien

Gestorben:

22. April 1979, Wien

Beruf:

Lehrerin

Verfolgung:

Entlassung 28.02.1940,
Haft 16.10.1944 - 05.04.1945

Mitgliedschaften

Gruppe Freies Österreich/Gruppe Karl Gruber, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Maria Josefa Cäzilia Holubowsky kommt in Wien als eheliche Tochter des Volksschullehrers Rudolf Holubowsky und seiner Gattin Maria, geborene Threun, zur Welt. Nach der Volks- und Bürgerschule, besucht sie nach einem Vorbereitungskurs die Lehrerinnenbildungsanstalt St. Ursula im 1. Wiener Gemeindebezirk, wo sie am 10. Juli 1913 maturiert.

Nach ihrer Matura absolviert Maria Holubowsky ihr Unterrichtspraktikum und absolviert 1915 die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen. 1918 erlebt die gläubige Katholikin die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. 1919 absolviert sie die Lehrbefähigungsprüfung für Hauptschulen mit den Fächern Deutsch, Geographie und Geschichte.

In den 1920er und 1930er Jahren ist Maria Holubowsky politisch nicht aktiv, aber eine entschiedene Gegnerin des Nationalsozialismus. Aus ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus macht die gläubige Katholikin keinen Hehl. Nachdem sie Hauptschullehrerin an der Hauptschule Sperlgasse im 2. Wiener Gemeindebezirk war, wird sie 1937 zur provisorischen Leiterin der Hauptschule Reisnerstraße im 3. Wiener Gemeindebezirk.

Am 12. März 1938 muss Maria Holubowsky erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Bereits am 15. März 1938 wird sie von den deutschen Besatzern als provisorische Hauptschuldirektorin abberufen und mit 28. Februar 1940, nach vielen Anfeindungen durch Kollegen, durch Zwangspensionierung entlassen. Danach muss sie von einer kleinen Pension leben.

Im Jänner 1944 schließt sie sich der Widerstandsgruppe Gruppe Freies Österreich/Gruppe Karl Gruber (FÖ) um den Schriftsteller Karl Gruber an. Ziel dieser überparteilichen, aber eher dem christlichsozialen Lager zurechenbarer Gruppe ist die Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Besetzung und der Wiedererrichtung seiner Eigenstaatlichkeit. Werden zuerst nur Flugzettel produziert, so wird ab dem 15. November 1943 im Wiener Vorwärts-Verlag heimlich die Kampfzeitung ‚Freies Österreich! Blätter für Friede, Freiheit und Fortschritt‘ herausgegeben. In insgesamt sechs Ausgaben wird darin, neben den Forderungen nach der Wiedererrichtung des freien und unabhängigen Österreichs und der Überwerfung des nationalsozialistischen Terrorregimes, von den Kriegsschauplätzen und den Niederlagen deutscher Truppen berichtet.

Maria Holubowsky hilft aktiv an der Verteilung der Zeitschriften mit und wirbt neue Mitglieder. Im Frühherbst 1944 wird die Gruppe von der Gestapo aufgedeckt und Maria Holubowsky am 16. Oktober 1944 verhaftet. Ihr soll ein Prozess wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' gemacht werden. Nur die Niederlage des Deutschen Reiches bewahrt sie vor einem Verfahren vor dem Volksgerichtshof. Sie kommt am 5. April 1945 aus der Haft frei.

In Wien erlebt Maria Holubowsky im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Bereits am 12. Juni 1945 wird sie rehabilitiert und tritt ihren Dienst an der Hauptschule Herzgasse im 10. Wiener Gemeindebezirk an, wo sie zur Direktorin bestellt wird. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Als Direktorin ist Maria Holubowsky sehr angesehen und erhält unzählige Belobigungen für ihren Einsatz.

Durch besondere Leistung und unter Einsatz des persönlichen Lebens hat die provisorische Leiterin Holubowsky Maria, geboren 22.8.1894, aus dem zerstörten dritten Stockwerke der Schule Herzgasse 27 den gesamten Vorrat an Klassenlektüre und Lehrmitteln aller Art geborgen, außerdem im zerstörten Konferenzzimmer Anschauungsmaterial aus dem Schutt getragen, gesäubert und geordnet. Die in den Kellerräumen versteckten physikalischen Apparate wurden gründlich gereinigt und in die Kabinette gebracht. Sie hat auch in umsichtiger Weise die Schuttaktion geleitet und selbst Hand angelegt. Bei den Vorbereitungen für die Akademie hat sie aktiven Anteil. Sie ist stets bereit ihre Freizeit in den Dienst der Schule zu stellen.

Ich bitte daher vielmals der Leiterin Holubowsky die besondere Anerkennung und Dank für Bergung und Wiederinstandsetzung von wertvollem Schulgerät auszusprechen.

Der Bezirksschulinspektor an den Stadtschulrat am 14. Juni 1946

Maria Holubowsky geht mit August 1956 in den Ruhestand und verstirbt ledig und kinderlos mit 84 Jahren in Wien.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Matricula Online

Maria Holubowsky

Lehrerin
* 22. August 1894
Wien
† 22. April 1979
Wien
Entlassung, Haft