Ignaz (John) Stieber
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 12.03.1938 - 02.04.1938,
KZ Dachau 02.04.1938 - 23.09.1938,
KZ Buchenwald 23.09.1938 - 24.05.1939,
Flucht 28.06.1939
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Ignaz Stieber kommt in Wien als ehelicher Sohn des Eisenwarenhändlers Joseph Stieber und Gisela, geborene Hellerd, zur Welt. Er hat eine drei Jahre ältere Schwester, die Familie gehört der jüdischen Glaubensgemeinschaft an. Nach dem Konkurs des väterlichen Geschäfts, lassen sich seine Eltern scheiden, Ignaz Stieber bleibt bei seiner Mutter, die putzen gehen muss, um die Familie finanziell erhalten zu können.
Nach der Schulbildung wird Ignaz Stieber Bäckergeselle. Wie seine ältere Schwester engagiert er sich zwischen 1931 und 1934 in der Sozialistischen Arbeiterjugend der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) [heute: SPÖ]. Danach tritt er der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) bei und betätigt sich für diese auch nach ihrem Verbot. Zwischen 14. Dezember 1936 und 31. Dezember 1936 und 1. April 1937 und 20. April 1937 ist er deswegen in Haft.
Am 12. März 1938, dem Tag des Einmarsches der deutschen Wehrmacht in Österreich, versucht Ignaz Stieber mit zu Fuß über die Grenze nach in die Tschechische Republik zu fliehen. Er wird von den tschechischen Grenzbehörden wegen illegalen Grenzübertritts an der Grenze verhaftet und am 17. März 1938 den deutschen Behörden übergeben. Diese bringen ihn in die Haftanstalt Rossauerlände, wo er am 2. April 1938, mit dem sogenannten 'Prominententransport' in das KZ Dachau deportiert wird. Von dort wird er am 23. September 1938 in das KZ Buchenwald überstellt.
Ignaz Stiebers Schwester ist in der Zwischenzeit nach Großbritannien ausgewandert und besorgt dort ein gefälschtes Visum für Uruguay. Unter Vorlage dieses Visums wird Ignaz Stieber am 24. Mai 1939, unter der Auflage das besetzte Österreich ehestbaldigst zu verlassen, aus dem Konzentrationslager entlassen.
Am 28. Juni 1939 flüchtet Ignaz Stieber nach Genua in Italien und betätigt sich dort als Geldwechsler. Nachdem die italienischen Behörden gegen Geldwechsler vorgehen, siedelt er nach Rom, wo er Gelegenheitsarbeiten nachgeht. Obwohl er jüdischen Glaubens ist, unterstützt ihn der Vatikan zwei Mal mit jeweils 600 Lire. Danach geht er zurück nach Genua und arbeitet als Kohlenhändler. Auf Druck des deutschen Staates, wird er, wie alle deutschen in Italien lebenden Juden, am 28. Juni 1940 verhaftet und in Palermo interniert. In dieser Zeit bekommt er das Angebot, eine jüdische Siedlung in der Dominikanischen Republik aufzubauen. Er nimmt die Gelegenheit wahr, und reist über Genua nach Lissabon, von dort weiter nach New York und nach zwei Wochen Aufenthalt in Ellis Island, weiter in die Dominikanischen Republik. Dort arbeitet er in der Landwirtschaft und erlebt die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik.
Ignaz Stieber entschließt sich jedoch nicht zur Rückkehr nach Österreich, sondern möchte in die Vereinigten Staaten von Amerika auswandern. Ein gültiges Visa für diesen Staat erhält er schließlich 1949. Über Miami reist er nach New York zu Verwandten und arbeitet als Maler. Nach einigen Monaten reist er weiter nach St. Louis, wo er zuerst in einer Großbäckerei am Fließband und später in einer kleinen Bäckerei als Bäcker arbeitet. Er benennt sich von 'Ignaz' auf 'John' und heiratet Kathleen Schwartz, mit der er in weiterer Folge drei Söhne hat. Er nimmt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an.
Ein letztes Mal übersiedelt er von St. Louis nach Los Angeles, wo John Stieber in einer Lackiererei arbeitet und dort in Pension geht. Er verstirbt dort mit 86 Jahren.
Orte
Wohnort:
Verfolgung:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
www.ancestry.com
Arolsen Archives unter www.collections.arolsen-archives.org
United States Holocaust Memorial Museum unter www.ushmm.org
