Friederike (Fritzi) Löwy

Photo von Friederike Löwy
Friederike Löwy (Nachlass Friederike Löwy)

Personalia

Geboren:

18. November 1910, Wien

Gestorben:

13. März 1994, Wien

Beruf:

Schwimmerin

Verfolgung:

Flucht Juni 1939,
U-Boot Oktober September 1943 - Mai 1944

Mitgliedschaften

Sozialdemokratische Partei Österreichs

Lebenslauf

Friederike 'Fritzi' Löwy kommt in Wien als eheliche Tochter des jüdischen Malermeisters und späteren Großkaufmanns Nathan Löwy und Josefa, geborene Czizek, zur Welt. Die katholische Mutter war mit der Eheschließung zum jüdischen Glauben konvertiert. Friederike Löwy wächst als jüngstes der kinderreichen Familie in der Leopoldstadt auf. Sie besucht die Volksschule und im Anschluss die Bürgerschule. Mit 12 Jahren tritt sie der Schwimmsektion des jüdischen Sportclubs Hakoah bei. Aufgrund ihrer erfolgreichen, aber zeitintensiven Leistungsschwimmkarriere, bricht sie eine, nach der Bürgerschule begonnene Handelsschule ab.

1923 wird Friederike Löwy Schwimm-Jugendmeisterin, 1927 stellt sie den Europarekord über 200 Meter auf und bis 1931 folgen insgesamt 25 Meisterschaftssiege. Neben internationalen Wettbewerbsteilnahmen feiert sie auch beim beliebten Wiener Schwimmwettbewerb Quer durch Wien Erfolge. Sie zählt – wie auch ihre Schwimmkollegin und Freundin Hedy Wertheimer – zu einer der bekanntesten und bedeutendsten österreichischen Schwimmerinnen der Zwischenkriegszeit und trägt maßgeblich zum Erfolg des Sportclubs Hakoah bei. Bekannt ist sie vor allem für ihre Kraul- und Synchronschwimmtechnik. Wie auch andere jüdische Sportlerinnen ist sie mit zunehmendem Antisemitismus in Alltag und Sport konfrontiert. Es kommt etwa zu Disqualifizierungen, Aberkennung von Siegen und schließlich werden die Hakoah-Schwimmerinnen nach mehrfachen, handgreiflichen Ausschreitungen bei Bewerben von der Hakoah-Ringermannschaft geschützt. Friederike Löwy ist ab 1927 in diversen Berufen aktiv, etwa als Schwimmtrainerin und Sekretärin für den Rechtsanwalt Valentin Rosenfeld. Als damals einzige Frau ist sie in den 1930er Jahren außerdem mehrere Jahre leitende Redakteurin des Nachrichtenblattes des Schwimmklubs Hakoah.

Friederike Löwy muss sie den Untergang des freien und unabhängigen Österreich erleben, als am 12. März 1938 die deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschiert. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Friederike Löwy als ‘Mischling I. Grades’ bzw. 'Halbjüdin' gilt.

Im Juni 1939 kann Friederike Löwy nach Italien flüchten und lebt bei ihrer in Mailand lebenden Schwester Anna Ungar. Anna Ungar wird später in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wird. Friederike Löwy verdient sich im informellen Sektor als Schwimmlehrerin ihren Lebensunterhalt. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Italien muss sie im September 1943 untertauchen und überlebt als U-Boot mit falschen Papieren. Sie lebt abwechselnd bei unterschiedlichen Freunden (z.B. Lea Mirabelli oder Ida Forgacs) um den Hausdurchsuchungen der SS zu entgehen. Dabei verliert sie ihre gesamten Habseligkeiten. Im Mai 1944 kann sie in die Schweiz fliehen.

Ich bin mit Frau Löwy nicht verwandt. Ich kannte sie bereits flüchtig vor 1938. Richtig lernte ich sie erst in Mailand in der Emigration (da meine Gattin Jüdin war, emigrierte ich Dez. 38 nach Italien) kennen. Ich weiß dass die Genannte bei einer Familie in Mailand wohnte und nach dem Sept. 1943 (Besetzung durch deutsches Militär) ihre gesamten Habseligkeiten und Koffer verlor.

SS-Soldaten durchsuchten damals diese Wohnung, Frau Löwy war aber nicht anwesend, sonst wäre sie mitgenommen worden. Sie mußte sich ab dieser Zeit - in diese Wohnung traute sie sich nicht mehr zurück - verstecken. Sie war bei verschiedenen Leuten versteckt; ich kann darüber aber nichts genaues angeben.

Wir Emigranten trafen uns während des Tages an verschiedenen Pätzen, wo die Leute die Nacht verbrachten sagte aber niemand. Daher kann ich über Verstecke der Frau Löwy Friederike nichts sagen.

Anton Zlamal über Friederike Löwy am 28. April 1967

In der Schweiz wird ihr der offizielle Flüchtlingsstatus zuerkannt, was sie vor Abschiebung und weiterer Verfolgung schützt, aber auch den Aufenthalten in diversen Flüchtlingslagern, dem verpflichtenden Arbeitsdienst und eingeschränkter Bewegungsfreiheit. In der Schweiz erlebt die die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Sie kehrt zunächst nach Italien zurück und emigriert 1947 nach Australien, da sie in Österreich keine Zukunft für sich sieht. Drei ihrer fünf Schwestern und vier ihrer Nichten wurden im Holocaust ermordet.

Zehn Jahre nachdem Friederike Löwy Österreich verlassen hatte, kehrt sie 1949 nach Wien zurück, auch um sich um ihre Mutter zu kümmern. Sie übt wechselnde berufliche Tätigkeiten aus – etwa in der Firma von Walter Beck und im Wiener Büro von Paul Lamberg –, ist aber wohl auch immer wieder arbeitslos. Darüber hinaus engagiert sie sich erneut im 1946 wiedergegründeten Hakoah und organisiert beispielsweise die dritte Maccabiah – die größte internationale jüdische Sportveranstaltung – von 1950 mit. Sie tritt der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) bei.

Friederike Löwy verstirbt mit 83 Jahren in Wien und findet ihre letzte Ruhestätte im jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofes.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Fritzi_Löwy

Wien.Geschichte.Wiki unter www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friederike_Löwy

Friederike Löwy

Schwimmerin
* 18. November 1910
Wien
† 13. März 1994
Wien
U-Boot, Flucht