Bernhard Wilhelm Kunz
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Entlassung 17.01.1939
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Bernhard Wilhelm Kunz kommt in Wien als ehelicher Sohn des Sattlermeisters und Bezirksvorstehers des Bezirks Rudolfsheim, Eduard Kunz und seiner Gattin Antonie, geborene Pfaff, zur Welt. Die Familie ist katholisch und christlich-sozial eingestellt. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg arbeitet er bei der Wiener Baukredit-Bank. Die 1909 gegründete Bank wird mit der Berechtigung ins Leben gerufen, Baukredite bis zu einem Drittel des Verkehrswertes einer Immobilie zu gewähren. Neben Wohnbauten finanziert die Bank auch markante Infrastrukturprojekte. So zeichnet die Bauabteilung der Wiener Baukredit-Bank in den Jahren 1925/26 für die Errichtung der Raxseilbahn, der ersten Seilschwebebahn Österreichs, verantwortlich. In den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren übernimmt die Bank im Auftrag des Finanzministeriums die Baukontrolle für staatlich geförderte Wohnbauten (Wohnbauförderung). Zu dieser Zeit hält die deutsche Bau- und Bodenbank eine Mehrheitsbeteiligung. Aufgrund von Unterstützung nationalsozialistischer Aktivitäten wird die Wiener Niederlassung jedoch 1935 durch die österreichische Bundesregierung in Wien geschlossen. Das Institut wird schließlich in Liquidation.
Bernhard Kunz, der 1920 Anna Duspiva geheiratet hatte und Vater eines Sohnes ist, tritt 1933 der Vaterländischen Front bei. In dieser Zeit wechselt er beruflich in die Gemeinde Wien wird dort Mitglied der Betriebmiliz und Funktionär der Vaterländischen Front. Der übezeugte Österreicher tritt entschieden gegen den Nationalsozialismus auf.
Am 12. März 1938 muss er erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Am 17. Jänner 1939 wird er aufgrund seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus als Beamter durch Zwangspensionierung entlasse, nachdem ihm die Kreisleitung VII Wien der NSDAP eine negative Einschätzung erteilt hat.
Gesamturteil des Kreisleiters:
Gegen den Obengenannten bestehen seitens der Kreisleitung VII der NSDAP in politischer Hinsicht Bedenkten und es kann daher seitens der Kreisleitung ein Einsatz desselben für den neuen Staat nicht gutgeheissen werden.
Was Bernhard Kunz zwischen 1939 und 1945 genau gemacht hat, lässt sich nicht mehr eruieren. Er erlebt 1945 jedenfalls die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Am 3. Jänner 1946 wird er rehabilitiert und wieder in den Dienst der Gemeinde Wien aufgenommen. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Als Beamter der Gemeinde Wien geht Bernhard Kunz in den Ruhestand und verstirbt mit 70 Jahren. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien - Baumgarten.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW)
Suttner, Andreas (2017): Das Schwarze Wien. Bautätigkeit im Ständestaat 1934 - 1938 (Wien/Köln/Weimar)
Österreichisches Parlament. Stenographisches Protokoll der 124. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich vom 21. März 1930
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