Franz Jechoutek

Photo von Franz Jechoutek
Franz Jechoutek
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

6. Oktober 1889, Wien

Gestorben:

19. Oktober 1969, Wien

Beruf:

Schneidermeister

Verfolgung:

Haft 15.07.1944 - 14.01.1945

Mitgliedschaften

Gruppe Leopold Mahr, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Franz Jechoutek kommt in Wien als ehelicher Sohn des gleichnamigen Schneidergehilfen Franz Jechoutek und seiner Gattin Maria, geborene Vaněk, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er die Bürgerschule und erlernt im Anschuss in Ternitz das Schneidergewerbe bei seinem Vater, die in der Zwischenzeit dorthin gezogen war. 1907 kehren beide zurück nach Wien, Franz Jechoutek arbeitet weiterhin bei seinem Vater in einer Schneiderei in der Rokitanskygasse 6, im 17. Wiener Gemeindebezirk; im gleichen Haus wohnt er auch.

1915 wird er für acht Wochen in den Ersten Weltkrieg eingezogen, rüstet aber bald danach, aufgrund allgemeiner Untauglichkeit ab. In Wiener erlebt Franz Jechoutek die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg.

1932 heiratet Franz Jechoutek Anna Simkova (auch Schimek) und wird in weiterer Folge Vater eines Sohnes. Nach dem Tod seines Vaters 1929 übernimmt er die Schneiderei und führt diese weiter. Politisch engagiert er sich nicht, ist aber legitimistisch eingestellt und lehnt den Nationalsozialismus entschieden ab.

Am 12. März 1938 müssen Franz und Anna Jechoutek erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Zu Weihnachten 1939 stößt Franz Jechoutek über seine Ehefrau zur Widerstandsgruppe Leopold Mahr. Ziel der Gruppe ist es, die Loslösung des besetzten Österreichs vom Deutschen Reich sowie die Wiedererrichtung einer Monarchie unter Otto von Habsburg-Lotringen zu erreichen. Als Mitgliedsausweise werden Sterbebildchen des Seligen Kaiser Karl verwendet (später auch Ottonia-Bausteine).

Die Gruppe Leopold Mahr wächst auf mehr als 80 Mitglieder heran. Aufgrund der Aktivitäten der Gruppe wird die Gestapo aufmerksam und beginnt ab April 1940 die Mitglieder der Gruppe zu verhaften. Franz Jechoutek wird am 6. Mai 1940 erkennungsdienstlich erfasst und auf freiem Fuß angezeigt. In einem Prozess vor dem Landesgericht Wien am 15. Juni 1944 wird er wegen 'Verbrechens nach dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien' zu sechs Monaten Haft verurteilt. Er tritt seine Haft am 15. Juli 1944 an und ist sieben Monate, bis 14. Jänner 1945 in Haft. In seiner Haft wird er mißhandelt, seine Schulter bleibt nachhaltig verletzt.

In Wien erlebt Franz Jechoutek die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Zwar nimmt er wieder zeitweise seine Arbeit als Schneider auf, die Verletzungen an seiner Schulter zwingen ihn jedoch in die Arbeitsunfähigkeit.

Franz Jechoutek geht schließlich krankheitsbedingt in Pension und verstirbt mit 80 Jahren in Wien. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hernals.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Matricula Online

Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche

Franz Jechoutek

Schneidermeister
* 6. Oktober 1889
Wien
† 19. Oktober 1969
Wien
Haft