Viktoria Gabriele Liappi (gesch. Ausländer)

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Viktoria Liappi
Bild: WStLA

Personalia

Geboren:

12. Dezember 1898, Wien

Gestorben:

1. Mai 1963, Wien

Beruf:

Sängerin, Schauspielerin und Sekretärin

Verfolgung:

Haft 27.07.1944 - 17.08.1944,
KZ Theresienstadt 17.08.1944 - 08.05.1945

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Viktoria Gabriele Liappi kommt in Wien als außereheliche Tochter von Euphrosine Liappi zur Welt. Am 15. Dezember 1898 wird das Kind in der römisch-katholischen Pfarre Wien-Erdberg auf die Namen Victoria Gabriele getauft. Ein Vater ist in der Geburtsmatrikel nicht eingetragen. Aus Viktorias späterer Schilderung ihrer Verfolgung geht hervor, dass ihr Vater ein in Polen geborener Jude ist.

Ihre Mutter Euphrosine wurde am 21. September 1860 in Wien geboren und am 29. September in der griechisch-orientalischen Pfarre zum heiligen Georg getauft. Sie war eine Tochter des Demeter Liappi, eines Bediensteten der türkischen Gesandtschaft, und seiner Ehefrau Elisabeth. Am 25. April 1879 konvertierte Euphrosine Liappi zum katholischen Glauben.

Nach ihrer Schulbildung wird Viktoria Liappi Sängerin und Schauspielerin mit offensichtlich überschaubaren Erfolg. Später arbeitet sie zeitweise auch als Sekretärin. 1930 heiratet sie im Wiener Stadttempel den jüdischen Josef Ausländer.

Am 12. März 1938 erlebt Viktoria Ausländer mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreich. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’. Viktoria Liappis Ehe wird nach der Besetzung Österreichs geschieden, sie tritt am 30. Jänner 1940 wieder in die katholische Kirche ein und nimmt wieder ihren Mädchennamen an.

Am 27. Juli 1944 wird Viktoria Liappi zur Gestapo am Morzinplatz vorgeladen, angeblich zur 'Erteilung einer Auskunft'. Von dort darf sie nicht mehr nach Hause zurückkehren. Ihr wird mitgeteilt, dass die Gestapo herausgefunden habe, dass sie einen jüdischen Vater hatte und nach jüdischen Ritus verheiratet war, womit sie als 'Geltungsjüdin', einer 'Volljüdin' gleichgestellt ist. Nach einem stundenlangen Verhör wird sie in das Polizeigefangenenhaus an der Elisabethpromenade, der heutigen Roßauer Lände, überstellt. Die Gestapo teilt ihr mit, dass sie den Judenstern und den zusätzlichen Vornamen 'Sara' zu führen habe. Erst kurz zuvor hat sie sich einer schweren Bauchoperation unterziehen müssen.

In der genannten Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz wird die Gruppe der später so genannten Geltungsjuden in § 5(2) definiert:

Als Jude gilt auch der von zwei jüdischen Großeltern abstammende jüdische Mischling,

a) der […] der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört …

b) der beim Erlass des Gesetzes mit einem Juden verheiratet war […],

c) der aus einer Ehe mit einem Juden […] stammt, die nach dem […] 15. September 1935 geschlossen ist.

(Dadurch war eine Umgehung durch Eheschließung im Ausland unmöglich; für Österreich galt ein anderer Stichtag.)

d) der aus dem außerehelichen Verkehr mit einem Juden […] stammt und nach dem 31. Juli 1936 außerehelich geboren wird.

Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Geltungsjude

Bis zum 16. August 1944 bleibt sie in Wien inhaftiert. An diesem Tag wird sie zunächst in die jüdische Sammelstelle in der Malzgasse gebracht und anschließend mit dem Transport Transportes 48d in das KZ Theresienstadt deportiert.

Im KZ Theresienstadt kann sich Viktoria Liappi von der Operation nicht ausreichend erholen. Die Haftbedingungen und die von ihr verrichtete Arbeit verschlechtern ihren Gesundheitszustand. Neben den körperlichen Beschwerden leidet sie später an den Folgen der seelischen Belastungen und an einer erheblichen Verschlechterung ihres Sehvermögens.

Viktoria Liappi überlebt das Konzentrationslager. Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 kehrt sie am 7. Juli 1945 nach Wien zurück. Von ihrem Besitz findet sie nichts mehr vor.

Als ich aus dem KZ im Juli 1945 zurückkam, fand ich von meinem Eigentum nichts mehr vor. Die Gestapo hatte nach meiner Verhaftung meinen ganzen Besitz beschlagnahmt und weggeführt.

Viktoria Liappi in einem Schreiben vom 14. März 1949

Trotz ihrer angegriffenen Gesundheit versucht sie, sich eine neue Existenz aufzubauen. Sie sucht sowohl eine Anstellung im Bürobereich als auch eine Beschäftigung auf der Bühne oder im Konzertfach. Ihre Bemühungen bleiben erfolglos. Wiederholt wird sie wegen ihres Alters oder fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten abgewiesen. Auch eine Arbeitslosenunterstützung erhält sie nicht. Schließlich übernimmt sie Strickarbeiten in Heimarbeit. Der geringe Verdienst reicht kaum für die notwendigsten Lebensmittel und die Miete; zugleich belastet die Arbeit ihre Gesundheit zusätzlich.

Viktoria Liappi tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Viktoria Liappis späteres Leben bleibt von einer schwierigen wirtschaftlichen Lage geprägt. Sie verstirbt mit 64 Jahren in Wien und findet ihre letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.

Orte

Wohnort:

 

Verfolgung:

 
KZ Theresienstadt (Terezín, Tschechien)

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Arolsen Archives

Matricula Online

Index der jüdischen Matriken Wien und Niederösterreich

Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche

Viktoria Liappi (gesch. Ausländer)

Sängerin, Schauspielerin und Sekretärin
* 12. Dezember 1898
Wien
† 1. Mai 1963
Wien
Haft, KZ Theresienstadt