Wilhelm Herlinger

Personalia

Geboren:

6. November 1921, Wien

Gestorben:

4. April 1945, Görz

Beruf:

Student

Verfolgung:

Studienverbot 18.07.1940,
Widerstandskämpfer (unentdeckt),
Flucht 20.02.1944,
Jugoslawischer Partisane ab 20.02.1944

Mitgliedschaften

Österreichische Freiheitsbewegungen, Mischlingsliga in Wien

Lebenslauf

Wilhelm Herlinger kommt als ehelicher Sohn von Otto Herlinger und seiner Gattin Hermine Franziska, geborene Siegel, zur Welt. Seine Mutter entstammt einer katholischen Familie, sein Vater einer jüdischen Familie; Wilhelm Herlinger wird in die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) aufgenommen. Als Wilhelm Herlinger vier Jahre alt ist, zerbricht die Ehe der Eltern und er wächst bei seiner Mutter auf.

Nach der Volksschule besucht Wilhelm Herlinger eine Realschule in Wien, wo er am 20. März 1938, unmittelbar nach der Besetzung Österreichs durch die deutsche deutsche Wehrmacht am 12. März 1938, maturiert. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Wilhelm Herlinger als 'Mischling I. Grades' bzw. ‘Halbjude’ gilt. Er dürfte in dieser Zeit sicherheitshalber zum katholischen Glauben konvertiert sein.

Unmittelbar nach der Okkupation seines Heimatlandes schließt sich Wilhelm Herlinger der Österreichischen Freiheitsbewegung um den Augustiner-Chorherrn Roman Scholz und den christlichsozialen Juristen Karl Lederer, der ebenfalls ein 'Mischling I. Grades' ist, an. Zwischen 20. April 1939 und 5. November 1939 leistet er seinen Reichsarbeitsdienst (RAD) und inskribiert an der Technischen Hochschule Wien [heute: Technische Universität Wien] am 14. November 1939. Obwohl er in kürzester Zeit sechs Prüfungen absolviert, wird ihm mit Erlass vom 18. Juli 1940 als 'Mischling I. Grades' ein Weiterstudieren untersagt. Als ab Juli 1940 die Österreichische Freiheitsbewegung durch den Verrat des Burgtheaterschauspielers Otto Hartmann ausgehoben wird, bleibt Wilhelm Herlinger unerkannt.

Danach engagiert sich Wilhelm Herlinger in der Antifaschistische Partei Österreichs (APÖ) die 1943 mit der Mischlingsliga in Wien (MLW) zusammengeführt wird. Über diese Widerstandsgruppen schafft er es offensichtlich Kontakt zu den jugoslawischen Partisanen aufzubauen. Zwischen 4. August 1941 und 15. Oktober 1942 arbeitet er als Betriebsassistent bei der Firma Werner & Pfeiderer, zwischen 16. Oktober 1942 und 30. September 1943 als Techniker bei der Firma Wr. Hartmetall-Präzisions-Werkzeugfabrik G.m.b.H. und am 7. Oktober 1943 als Techniker bei der Firma Ing. Alfred Lauberger.

Am 3. Februar 1944 erreicht ihn eine Depeche der jugoslawischen Partisanen, in welcher sie um Wilhelm Herlingers Hilfe ersuchen, da sie einen Kurzwellensender errichten wollen.

Kamerad Willi, Wien.

Im Namen des Stabes G.O. unserer KP wenden wir sich an Sie mit folgenden Sachen:

Wir wollen einen Kurzwellen Propaganda Sender machen, deshalb brauchen wir Radio Material (Lampen, Kondensatoren, Spulen, u.s.w.) Emission Kraft in der Antenne wird sein 7-100 W, als brauchen wir entsprechendes Material.Gleichzeitig bitte wir KP Wien alles möglich zu tu das die unsere Arbeiter (Slowenen und andere) die bereit sind, zu uns zu kommen aus Lagern, eine Verbindung zu organisieren.

Alle Details werden Sie mit unserem Kameraden Peter behandeln.

Tod dem Faschismus, Freiheit dem Volke!

Der jugoslawische Partisane und Politkommissar Mjr. Ljubo Krzisnik am 3. Februar 1944

Um seinen Auftrag zu erfüllen, flüchtet Wilhelm Herlinger aus Wien und schließt sich am 20. Februar 1944 als Techniker dem Stab der Gorenjski Partisani (Oberkrainer Partisanen) an. Dort wird er im März und April 1945 im Abschnitt Görz-Triest eingesetzt und ist in Kämpfe mit der SS und der Wlassow-Armee involviert. Am 4. April 1945 ist er in dieser Gegend mit neun Mann in einem Bunker eingeschlossen. Sechs Mann können sich retten, vier der Partisanen, inklusive Wilhelm Herlinger bleiben zurück und fallen.

Seine Mutter Hermine Herlinger tritt nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Sie verstirbt im Mai 1973 und überlebt ihren Sohn um 28 Jahre.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Archiv der Technischen Universität Wien

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Matricula Online

Wilhelm Herlinger

Student
* 6. November 1921
Wien
† 4. April 1945
Görz
Studienverbot, Partisane, Flucht, Widerstandskämpfer (unentdeckt)