Generalmajor Emil Samuel von Sommer

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 14.03.1938 - September 1938,
Haft 27.06.1939 - 20.12.1939,
Haft 05.03.1941 - 10.06.1941,
KZ Theresienstadt 12.09.1942 - 08.05.1945
Ehrungen:
Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Schwertern und mit der Kriegsdekoration
Österreichisches Militärverdienstkreuz mit Schwertern und mit der Kriegsdekoration
Karl-Truppenkreuz
Verwundetenmedaille
Dienstzeichen für 40-jährige Offizierszeit
Lebenslauf
Emil Samuel Sommer kommt in Dorna Watra [heute: Vatra Dornei in Rumänien] als ehelicher Sohn des Kaufmanns Aron Sommer und Franziska, geborene Drach, zur Welt. Die Familie ist jüdischen Glaubens. Emil Sommer besucht in Suczawa [heute: Suceava in Rumänien] die Volksschule und das Gymnasium, wo er 1888 maturiert. Danach arbeitet er für ein Jahr in einer Bank in Suczawa, bevor er sich 1889 als Einjährig-Freiwilliger zum Militär in Lemberg [heute: Lvov in der Ukraine] meldet. Er bleibt beim Militär und ist in der Folge in unterschiedlichen Infanterieregimentern eingesetzt (IR 30, IR 24, IR 6, IR 50, IR 24, IR 3, IR 20 und IR 100). 1894 macht er die Ergänzungsprüfung zum Berufsoffizier. 1900 heiratet er Teresia Jonas, die ein Jahr später verstirbt. 1908 heiratet er in 2. Ehe die ebenfalls jüdische Anna Mittler. Aus dieser Ehe gehen zwei Kinder hervor.
Bei Ausbruch des I. Weltkrieges ist Emil Sommer Oberleutnant. Als Bataillonskommandeur und inzwischen zum Hauptmann befördert wird 1915 er an der österreichisch-russischen Front am Uszokerpass verwundet und gerät in russische Kriegsgefangenschaft. Nach einem erfolglosen Ausbruchsversuch schafft er es aus dem Lager Novo Nikolajewsk über Finnland in seine Heimat zu flüchten. Er wird sofort an die österreichisch-italienische Front abkommandiert und nimmt als Regimentskommandant an der Piave-Offensive im Juni 1918 teil. Im selben Jahr wird er zum Oberst befördert und in den Adelsstand erhoben.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Kaiserhauses, wird Emil von Sommer in das österreichische Bundesheer übernommen. Er wird Kommandant des Wiener IR 5 und nimmt im Zuge der ungarischen Besetzung des Burgenlandes 1921/1922 aktiv an den Abwehrkämpfen teil. Am 31. Dezember 1922 wird er in den Ruhestand versetzt und 1924 zum Generalmajor ernannt.
1932 gründet Emil von Sommer den Bund jüdischer Frontsoldaten (BJF), dessen Bundesobmann er wird. Der Bund jüdischer Frontsoldaten ist neben einer Vereinigung ehemaliger Frontkämpfer, auch eine Abwehrbewegung, gegen den aus Deutschland überschwappenden, immer stärker werdenden Antisemitismus. Aufgrund interner Streitigkeiten spaltet er sich vom BJF ab und gründet 1934 die Legitimistischen jüdischen Frontkämpfer (LJF). Der aus seiner Heimat vertriebene überzeugte Österreicher Otto von Habsburg übernimmt die Patronanz für diese Organisation.
Lieber Generalmajor a.D. Sommer!
Eine von Ihnen geführte Deputation der Vereinigung der Legitimistischen Jüdischen Frontkämpfer hat mich unter Versicherung unerschütterlicher Treue um die Übernahme des Protektorates gebeten.
Ich gebe dieser Bitte statt, denn Sie alle haben in ernsten Tagen Kaiser und Reich die Treue gehalten. Mit ihren christlichen und islamischen Kameraden haben die jüdischen Soldaten das Los der Frontkämpfer auf sich genommen - Not und Gefahr, Wunden und Tod. Sie haben sich damit einen Anspruch auf die Achtung der Welt und den Dank ihres Kriegsherren erworben. In der Erinnerung an die Bewunderung, die meine Vorfahren, namentlich mein erlauchter Urgroßoheim und mein heißgeliebter kaiserlicher Vater, allen braven Kriegern gezollt haben, spende ich ihnen meine Anerkennung.
Jede Erinnerung an den Weltkrieg mahnt uns, der toten Helden nicht zu vergessen. Auch die Juden im kaiserlichen Heere, dürfen auf Tafeln hinweisen, die schmerzliche Blutopfer verzeichnen. Aller jener, die in Erfüllung ihrer beschworenen Pflicht fielen oder starben, gedenke ich in Ergriffenheit. Den Überlebenden aber entbiete ich meinen kaiserlichen Gruß.
Das mitfolgende Bild sei Ihnen allen ein Zeichen meines Dankes.
Otto
Im September 1936 gründet Emil von Sommer zusätzlich den Reichsverband jüdischer Legitimisten, dessen Ziel es ist, den Zusammenschluss aller monarchistisch-jüdischen Vereine zu bewirken. In seinen Organisationen stellt sich der leidenschaftliche österreichische Patriot mit aller Kraft gegen den aus Deutschland kommenden Nationalsozialismus.
Am 12. März 1938 muss er erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Am nächsten Tag wird er zu einer 'Reibpartie' abgeholt. [Anm.: Dabei wurden nach der Besetzung Österreichs, primär Juden, aber auch Regimegegner gezwungen, Straßen von pro-österreichischen Parolen zu säubern. Dies fand unter dem Gejohle des nationalsozialistischen Mobs statt und war als Demütigung und Verhöhnung gedacht.] Emil von Sommer bittet um Erlaubnis sich umziehen zu dürfen und erscheint in der österreichischen Generalmajors-Uniform mit allen Auszeichnungen. Daraufhin zieht sich der Mob zurück.
Am nächsten Tag wird Emil von Sommer in Schutzhaft genommen und erst im September 1938 wieder freigelassen. Durch Intervention bei Walther von Brauchitsch, dem deutschen Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber des Heeres, erreicht er die Entlassung seines Schwiegersohns aus dem KZ Buchenwald, der danach mit Sommers Tochter die Emigration in die Vereinigten Staaten von Amerika schafft.
Der Besitz Emil von Sommers wird 'arisiert' worauf Anna und Emil von Sommer in die Wohnung der Mutter Annas im 1. Wiener Gemeindebezirk übersiedeln müssen. Zwei weitere Male wird Emil von Sommer von der Gestapo in Haft genommen ( vom 27. Juni 1939 - 20. Dezember 1939 und vom 5. März 1941 bis 10. Juni 1941), da ihm staatsfeindliche Betätigung, unter anderem Kontakte zu Otto von Habsburg, vorgeworfen werden. 1942 muss das Ehepaar von Sommer in den 2. Wiener Gemeindebezirk umziehen. Von dort werden sie am 12. September 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Am 8. Mai 1945 werden Emil von Sommer und seine Ehefrau dort von der Roten Armee befreit.
Im Juni ziehen sie zurück nach Wien. Die Hochzeit seines Sohnes kann Emil von Sommer noch erleben. Danach begibt er sich auf eine Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika zu seiner Tochter, wo er mit 77 Jahren an einem Hirnschlag verstirbt. Seine Asche wird nach Wien überführt, wo er unter Teilnahme von Vertretern der Israelischen Kultusgemeinde (IKG) und der Bundesregierung am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt wird.

Quellen
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Emil_Sommer_(General)
