Friedrich Dirnbacher

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 19.01.1942 - 03.07.1942
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Friedrich Dirnbacher kommt in Gross bei Hollabrunn als ehelicher Sohn des Landwirten Karl Dirnbacher und Anna, geborene Haselbauer, zur Welt. Nach acht Klassen Volksschule arbeitet er in der Landwirtschaft seines Vaters. 1917 wird er in den I. Weltkrieg eingezogen, aber 1918 krankheitshalber ausgemustert. Danach arbeitet er wieder in der elterlichen Landwirtschaft.
1932 macht sich Friedrich Dirnbacher als Weinhändler in Wien selbständig. Politisch engagiert er sich in der Zwischenkriegszeit nicht.
Am 12. März 1938 muss Friedrich Dirnbacher erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Im September und Oktober 1938 wird er zur Wehrmacht als Kraftfahrer in St. Pölten und zwischen August 1939 und November 1939 als Flak-Soldat in Stammersdorf und Sillein [heute: Žilina in der Slowakei] eingezogen. Danach arbeitet er wieder als Weinhändler.
Im Rahmen einer Geschäftsreise am 24. Dezember 1941 nach Dippersdorf in Niederösterreich liest er Landwirten den Brief eines, in Bayern bei der Wehrmacht stationierten, Knechts vor, den er zuvor einem anderen Landwirten entwendet hatte. Dieser Brief ist defätistischen Inhalts.
[…]
Aber mir ist's jetzt schon ganz Wurst. Hilft alles andere auch nichts. Der Krieg wird nicht früher aus, bis wir vor Not nicht sch…. können. Jetzt wirds erst gemütlich und schön. So muss es kommen und noch schlimmer, dann werden diese Hirngspinster schon einmal aufhören. Die Glocken sind bei uns schon überall fort. Korn und Kartoffel sind beschlagnahmt. Aber sind wir froh, dass wir mit Amerika Krieg führen dürfen. Nun sollens nur so weiter spinnen, soweit der Vorrat reicht. Bevor ein Esel ein Narr wird, gibt er noch ein Zeichen.
[…]
Friedrich Dirnbacher erzählt er habe diesen Brief auch schon mehreren Bauern vorgelesen. Später, als er an einem Tisch der Bauernfamilie Weihnachtskarten schreibt und von einer Tochter des Hofes darauf angesprochen wird, dass die Post kriegsbedingt zur Weihnachtszeit überlastet sei, antwortet er 'Was wollen die noch alles wegnehmen?'. Schließlich erklärt er der Tochter des Hauses, er sei bereits bei der Wehrmacht gewesen und könne diese nicht ausstehen. Nationalsozialisten bezeichnet er als 'Verkehrte'.
Der Landwirt denunziert Friedrich Dirnbacher bei der Gestapo. Am 19. Jänner 1942 wird Friedrich Dirnbacher verhaftet und vom Sondergericht am 26. Juni 1942 wegen des Vergehen der 'Heimtücke' und der 'Wehrkraftzersetzung' zu einem Jahr Kerker verurteilt. Am 3. Juli 1942 wird er bereits aus der Haft entlassen. Danach ist Friedrich Dirnbacher wieder als Weinhändler tätig. Seine Weinhandlung wird in den letzten Kriegstagen durch Bombentreffer zerstört.
Im April bzw. Mai 1945 erlebt Friedrich Dirnbacher die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Er baut in der Folge seinen Weinhandel neu auf und tritt der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Friedrich Dirnbacher verstirbt mit 58 Jahren ledig und kinderlos in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Siebenhirten.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
