Wilhelm Karl König
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Flucht 20.03.1938,
Arisierung 20.03.1938
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Wilhelm Karl König kommt in Wien als ehelicher Sohn des Primgeigers und Konzertmeisters des Wiener Hofopernorchesters Josef König und seiner Gattin Helene, geborene Pollak zur Welt. Die Familie ist jüdischen Glaubens. Noch im Jahr seiner Geburt verstirbt sein Vater, Wilhelm König wächst alleine mit seiner Mutter auf. Die Vormundschaft übernimmt Emil Steinbach, 1891 bis 1893 österreichischer Finanzminister und 1904 bis 1907 Präsident des Obersten Gerichtshofs, ein Verwandter mütterlicherseits. Über seinen Bildungsweg ist nichts erhalten geblieben.
Nach einer frühen Tätigkeit in der Wiener Zentrale des Österreichischen Credit-Anstalt-Bankvereins wechselt Wilhelm König 1909 in den Dienst der von Adolf Hermann Landesberger geleiten Anglo-Österreichischen Bank. Nach dessen Tod 1912 avanciert Wilhelm König zum Direktorstellvertreter mit Sitz und Stimme im Generalrat sowie zum alleinigen Chef des Börse-Büros der Wiener Zentrale. Am 14. November 1912 heiratet er Adolf Landesbergers Tochter Marianne Landesberger, geboren am 22. August 1893 in Wien. Wohl im Zusammenhang mit der Eheschließung tritt Marianne Landesberger kurz zuvor aus der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien aus bzw. zum Katholizismus über. Ihre Taufpatin ist Wilhelm Königs Mutter Helene König, die bereits 1910 zum Katholizismus konvertiert war; Wilhelms IKG-Austritt war schon zuvor im Februar 1907 erfolgt, im November desselben Jahres wurde auch er römisch-katholisch getauft. Marianne und Wilhelm König wohnen ab 1917 gemeinsam mit Helene König in der Garnisongasse 6/12 im 9. Wiener Gemeindebezirk; außerdem besitzt er ein Landhaus in Wien-Döbling. Die Ehe bleibt kinderlos.
Im November 1918 erlebt Wilhelm König die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung und die Vertreibung des Hauses Habsburg.
Im März 1921 übernimmt Wilhelm König das Amt des Generaldirektors der von Stephan Mautner geführten Neuen Wiener Bankgesellschaft. Als diese im November 1922 Anteile an der Potsdamer Kreditbank erwirbt, wird Wilhelm König in deren Aufsichtsrat berufen; ferner ist er Vizepräsident der Mobilbank A.G. Budapest. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise wechselt er 1926 ins Bundesministerium für Finanzen, wo er bis 1937 als Kontrollorgan des Völkerbundes für den Reliefkredit der Vöslauer Kammgarn-A.G. tätig ist; bis 1938 bleibt er weiterhin als Experte für den Österreichischen Credit-Anstalt-Bankverein tätig und ist gerichtlich beeideter Sachverständiger für Bank- und Börsenwesen. Darüber hinaus sind seine Berufsjahre von seiner publizistischen Tätigkeit zur Finanzpolitik geprägt. Neben zahlreichen Artikeln in führenden Tageszeitungen wie der Neuen Freien Presse, dem Neuen Wiener Tagblatt oder der Reichspost stoßen laut Marcell Klangs Handbuch 'Die geistige Elite Österreichs' (1936) auch selbständige Publikationen wie 'Barzahlung und Banktrennung' (1907), 'Der Staatsbankrott von 1811' (1911) oder 'Zur Theorie der Steuer' (1918) auf reges Interesse. Seine publizistische Tätigkeit, gerade in den 1930er Jahren, wendet sich massiv gegen den Nationalsozialismus.
Wilhelm König ist darüber hinaus leidenschaftlicher Kunstsammler und verfügt über eine kostbare Bibliothek von angeblich 5.000 Bänden. Der früheste Beleg für Wilhelm Königs Kunstsammlung findet sich im Archiv des Bundesdenkmalamtes, mit seiner Erklärung, seine Sammlung öffentlich zugänglich zu machen. Es handelt sich um eine Reaktion auf die im Juli 1920 erlassene einmalige große Vermögensabgabe (BGBl. 371/1920).
Ich bin Inhaber der im Hause Wien 9., Garnisongasse 6 gelegenen Wohnung. Diese Wohnung beherbergt eine Sammlung von ungefähr zweitausendfünfhundert Handzeichnungen und Aquarellen vom fünfzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart, sowie an zweihundert Ölbilder und Skizzen verschiedenster Meister und Richtungen, sowie auch einige Plastiken. Meine Sammlung wird schon seit Jahren von Künstlern und Kunstgelehrten sehr häufig besucht, die bei mir sonst nirgends vorfindliches Material finden.
Am 12. März 1938 muss Wilhelm König erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Wilhelm und Marianne König als ‘Volljuden’ gelten.
Wilhelm König erfährt, dass er aufgrund seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus auf Verhaftungslisten der Gestapo steht. Deshalb entschließen sich er und seine Ehefrau zur Flucht. Am 20. März 1938 fliehen sie über die Schweiz, Frankreich und England nach Schweden. Aufgrund der überhasteten Flucht, können sie nur einen sehr geringen Teil ihres Vermögens und ihrer Kunstwerke mitnehmen. Der im besetzten Österreich verbleibende Großteil des Vermögens wird von den nationalsozialistischen Behörden beschlagnahmt.
Im Exil betätigt sich Wilhelm König publizistisch gegen den Nationalsozialismus in den Zeitschriften 'Tat', der 'Schweizerischen Handelszeitung', der schwedischen 'Svenska Dagbladed' und der 'Industria'. Darüber hinaus ist er Korrespondent der katholischen Organisationen Amerikas, der 'National Catholic Welfare Conference'. Aufgrund seiner publizistischen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus wird er in von der Gestapo als 'Mitglied des Giftkabinetts Stockholm' bezeichnet.
In Stockholm erleben Wilhelm und Marianne König die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Nachdem ihr gesamtes Vermögen, u.a. auch ihre Wohnung von den Nationalsozialisten 'arisiert' wurde und sie ihre Eigentum restituiert werden muss, zieht sich ihre Heimkehr nach Wien bis zum 25. März 1949 hin. Der Restitutionsprozess zieht sich schließlich bis ins Jahr 2024, lange nach dem Tod von Wilhelm und Marianne König, hin.
Nach ihrer Heimkehr treten Wilhelm und Marianne König der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Altersbedingt ist er nicht mehr tätig. Wilhelm König verstirbt mit 75 Jahren in Wien.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Kommission für Provenienzforschung unter provenienzforschung.gv.at/beiratsbeschluesse/Koenig_Wilhelm_2024-09-27.pdf
