Jolande Czako

Personalia

Geboren:

29. Oktober 1877, Budapest

Gestorben:

28. Juli 1956, Wien

Beruf:

Redakteurin

Verfolgung:

Flucht 12.02.1942,
Haft 25.01.1944 - 28.06.1944

Mitgliedschaften

ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Jolande Czako kommt in Budapest als ehelichte Tochter von Anton Czako und Gisela, geborene Sonnenberg, zur Welt. Ihre Eltern sind jüdischen Glaubens und nehmen später den Namen Buchwald an, Jolande Czako behält aber ihren Namen.

Jolande Czako macht die Ausbildung zur Sprachlehrerin und konvertiert am 27. Dezember 1896 zum katholischen Glauben. Danach zieht sie nach Wien und arbeitet als Redakteurin und Modeschriftstellerin. Sie findet Anstellung bei der Chic Parisien Bachwitz AG.

Am 12. März 1938 muss Jolande Czako erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Jolande Czako als ‘Volljüdin’ gilt.

Die Chic Parisien Bachwitz AG wird sofort 'arisiert' und Jolande Czako gekündigt. Nachdem sie bereits 60 Jahre alt ist, kann sie in Pension gehen.

In Wien verschlimmert sich die Verfolgung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger sukzessive. Ab 15. September 1941 werden alle Jüdinnen und Juden ab dem 6. Lebensjahr gezwungen, den 'Judenstern' zu tragen. Am 12. Februar 1942 flüchtet Jolande Czako nach Budapest, in die Stadt ihrer Geburt, wo Jüdinnen und Juden nicht derart, wie in Deutschland, verfolgt werden.

Diese Situation ändert sich, als sich nach der deutschen Besetzung, die Marionettenregierung unter Döme Sztójay aktiv am Holocaust beteiligt. Die Deportation jüdischer Ungarinnen und jüdischer Ungarn nach Auschwitz beginnen am 15. Mai 1944 und halten bis zum 9. Juli 1944 an, bis Reichsverweser MiklósHorthy die Transporte stoppen läßt und die jüdische Bevölkerung von Budapest damit weitgehend verschont.

Jolande Czako wird ab 25. Jänner 1944 im Sammellager (Schubhaus) Rumbachgasse in Budapest festgehalten. Mit der beginnenden Einstellung der Deportationen in die Konzentrationslager wird sie am 28. Juni 1944 wieder freigelassen.

In Budapest erlebt Jolande Czako die Befreiung Österreichs im April bzw. Mai 1945 und die Wiedererrichtung der Republik. Am 1. September 1945 kehrt sie nach Wien zurück.

Altersbedingt bleibt Jolande Czako in Pension. Sie wird Mitglied der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich und verstirbt mit 78 Jahren ledig und kinderlos in Wien.

[Anm: Die Chic Parisien Bachwitz AG war ein internationaler Modeverlag mit Hauptsitz in Wien und Nebensitzen in Paris, London, New York, Brüssel und Berlin. Bis zu 50 Magazine wurden hier veröffentlicht. Wohlhabende amerikanische Prominente der damaligen Zeit nutzten die Zeitschrift Chic Parisien als Katalog, um aus der neuesten europäischen Mode zu wählen. Der Sitz des Unternehmens befand sich im Palais des Beaux Arts in Wien. Nach der Okkupation Österreichs 1938 wurde die Firma arisiert, die verbliebene Führung in oder auf dem Weg zu Konzentrationslagern ermordet.

Zu den aktuellen und saisonalen Zeitschriften von Bachwitz gehörten The Fashion Designer, Chic Parisien (1898–1939), The Large Mode (1900–1922), The Elegant Woman (1900–1929), The Coming Season (1920–1938), Les Tailleurs Charmants (1939) und Moderne Welt (1918–1939). Eine Reihe ihrer Veröffentlichungen wurden in mehreren Sprachen (Deutsch, Französisch, Englisch und Russisch) gedruckt und Vertriebspartner ihrer Veröffentlichungen befanden sich in Paris, Wien, London, Berlin, Brüssel, Mailand, Lissabon, New York, Prag, Bukarest, Minsk, Madrid, Barcelona, Auckland, Melbourne und Warschau.]

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Jolande Czako

Redakteurin
* 29. Oktober 1877
Budapest
† 28. Juli 1956
Wien
Haft, Flucht