Dr. Paul Schmittner

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 13.03.1938 - 02.04.1938,
KZ Dachau 02.04.1938 - 27.09.1939,
KZ Flossenbürg 27.09.1939 - 02.03.1940,
KZ Dachau 02.03.1940 - 20.04.1940,
Entlassung 1940, Flucht 1944,
Widerstandskämpfer (unentdeckt)
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Paul Schmittner tritt nach der Matura in den Gendarmeriedienst 1924–1926 absolviert er die Offiziersakademie. Nebenberuflich studiert er in dieser Zeit Jus an der Universität in Wien, wo er auch zum Dr. iur. promoviert. 1930 wird er bei der Studentenverbindung Rudolfina aktiv. Später ist er bei der Gendarmerie in Krems/Donau tätig, wo auch die illegale Landesleitung der NSDAP ihren Sitz hat.
Paul Schmittner wird sofort nach der Besetzung Österreichs durch die deutsche Wehrmacht am 12. März 1938 als Gendarmeriemajor und Abteilungskommandant in Krems/Donau am 13. März 1938 festgenommen und inhaftiert. Er gehört zu den Häftlingen, die mit dem sogenannten 'Prominententransport' am 2. April 1938 [Gestapo-Liste: 131] ins KZ Dachau deportiert werden. Von dort wird er am 27. September 1939 ins KZ Flossenbürg verlegt, am 2. März 1940 erfolgt die Rückverlegung ins KZ Dachau, aus dem er am 20. April 1940 wieder freigelassen wird. Er wird von seinem Posten enthoben und mit 50 Prozent des Ruhegenusses in den Ruhestand entlassen.
Weil er eine neuerliche Verhaftung befürchtet, flüchtet er nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler zu Verwandten nach Tirol. Ab November 1944 hat er dort Kontakt zu Widerstandsgruppen und baut eine Organisation auf. Am 3. Mai 1945 wird die NSDAP in Ginzling aufgelöst und alle Unterlagen sowie Waffen werden beschlagnahmt. Außerdem sind bereits 'Heimkehrer' zu versorgen, durchziehende Wehrmachts- und SS-Soldaten werden entwaffnet. Eine Truppe von 38 Mann wird aufgestellt, um das Eindringen bewaffneter Einheiten in das Zillertal zu verhindern. Schon am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation, werden ein Bürgermeister und ein provisorischer Gemeinderat bestellt.
[…]
Insbesondere hat er mit seinen Leuten von der Widerstandsbewegung und der von ihm aufgestellten Hilfspolizei:
1, durch die Einkreisung und Entwaffnung der hinter Mayrhofen bereits verschanzt gewesenen, schwer bewaffneten Gruppe des Generals Shillenkoff, des Stellvertreters Wlassoffs, sowie Auflösung und Entwaffnung einer in Hollenzen gewesenen Transportkolonne der Wehrmacht unter dem Kommando eines Majors,
2, durch die Auflösung, Entwaffnung und Unschädlichmachung der NSDAP und deren angeschlossener Verbände, sowie durch die Verhaftung von prominenten Vertretern dieser Partei und von SS-Leuten in Mayrhofen und Umgebung,
3, durch die Durchführung der allgemeinen Entwaffnung, sowie besonders der Entwaffnung und Durchschleusung von mehr als 18.000 von der zusammengebrochenen Südfront zurückströmenden Angehörigen der Wehrmacht und der Waffen-SS und der Ablieferung von mehreren Autoladungen von Waffen, Munition und Kriegsgerät an die Besatzungsbehörden und endlich
4, durch die ständige Überwachung des ausgedehnten ca. 800 km2 großen und schwierigen Grenz- und Hochgebirgsgebietes, Abwehr von Übergriffen italienischer Partisanengruppen und der dadurch bewirkten Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit bis zu der erst 4 bis 7 Wochen später allmählich erfolgten Besetzung dieser Gebiete durch die amerikanischen Besatzungstruppen,
das ganze südliche Zillertal und seine Bevölkerung von den drohenden Schrecken des Krieges, Plünderungen und Unruhen bewahrt.
Herr Major Schmittner Dr. hat duch seine planvolle und zielbewußte Tätigkeit sich um die Befreiung und Befriedung Tirols und Österreichs im Allgemeinen und um jener des Zillertals im besonderen unschätzbare Verdienste erworben, wofür ihm vom der Gemeinde Mayrhofen der wärmste Dank und die vollste Anerkennung zum Ausdruck gebracht wird.
[…]
Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik macht Paul Schmittner wieder bei der Gendarmerie Dienst und wird 1945 zum Landesgendarmeriekommandanten vom Burgenland ernannt. Also Polizeibeamter geht er in den Ruhestand und verstirbt mit 87 Jahren. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Rodaun.
Orte
Verfolgung:
Wohnort:
Quellen
Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 303.
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
