Bernard Josef Stickler

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 12.03.1938 - 29.09.1938,
Flucht 14.10.1938
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Bernard Stickler wird in Neunkirchen, als eines von zwölf Kindern des Buchbindermeisters Michael Stickler und seiner Ehefrau Theresia, geborene Schachner, geboren. Die prominente Neunkirchner Familie ist sehr gläubig. So ist einer seiner Brüder der spätere bekannte Kardinal Alfons Maria Stickler. Ein anderer Bruder war Michael Stickler, der spätere Leiter der Parlamentsbibliothek und Archivar des Österreichischen Cartellverbands, sowie Vater des langjährigen hohen Funktionärs des Österreichischen Cartellverbands, Herbert Stickler.
Nach seiner Schulausbildung erlernt Bernard Stickler den Beruf seines Vaters und wird ebenfalls Buchbindermeister.
Danach geht er zum österreichischen Bundesheer und wird im März 1934 ausgemustert. Zuhause angekommen wird er Instruktor des Freiwilligen Schutzkorps des Bezirks Neunkirchen. [Anm.: Das Freiwillige Schutzkorps war eine Mitte 1933 in Österreich geschaffene bewaffnete Formation, welche die staatliche Exekutive (Polizei, Gendarmerie) bei ihren Aufgaben unterstützen sollte.] Als dessen Kommandant sichert er bewaffnet nach dem Putschversuch der Nationalsozialisten im Juli 1934 den Bezirk.
Gleichzeitig habe ich als solcher im Auftrag der Gendarmerie verschiedene Naziführer in ihren Verstecken (Schneeberg, Hohe Wand) verhaftet und ihr eingeliefert. Bis zum Jahre 1938 wurde ich fallweise immer wieder mit meiner Truppe zu Aufgaben der Gendarmerie aufgeboten und war bis zum 12. März 1938 mit der Organisation des Widerstandes, bes. unter den Arbeitern des Bezirkes, tätig.
Zusätzlich ist Bernard Stickler Bezirkssekretär der Vaterländischen Front unter dem Leiter Johann Buchleitner. In der Zeit vor dem 12. März 1938 organisieren die beiden Gruppen von Arbeitern, die Treffen der Nationalsozialisten sprengen sollen.
Der 12. März 1938, der Tag an dem Österreich von Hitler-Deutschland okkupiert wird und für sieben Jahre untergeht, erschüttert die Familie bis ins Mark. Schon am Abend des 11. März 1938 versuchen SA- und SS-Angehörige Bernard Stickler zu verhaften. Nachdem sie seiner nicht habhaft werden, nehmen sie seinen 57-jährigen Vater als Geisel. Am nächsten Morgen stellt sich Bernard Stickler freiwillig der SA und SS, um seinen Vater zu retten.
Weil er aus einer prominenten Neunkirchner Familie kommt, traut man sich nicht, ihn gleich in das KZ Dachau zu deportieren. Stattdessen soll er zuerst kriminell belastet werden.
Hinzufügen möchte ich noch, daß ich mich während meiner Haft wohl imGefängnis Neunkirchen und Kreisgericht Wr. Neustadt befand, die “Betreuung” der politischen Häftlinge in Neunkirchen aber ausschließlich durch SS-Leute, in Wr.Neustadt durch SA-Legionäre unter Aufsicht der Gestapo erfolgte, sodaß von einer ordentlichen Untersuchungs- oder Strafhaft keine Rede sein konnte und wir Tag und Nacht den Launen unserer Wächter ausgesetzt waren.
Nach körperlichen Misshandlungen und öffentlichen Demütigungen, erhält er im September 1938 den Einberufungsbefehl zur Wehrmacht und wird am 29. September 1938 vorübergehend aus der Haft zur Stellung in Wien entlassen.
Bei der Stellung in Wien erklärt man ihm, dass sich sein Regiment momentan nahe der Grenze zur Tschechoslowakei befände und er nicht mehr benötigt würde.
Da er nicht zurück in Haft möchte, reist er von Wien nach Vorarlberg und flüchtet am 14. Oktober 1938 in die Schweiz. Dort meldet er sich bei der Caritas Flüchtlingsstelle und wird Küchengehilfe in einem Flüchtlingslager. Im Dezember 1938 nimmt ihn der Kaufmann Othmar Bernhard bei sich zu Hause auf.
Schließlich kann Bernard Stickler am 25. Oktober 1939 nach Palästina auswandern. Durch Vermittlung, wahrscheinlich seines Bruders, Alfons Maria Stickler, kann er im Benediktinerkloster Dormitio auf dem Berg Sion als Buchbinder, gegen Kost und Logis arbeiten.
Als die Mönche, meist deutsche Staatsbürger, Ende 1941 interniert werden, kommt Bernard Stickler bei der Familie Egosi, ebenfalls österreichische Emigranten, unter.
Dort erlebt er die Befreiung Österreichs im Mai 1945. 1947 kann er schließlich durch das UNRRA-Repatriierungsprogramm zurück in seine Heimat.
Er übernimmt die Buchbinderei seines 1946 verstorbenen Vaters. Später heiratet er zwei Mal und hat zwei Töchter. Er engagiert sich in der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich. Als Buchbindermeister geht er in Neunkirchen in Pension und verstirbt dort 1990.
Orte
Wohnort:
Quellen
Landesarchiv Niederösterreich
Familienchronik Stickler
