Friedrich Wilhelm Felix Junghans
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 24.05.1935 - 27.08.1935,
Haft 08.03.1938 - 05.05.1938
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Friedrich Wilhelm Felix Junghans kommt in Berlin als ehelicher Sohn von Wilhelm Junghans und seiner Gattin Eugenie, geborene Krämer, zur Welt. 1904 zieht die Familie nach Wien. Über die weitere Kindheit und Jugend von Friedrich Junghans ist nichts erhalten geblieben.
Friedrich Junghans meldet sich zum Kriegsdienst in den Ersten Weltkrieg bei der deutschen Armee und rüstet als Leutnant ab. Nach dem Krieg arbeitet er als Kaufmann und Vertreter. 1922 zieht er nach Karlsruhe und heiratet Alexandra Plahner. Die Ehe hält nur kurz und er kehrt 1926 zurück nach Wien. Dort heiratet er 1927 Hermine Wolff.
Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 wird Friedrich Junghans, der deutscher Staatsbürger ist, von deutschen Agenten aufgesucht, die ihm vorhalten, es sei seine Pflicht als Reichsdeutscher, der NSDAP beizutreten und sich in Österreich für die nationalsozialistische Gesinnung einzusetzen. Er, der ein Anhänger des zu dieser Zeit bereits verstorbenen Prälat Ignaz Seipel ist, weißt dieses Ansinnen schroff zurück und erklärt, er wolle mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun haben.
1935 muss sich Friedrich Junghans einer Operation unterziehen, die zuerst in Krankenhaus Klagenfurt und dann im Krankenhaus im bayrischen Bad Reichenhall vorgenommen werden muss. Unmittelbar nach seiner Operation, am 24. Mai 1935 wird er von aus Österreich stammenden, nach Deutschland geflüchteten und im Dienst der bayrischen Polizei stehenden Beamten verhaftet und in das Maximilianpalais gebracht. Dort wird er 9 Wochen festgehalten und am 25. Juli 1935 in das Stafvollzugsgefängnis München-Stadlheim gebracht. Er wird am 27. August 1935 entlassen und zum Straßenbau und zum Bau eines Schießplatzes zwangsverpflichtet.
Friedrich Junghans schafft es aus der Zwangsarbeit zu entkommen und illegal über die Grenze bei Bayrisch-Gmein nach Österreich zu flüchten. In Wien angekommen geht er auf die deutsche Botschaft und legt Beschwerde gegen seine Behandlung ein. Einige Zeit später wird er von der Botschaft verständigt, dass der Gestapo ein 'bedauerlicher Missgriff' geschehen sein und diese ihr Bedauern ausspricht.
Als Friedrich Junghans Anfang März 1938 dienstlich in Berlin ist, wird er am 8. März 1938 von der Gestapo verhaftet. Er soll vor dem Sondergericht Leipzig wegen 'abfälliger Kritik an einer Einrichtung der Partei' gemäß der §§ 1 und 2 des Heimtückegesetzes angeklagt werden. In Haft erlebt Friedrich Junghans mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Aufgrund der Besetzung Österreich verfügt Adolf Hilter eine allgemeine Amnestie, weshalb Friedrich Junghans am 5. Mai 1938 seine Freiheit wiedererlangt. Er wird daraufhin als Bürokraft im Wehrbezirkskommando Berlin X als deutscher Offizier dienstverpflichtet.
Nachdem seine zweite Ehe in Brüche geht, heiratet Friedrich Junghans 1939 Emerentia Krist. Seine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus wird im Wehrbezirkskommando Berlin X thematisiert, woraufhin er am 31. Dezember 1939 als 'ungeeignet' entlassen wird. Er kehrt zurück nach Wien und arbeitet wieder als Vertreter. Am 27. Februar 1941 wird er zur Wehrmacht eingezogen. Sein Versuch, der Einberufung zu entgehen, indem er angibt, er sei aus 'ungeeignet' aus dem Wehrkreiskommando X Berlin entlassen worden, helfen nicht. Während seiner Dienstzeit erhalten die Soldaten viele Briefe von Mitglieder des Bundes Deutscher Mädchen (BDM). Eines davon schreibt über die 'schlappen Ostmärker'. Friedrich Junghans antwortet ihr harsch und unfreundlich.
Auf Einspruch der Gestapo wird Friedrich Junghans am 16. März 1942 aufgrund von 'mangelnder ausserdienstlicher Eignung' aus der Wehrmacht ausgemustert. In Wien geht er wieder seinem Beruf nach.
Mit Heranrücken der Roten Armee auf Wien wird Friedrich Junghans zum Volkssturm eingezogen. Zeitgleich erfährt er, dass die 'BDM-Maid', der er 1942 so harsch und unfreundlich zurückschrieb, die Schwägerin das letzten Stabschef der SA Wilhelm Schepmann war. Diese zeigt ihn wegen 'Hochverrats' und 'Wehrkraftzersetzung' an. Als er am 26. Februar 1945 zur Gestapo zu einem gewissen Kriminalkommissär Sorger vorgeladen wird, erscheint er bewußt in Offiziersuniform. Aufgrund der bevorstehende Schlacht um Wien kann er die Gestapozentrale am Morzinplatz wieder verlassen und wird nicht verhaftet.
Nachdem der zweite Offizier im Volkssturm Major Karl Supay ebenfalls ein Gegner des Nationalsozialismus ist und in der Schlacht um Wien keinen Sinn sehen, schicken sie ihre Einheit kampflos am 5. oder 6. April 1945 nach Hause und verstecken sich in Kellern.
In Wien und in Freiheit erlebt Friedrich Junghans die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neungegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei und arbeitet wieder als Kaufmann.
Am 12. Mai 1950 nimmt Friedrich Junghans schließlich die österreichische Staatsbürgerschaft an. In Wien geht er schließlich in Pension und verstirbt mit 72 Jahren. Er findet seine letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
