Ökonomierat Isidor Harsieber

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 12.03.1938 - 16.06.1938,
KZ Dachau 16.06.1938 - 13.03.1939
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Isidor Harsieber kommt in Kranichberg als ehelicher Sohn des gleichnamigen Taglöhners Isidor Harsieber und seiner Gattin Theresia, geborene Fechs, zur Wels. Nach der Volksschule besucht er die landwirtschaftliche Fachschule Feldsberg und arbeitet danach als Landarbeiter. Ab 1913 leistet er seinen Militärdienst und wird mit Ausbruch des I. Weltkrieges zum Kriegsdienst in das Landsturmbataillon Nr. 160 eingezogen. Am 16. Juni 1916 heiratet er Antonia Wegerer und wird in weiterer Folge Vater eines Sohnes und zweier Töchter. Nach der Niederlage Österreich- Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg, gerät er in italienische Kriegsgefangenschaft.
Nach seiner Rückkehr arbeitet Isidor Harsieber in Gloggnitz, in dem bereits von seinen Eltern von David Hartenstein gepachteten Grashof. Am 30. November 1924 wird er als einer der Vertreter der Christlichsozialen Partei (CSP) in den Gemeinderat gewählt. 1926 kaufen er und seine Ehefrau den Grashof vom Besitzer David Hartenstein.
1934 tritt Isidor Harsieber der Vaterländischen Front bei. Nach dem sozialistischen Februaraufstand des Jahres 1934 wird er am 14. Februar 1934 als Gemeindeverwalter eingesetzt und in weiterer Folge als Bürgermeister bestellt. Gemeinsam mit Norbert Endres, der Organisationsreferent der Vaterländischen Front in Gloggnitz ist, bekämpfen sie den Nationalsozialismus auf allen Ebenen.
Am 12. März 1938 erlebt Isidor Harsieber wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Noch am Tag der Besetzung Österreichs wird er von der Gestapo verhaftet und am 16. Juni 1938 in das KZ Dachau deportiert. Dort wird er am 13. März 1939 entlassen und kehrt in seine Landwirtschaft nach Gloggnitz zurück.
In Gloggnitz erlebt Isidor Harsieber die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Er wird noch im Jahr der Befreiung zum Vizebürgermeister bestellt. 1946 ist er Bezirksbauernobmann und zwischen 1947 und 1951 Bezirksparteiobmann der ÖVP Gloggnitz. Zwischen dem 19. Mai 1949 und dem 5 . November 1949 ist er Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag.
Wer durch die Hölle von Dachau gegangen ist, läßt sich nicht mehr von dummen Schlagern leiten, weil ja schließlich diese Schlager in kurz oder lang als solche in Erscheinung treten. […] wir sind überzeugt, dass nur in einer vernünftigen Zusammenarbeit zwischen verantwortungsbewussten Gemeindevertretern Erfolge für die Allgemeinheit erzielt werden können. Wir haben schon einmal die Folgen erlebt, die eintreten, wenn nicht die Vernunft, sondern die Gewalt siegt.
[Anm: Das Wort 'Schlager' ist hier im Sinne von Schlagzeilen, Parolen, falschen Versprechungen, etc… zu verstehen.]
Isidor Harsieber ist Vizebürgermeister bis zur Gemeinderatswahl am 10. April 1960. Danach scheidet er von seinen politischen Ämtern aus.
Isidor Harsieber verstirbt mit 73 Jahren in Neunkirchen und findet seine letzte Ruhestätte am Waldfriedhof Gloggnitz.
Quellen
Landesarchiv NÖ
Archiv der Gemeinde Gloggnitz
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