Alwine Clara Louise Hallbau'r

Personalia

Geboren:

7. August 1893, Amsterdam

Gestorben:

23. August 1985, Mödling

Beruf:

Krankenschwester

Verfolgung:

Entlassung 11.11.1938,
Demütigung 1938 - 1945

Mitgliedschaften

ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Alwine Clara Louise Hallbau´r kommt in Amsterdam in den Niederlanden als eheliche Tochter des Katholiken Friedrich Wilhelm Hallbau’r und der jüdischen Klara Liefschütz zur Welt. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr wird sie konfessionslos erzogen und tritt im Anschluss in die evangelische Kirche ein. 1914 absolviert sie die Ausbildung zur Diplomkrankenschwester und arbeitet danach in Magdeburg in Deutschland. Mit 28 Jahren konvertiert sie zum katholischen Glauben und siedelt 1925 nach Österreich.

1935 wird sie Krankenschwester des ‚Vereins der Hauskrankenpflege – Zentralverein für unentgeltliche häusliche Pflege armer Kranker für Österreich, einer von Stephanie Gräfin Wenkheim gegründeten Wohltätigkeitsorganisation, wo sie die Position der Ortsgruppenleiterin in Reichenau übernimmt.

Als Ortsgruppenleiterin erlebt Alwine Hallbau´r die Okkupation Österreichs durch Hitlerdeutschland am 12. März 1938. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Alwine Hallbau´r als ‘Halbjudin’ oder ‘Mischling I. Grades’ gilt.

Der ‚Vereins der Hauskrankenpflege – Zentralverein für unentgeltliche häusliche Pflege armer Kranker für Österreich wird von den Nationalsozialisten zwangsaufgelöst und Alwine Hallbau´r am 11. Novenber 1938 entlassen. Aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung von ‚nicht-arischen‘ Personen findet sie zunächst keine neue Anstellung und muss sich von ihremn Ersparten und Zuwendungen von Freundinnen erhalten. In dieser Zeit wohnt sie in der Pfarre St. Peter am Ottersbach. Im Jänner 1939 siedelt sie nach Hamburg, in der Hoffnung dort Arbeit zu finden. Auch diese Hoffnung zerschlägt sich und Alwine Hallbau´r siedelt Mitte November 1939 nach Graz.

Sie findet schließlich Anstellung bei dem Bad Gleichenberger Arzt Karl Steinlechner, der das dortige Sanatorium Triestina leitet. Für Alwine Hallbau´r beginnt damit ein Martyrium, zumal Karl Steinlechner sie wegen ihrer ‚nicht-arischen Abstammung‘ drangsaliert und erniedrigt. Auch läßt er sie bewußt hungern.

Was aber Sr. Alwine an seelischen Bedrückungen durch gehässige Reden leiden musste, läßt sich nicht mit einfachen Worten schildern.

Charlotte Mirgel, Köchin des Sanatoriums Triestina 1949

1943 erhält Alwine Hallbau´r schließlich die Genehmigung des Gesundheits- und Arbeitsamtes, ihre, nicht mehr zu ertragende Stellung zu kündigen. Daraufhin sperrt sie Karl Steinlechner in ihr Zimmer im Sanatorium ein und läßt sie erst unmittelbar vor Abfahrt eines Zuges aus dem Ort frei. Auch verweigert er ihr ausstehenden Arbeitslohn.

Alwine Hallbau´r ist gesundheitlich schwer gezeichnet – neben psychischen Leiden erkrankt sie an einer doppelseitigen Lungentuberkulose. Von diesen Krankheiten wird sie sich niemals erholen und bleibt in der Folge berufsunfähig.

Im Mai 1945 erlebt Alwine Hallbau´r die Befreiung und Wiedererrichtung Österreichs. Sie tritt der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Später zieht sie in das katholische Pensionistenheim in Breitenfurt bei Wien. Sie verstirbt im 92. Lebensjahr im Landesklinikum Mödling.

Orte

Wohnort:

Ramsau 100 (Ramsau am Dachstein)

Quellen

Landesarchiv NÖ

Gemeinde Ramsau am Dachstein (Telephonauskunft)

Alwine Hallbau'r

Krankenschwester
* 7. August 1893
Amsterdam
† 23. August 1985
Mödling
Entlassung, Öffentliche Demütigung