Rudolf Heitler

Personalia

Geboren:

19. September 1881, Wagram ob der Traisen

Gestorben:

19. Mai 1938, Wels

Beruf:

Kaufmann

Verfolgung:

In den Tod am 19.05.1938 getrieben

Lebenslauf

Rudolf Heitler kommt in Wagram ob der Traisen in Niederösterreich als ehelicher Sohn des jüdischen Ehepaares, des Fleischhauermeisters Israel Heitler und seiner Gattin Julia, geborene Friedmann, zur Welt. Nach der Volks- und Bürgerschule macht er die Ausbildung zum Fleischhauer- und Selchmeister. 1911 heiratet er die katholische Köchin Anna Haiderer, die Ehe bleibt jedoch kinderlos.

Rudolf Heitler wird in den I. Weltkrieg eingezogen und kehrt als Kriegsinvalide mit einem Nervenleiden heim. 1920 zieht er mit seine Ehefrau nach Wels in Oberösterreich, erhält eine Gewerbeberechtigung für den Handel mit Fellen, Häuten, Alteisen, Altmetall, Federn, Wagen, usw., und eröffnet ein Geschäft am Kaiser Josef Platz 53 in Wels. Im gleichen Haus wohnt er auch. Weder Rudolf Heitler noch seine Ehefrau engagieren sich politisch.

Am 12. März 1938 muss Rudolf Heitler erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen er als 'Volljude’ gilt, der mit einer 'Arierin' verheiratet ist.

Mit der Besetzung Österreichs nehmen die Anfeindungen gegen ihn zu. Regelmäßig wird er von Mitbürgern und SA-Männern schikaniert. Am 18. Mai 1938 erscheint ein Polizist in seinem Geschäft, unterstellt ihm betrügerisches Verhalten, ladet ihn für den nächsten Tag vor und erklärt ihm, er würde alles verlieren.

Nervlich am Ende und in der Überzeugung, sein Freitod würde das Geschäft und somit die Existenz seiner Gattin retten, erhängt er sich in seinem Geschäft.

[…]

Es ist amtsbekannt und wie auch auf Grund der geflogenen Erhebungen ermittelt werden konnte, wurde Heitler wegen seiner jüdischen Abstammung von der Partei und auch von privater Seite stark angefeindet. Dieser Umstand führte zu einer offensichtlichen seelischen Depression Heitlers, in der er schließlich Selbstmord verübte.

[…]

Bundes-Polizeikommissariat Wels vom 2. Juli 1949

Rudolf Heitlers Selbstmord verhindert jedoch nicht, dass Anna Heitler das Geschäft enteignet wird. Er hinterließ ihr noch einen Abschiedsbrief.

Ich bin bei der Feuerbestattung Siegel, Adresse am Zettel.

Dein Vater wird der helfen.

Allerliebste Anna, leb wohl, viele Küsse, schaue ob ich tot bin und verständige Herrn Siegel.

Vor der Flamme Wels, Puchbergerstraße 6, sage, dass es ein Kriegsleiden - Nervenzusammenbruch - ist. Bitte, bitte verzeih mir, ich bin ja sehr krank. Dir wird es besser gehen. Du 1. Weibi bist ja arisch. Nochmals Verzeihung und viele Küsse, verständige alle.

Abschiedsbrief von Rudolf Heitler vom 19. Mai 1938

Anna Heitler zieht nach Wien und lebt dort als Hausfrau. Sie erlebt im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Sie tritt später der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

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Rudolf Heitler

Kaufmann
* 19. September 1881
Wagram ob der Traisen
† 19. Mai 1938
Wels
In den Tod getrieben