Emilie Carolina Maria Anna von Kronenfels

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 10.07.1940 - 10.09.1940
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Emilie Carolina Maria Anna von Kronenfels kommt in Wien als eheliche Tochter des Beamten im k.k. Handelsministerium Arthur Ritter von Kronenfels und seiner Gattin Anna Maria, geborene Edle von Dahmen, zur Welt. In Wien besucht sie die Volks- und Bürgerschule und im Anschluss eine Fortbildungsschule, sowie einen zweijährigen Französischkurs. Danach arbeitet sie als Sprachlehrerin. Nach dem Tod ihres Vaters lebt sie zusammen mit ihrer Mutter.
Im November 1918 erlebt Emilie von Kronenfels die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Sie ist überzeugte Legitimistin, betätigt sich aber in den 1920ern und 1930ern nicht politisch, wiewohl sie dem Nationalsozialismus ablehnend gegenübersteht.
Am 12. März 1938 erlebt Emilie von Kronenfels wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Gegenüber ihren Freundinnen Anna Trnka und Marianna Brünner äußerst sie sich immer wieder abfällig gegenüber den neuen Machthabern.
Gauleiter Bürckel wurde beobachtet, wie er betrunken nach Hause gekommen ist und von seinem Kraftlenker wie ein Sack Erdäpfel in die Wohnung getragen wurde.
Ribbentrop hat beim Verlassen des Vatikans einen Ohnmachtsanfall erlitten, weil ihm der Papst die Wahrheit gesagt hat.
Die Nachrichten im Radio und in den Zeitungen entsprechen nicht den Tatsachen. Im Radio wurde bekanntgegeben, dass ein deutschen Flugzeug 13 englische Maschinen abgeschossen habe. In Wirklichkeit hat ein englisches Flugzeug 13 deutsche Maschinen abgeschossen. Auf diese Weise versucht die Nachrichtenstelle die Tatsachen zu verdrehen.
Die Soldaten an der Front haben sehr wenig zu essen und auch die sonstige Ausstattung lässt zu Wünschen übrig. Das sei auf den Mangel an Kraftfahrern für den Nachschub zurückzuführen. Ich habe von einem Offizier gehört, dass die Verwundeten infolge Ärztemangels nicht sachgemäß behandelt würden. Bei den Verwundeten hat man vielfach festgestellt, dass unter den Verbänden schon Würmer herumkriechen.
Dem Führer rinnt schon das Wasser zusammen. Er will deshalb in Ungarn einfallen, weil wir nichts mehr zum Essen haben und sich Fett und anders holen. Der Führer hat aber vom Duce eine Abfuhr erhalten wegen des Einmarsches in Ungarn. Aus diesem Grund hat der Führer bisher einen Einmarsch unterlassen. An der ungarisch-slowakischen Grenze war beabsichtigt, einen Unruheherd zu stiften, um den Einmarsch deutscher Truppen erforderlich zu machen. Dann hätte es so kommen sollen wie in Polen und Böhmen. Die Nazi haben immer die gleichen Stänkermethoden. Ich zweifle dass wegen der Bahnverhältnisse die Kohlenlieferungen nach Italien möglich sein werden. Sollte es aber dennoch sein, so gehe daraus hervor, dass man dringend Devisen zum Vorschiessen benötigt. Ich kann nicht verstehen, wohin das viele Geld des WHW kommt, obwohl es angeblich keine Armen mehr gibt. Unseren Vereinen hat man das Geld und dadurch den Armen gestohlen.
Den Schutzhäftlingen in Dachau geht es sehr schlecht. Z.B. Schmitz, Adam und Hohenberg. Jetzt gehen häufig Leute mit Sammellisten herum, die für die Monarchisten Mitglieder werben wollen. Sie selbst werden sich aber keinesfalls daran beteiligen, weil die Leute, die auf diesen Listen stehen, eingesperrt werden, denn das sind Fallen der Gestapo. Viele der ausgewiesenen Südtiroler hätten sich schon in ihrer Verzweiflung umgebracht, die Nazi verstehen es aber auf jeden Fall, die Sache anders darzustellen.
Die Untermieterin von Emilie von Kronenfels ist Ohrenzeugin der Aussagen und zeigt sie bei der Gestapo an. Am 5. April 1940 erfolgt eine Hausdurchsuchung und ein fünfstündiges Verhör der Gestapo. Auf dringende Bitten von Emilie von Kronenfels, sie müsse ihre kranke Mutter pflegen, wird sie entlassen. Sie muss sich jedoch verpflichten, die Wohnung nicht zu verlassen und keine Gäste zu empfangen.
Nach über zwei Monaten in totaler Isolation wird sie am 7. Juni 1940 vor dem Sondergericht wegen 'Fahrlässiger Verbreitung staatsfeindlicher Gerüchte' zu zwei Monaten Haft verurteilt. Sie verbüßt die Haft vom 10. Juli 1940 bis 10. September 1940 im Landesgericht I und Landesgericht II in Wien.
Unsere, resp. meine Treue zum Vaterland und meine immer gleichbleibende Gesinnung als gute Österreicherin hat mir diese schwere Zeit im Jahre 1940 bereitet.
Nach ihrer Haftentlassung bestreitet Emilie von Kronenfels ihren Lebensunterhalt als Privatlehrerin und Gerichtsdolmetsch.
In Wien erlebt Emilie von Kronenfels die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Im Jahr der Befreiung ihres Heimatlandes verstirbt ihre Mutter. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Danach lebt sie als Privatier. Sie verstirbt ledig und kinderlos kurz vor ihrem 86. Geburtstag und findet ihre letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Baumgarten.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
