Oberleutnant Mag.pharm. Viktor Adolf Jördens
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 13.07.1938 - 28.08.1938,
KZ Dachau 28.08.1938 - 13.03.1939
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Viktor Adolf Jördens kommt in Schäßburg in Siebenbürgen [heute: Sighișoara in Rumänien] als ehelicher Sohn von Franz Johann Adolf Jördens und seiner Gattin Julie, geborene Nagy, zur Welt. Die Familie ist evangelischen Glaubens A.B. Nach der Volksschule und der Matura am Gymnasium, wo er 1909 maturiert, absolviert er sein Einjährigen-Freiwilligen-Jahr und im Anschluss sein Tirocinium im Jahre 1911 in Klausenburg [heute: Cluj-Napoca in Rumänien]. [Anm: In der Doppelmonarchie und im ungarischen Bildungssystem des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war das Tirocinium die obligatorische praktische Ausbildung angehender Apotheker, bevor sie Pharmazie studieren durften.]
Nach seinem Tirocinium inskribiert er im Wintersemester 1911/12 Pharmazie an der Universität Wien. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird er eingezogen, kehrt nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg 1918 nach Wien zurück und nimmt sein Studium wieder auf. Er tritt der Studentenverbindung Deutsch akademischer Pharmazeuten-Verein bei und beginnt bei der Tiger-Apotheke im 9. Wiener Gemeindebezirk zu arbeiten. Am 11. April 1920 heiratet er Pauline Marie Lang und wird in weiterer Folge Vater zweier Söhne. Am 26. Mai 1922 wird er schließlich zum Magister der Pharmazie spondiert und bleibt weiterhin in der Tiger-Apotheke beschäftigt.
Viktor Jördens engagiert sich also Offizier im Wiener Heimatschutz und tritt 1933 der Vaterländischen Front bei. Zwischen 1. April 1934 und 31. Mai 1934 leistet er Grenzschutz gegen das nationalsozialistische Deutschland in Bregenz. Danach wird er Leiter der Vaterländischen Front in 9. Wiener Gemeindebezirk und später Leiter der Frontmiliz im Bezirk. In seinen Funktionen bekämpft der österreichische Patriot den Nationalsozialismus energisch und voller Überzeugung.
Am 12. März 1938 erlebt Viktor Jördens, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Am 13. Juni 1938 wird er von der Gestapo verhaftet und am 28. August 1938 in das KZ Dachau deportiert. Von dort wird er am 13. März 1939 entlassen.
Er gefährdet nach den Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch sein Verhalten den Bestand der Sicherheit des Volkes und des Staates, indem er zu der Befürchtung Anlass gibt, dass er, falls auf freiem Fuß gesetzt, sein staatsfeindliches Treiben fortsetzt und sich weiter im Sinne der damaligen Heimwehr betätigt.
gez. Heydrich
Viktor Jördens kehrt zurück nach Wien und findet Arbeit als Angestellter Apotheker in der Apotheke 'Zum Erzengel Michael' im 15. Wiener Gemeindebezirk. Im gleichen Jahr erfolgt die Scheidung von seiner Ehefrau. 1942 fällt einer seiner Söhne im Krieg.
In Wien erlebt Viktor Jördens die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Als Stifter und Gründungsmitglied des Pharmazeutischen Reichsverbandes gehört er im jahre 1947 dessen Präsidialrat an und ist gleichzeitig Mitglied des Ausschuss für den Apothekenwiederaufbaufonds der Pharmazeutischen Gehaltskasse in den Jahren 1947 bis 1952.
Als stellvertretender Leiter der Apotheke 'Zum Erzengel Michael' geht Viktor Jördens in Pension. Am 22. August 1957 heiratet er er mit Gabriele Eisenhorner, geborene Mühlthan, ein zweites Mal. Er verstirbt mit 71 Jahren im Versorgungsheim in Wien-Penzing und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Gesthof.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Archiv der Apothekenkammer Österreich
Archiv der Universität Wien
ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)
Arolsen Archives
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