Univ.-Prof. DDr. Richard Kerschagl

Photo von Richard Kerschagl
Richard Kerschagl
Bild: Archiv Universität Wien

Personalia

Geboren:

25. Mai 1896, Wien

Gestorben:

30. Dezember 1976, Hermagor

Beruf:

Universitätsprofessor

Verfolgung:

Haft 13.03.1938 - 29.07.1938,
Entlassung 21.07.1938,
Gauverbot 1938,
Widerstandskämpfer (unentdeckt)

Ehrungen:

Ritterkreuz I. Klasse des österreichischen Verdienstordens

Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich

Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold

Mitgliedschaften

K.Ö.H.V. Mercuria Wien, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Richard Kerschagl kommt in Wien als ehelicher Sohn des späteren Bürgerschuldirektors Johann Kerschagl und seiner Gattin Anna Theresia, geborene Deisinger, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das Schottengymnasium in Wien. Nach der Matura 1914 beginnt er das Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Dieses unterbricht er, als er im Ersten Weltkrieg zum Kriegsdienst einberufen wird (letzter Dienstgrad: Leutnant der Reserve), kann aber durch Studienurlaube zeitweise weiterstudieren. Im Ersten Weltkrieg wird er durch einen Bajonett-Stich am Auge und einen Durchschuss der Hand schwer verletzt.

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg nimmt Richard Kerschagl an den Grenzkämpfen in Kärnten teil. 1919 wird er zum Doktor der Rechte promoviert, tritt er als Währungssachverständiger in den Dienst der in Auflösung begriffenen Österreichisch-Ungarischen Bank ein und ist an der Auflösung des Kronen-Währungsraums beteiligt. Am 16. Juni 1921 heiratet er die Kindergärtnerin Emilie Kienast, die Ehe wird später annuliert. Nebenbei studiert er das neue Fach Staatswissenschaften an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, wo er 1922 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert wird. 1923 tritt er in den Dienst der neu gegründeten Österreichischen Nationalbank ein.

Nebenher beginnt Richard Kerschagl eine akademische Laufbahn. 1921 wird er Dozent an der Hochschule für Welthandel [heute: Wirtschaftsuniversität Wien], 1929 Lehrbeauftragter an der Konsularakademie. Im gleichen Jahr tritt der der Wiener Heimatschutz bei. Bereits 1928 hatte er Maria Osang geheiratet. 1930 wird Richard Kerschagl der Titel eines außerordentlichen Professors verliehen. In diesen Jahren gehört er auch zum sogenannten Spannkreis und arbeitet 1931 und 1932 an dessen Zeitschrift Ständisches Leben mit. 1933 richtet er auf der Hochschule für Welthandel das Seminar für Währungsforschung ein und wird Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Konsularakademie. 1934 nimmt er als Kompaniekommandant des Wiener Heimatschutzes an der Niederschlagung des sozialistischen Februaraufstandes teil.

Nach Errichtung des 'Ständestaates' gehört Richard Kerschagl ab 1. November 1934 dem Staatsrat und ab 27. November 1934 dem Bundestag an. 1937 wird er zum ordentlichen Hochschulprofessor an der Hochschule für Welthandel berufen.

Am 12. März 1938 erlebt Richard Kerschagl wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht.Bereits am 13. März 1938 wird er von der Gestapo verhaftet. Nach seiner Entlassung am 29. Juli 1938 wird er mit 'Gauverbot' belegt. Bereits am 21. Juli 1938 wurde er entlassen. Im März 1940 wird diese rückwirkend in eine Versetzung in den Ruhestand bei Kürzung der Bezüge um ein Viertel umgewandelt.

Richard Kerschagl arbeitet zuerst als rechtswissenschaftlicher Berater der Shantung Handels AG, dann in Berlin und bis 1944 als Leiter einer Bank im besetzten Polen. Danach gelingt ihm die Rückkehr nach Kärnten, wo er im Widerstand aktiv ist.

In Kärnten erlebt Richard Kerschagl die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er ist kurz für die britische Besatzungsmacht und die provisorische Kärntner Landesregierung tätig, bevor er nach Wien zurückkehrt und der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich beitritt. In der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) über er verschiedene wirtschafts- und wissenschaftspolitische Funktionen aus.

Richard Kerschagl wird noch 1945 als ordentlicher Hochschulprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Welthandel rehabilitiert. Er engagiert sich auch in der Gewerkschaft und ist ab 1952 Obmann der Sektion Hochschullehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. In den Jahren 1947 bis 1949 und 1960 bis 1962 ist Rektor der Hochschule für Welthandel. 1953 wird er Ehrenmitglied der Studentenverbindung Mercuria.

Richard Kerschagl ist in den Anfangsjahrzehnten der Sommerhochschule der Universität Wien für die Wirtschaftswissenschaften zuständig und hält in den Jahren 1952 bis 1966 eine Reihe unterschiedlicher Kurse ('The Present Standard of American and European Economic Theory', 'Economic Theory and practical Economic Policy', 'Economic and Social Problems in Europe', 'International Economic and Financial Institutions'). Er emeritiert im Jahre 1968.

Richard Kerschagl ist Mitglied der Präsidentschaft mehrerer in- und ausländischer wissenschaftlicher Vereine. Ab 1958 ist er Präsident der österreichischen UNESCO-Kommission. Von 1958 bis 1976 ist er Präsident des Verbands Österreichischer Volkshochschulen.

Richard Kerschagl verstirbt in Hermagor in Kärnten mit 80 Jahren.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Archiv der Universität Wien unter geschichte.univie.ac.at/de/personen/richard-kerschagl

Biolex des ÖCV unter www.oecv.at/biolex

Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Richard_Kerschagl

Matricula Online

Richard Kerschagl

Universitätsprofessor
* 25. Mai 1896
Wien
† 30. Dezember 1976
Hermagor
Entlassung, Gauverbot, Haft, Widerstandskämpfer (unentdeckt)