Brigadier Arthur (Jean-Pierre Oudry) Huschak

Personalia

Geboren:

23. Februar 1903, Kolomea

Gestorben:

25. Juli 1971, Klagenfurt

Beruf:

Soldat und Finanzbeamter

Verfolgung:

Entlassung 31.05.1938,
Flucht 11.08.1939,
Haft 19.06.1940 - 13.06.1941,
Haft 21.06.1944 - 06.08.1944,
KZ Buchenwald 06.08.1944 - 01.04.1945

KZ-Nummer:

69287

Ehrungen:

Österreichische Kriegserinnerungsmedaille

Ungarische Kriegserinnerungsmedaille

Kärntner Kreuz für Verdienste

Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich

Französisches Kriegskreuz mit der Palme

Französisches Kriegskreuz mit dem Bronzestern

Französisches Kriegskreuz mit dem Silberstern

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Arthur Huschak kommt in Kolomea in Galizien [heute: Kolomyja in der Ukraine] als ehelicher Sohn des k.u.k. Oberst Jonas Huschak und seiner Gattin Regina, geborene Fenner, zur Welt. Wahrscheinlich waren bereits seine Eltern vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertiert. Die Familie zieht später nach Klagenfurt, wo Arthur Huschak die Volksschule und zwei Klassen der Gymnasial-Unterstufe besucht, bevor er nach Marburg [heute: Maribor in Slowenien] wechselt um dort die restlichen beiden Gymnasial-Unterstufen-Klassen zu absolvieren. Im Anschluss besucht er das Militäroberrealgymnasium in Marburg.

Beim Zusammenbruch der Doppelmonarchie Ende Oktober 1928 und Anfang November 1918 wird Arthur Huschak als Schüler des II. Jahrganges des Militäroberrealgymnasiums in Marburg zum Wach- und Patrouillendienst gegen südslawische Deserteursbanden eingesetzt. Nach der Zerschlagung Österreich-Ungarns und der Vertreibung der Habsburger wechselt er an die Staatserziehungsanstalt Traiskirchen, wo er maturiert, im Anschluss einen Aufbaukurs an der Handelsakademie macht und zwei Semester Architektur an der Technischen Universität Wien studiert.

Im Oktober 1920 ist er als Student mit der Schutzabteilung von Oberleutnant Jakobi zum Schutz der Kärntner Volksabstimmung nach Bleiburg, Moos und Einersdorf einberufen. Mit seiner gesamten Abteilung ist er dort einen Tag in jugoslawischer Gefangenschaft in Mießstal und wird durch italienische Intervention befreit.

Arthur Huschak bricht 1922 sein Studium ab und meldet sich beim Österreichischen Bundesheer, in das Kärntner Alpenjäger-Regiment Nr. 11 in Klagenfurt. Dort wird er 1925 zum Fähnrich und 1926 zum Leutnant befördert. 1928 heiratet er Wilhelmine Kraus, die Ehe bleibt jedoch kinderlos. 1930 erfolgt seine Beförderung zum Oberleutnant, bevor er 1935 in das Infanterieregiment Nr. 7 in Klagenfurt wechselt und 1936 zum Hauptmann avanciert.

Am 12. März 1938 erlebt Arthur Huschak, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen er als 'Volljude’ gilt.

Bereits am 13. April 1938 wird Arthur Huschak vom Dienst freigestellt und am 31. Mai 1945 durch Zwangspensionierung aus der Wehrmacht entlassen. Nachdem es ihm unmöglich ist eine neue Anstellung zu finden, beantragt er ein Visum für Frankreich. Als er von einem Bekannten erfährt, dass die Gestapo bereits einen Akt über ihn führt, flüchtet er am 11. August 1939 nach Paris.

Unmittelbar nach seiner Ankunft in Paris bricht am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg aus. Am 6. September 1939 wird er, als in Frankreich lebender deutscher Staatsbürger verhaftet und in Stade des Colombe und im Campe Meslay du Maine interniert. Er meldet sich als Freiwilliger zur französischen Armee, absolviert die französische Offiziersprüfung und wird am 12. April 1940 aus dem Internierungslager als sous-lieutenant de reserve in das III. Régement de Barcarés eingezogen.

Ende April 1940 wird Arthur Huschak an die Front im Elsass geschickt und schwer verwundet. Er befindet sich gerade im Lazarett, als sich die französische Niederlage abzeichnet, weshalb er seine Dokumente verbrennt, eine einfache Soldatenuniform anzieht und den Decknamen 'Jean-Pierre Oudry' annimmt.

Noch im Lazarett gerät Arthur Huschak am 19. Juni 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft und wird für einen einfachen französischen Soldaten gehalten. Nach sechs Wochen in Frankreich wird er nach Görlitz in Schlesien gebracht um dort in einem Arbeitskommando im Waldenurger Kolenrevier zu arbeiten.

Am 13. Juni 1941 wird er von Ärzten als schwerer Kriegsinvalide klassifiziert, aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und nach Pau in Frankreich transferiert. Von dort kommt er in ein Spital nach Toulouse, wo er bis zur Besetzung des Autonomen Frankreichs im November 1942 bleibt. Danach arbeitet er als Nachtwächter beim Militärkommando in Toulouse.

Kurz nach der Landung der alliierten Truppen in der Normandie, enttarnt die Gestapo 'Jean-Pierre Oudry' und verhaftet ihn am 21. Juni 1944. Seine wahre Identität kennend wird Arthur Huschak am 6. August 1944 in das KZ Buchenwald deportiert. Er wird in dem Außenlager Außenlager Witten 'Anner Gußstahlwerke' eingesetzt. Beim Herannahen der US-Army wird das Lager evakuiert und die Häftlinge per Fußmarsch bis Lipperode in Nordrhein-Westfalen geschickt. Dort werden sie am 1. April 1945 von der 9. US-Army befreit.

Arthur Huschak geht in das befreite Frankreich nach Toulouse zurück und wird dort wieder als Capitaine in den Dienst gestellt. Er unterstützt österreichische Kriegsgefangene (mit Ausnahme von Mitgliedern der SA, SS, Polizeiformationen und illegalen Nationalsozialisten aus der Zeit 1934 bis 1938) darin, schnellstmöglich aus der Kriegsgefangenschaft zu kommen und heimzukehren. Er ist einer jener, die mitgeholfen haben, etwa 60.000 Österreichern die Heimkehr zu ermöglichen.

Häftlings-Personal-Karte von Arthur Huschak aus dem KZ Buchenwald
Häftlings-Personal-Karte von Arthur Huschak aus dem KZ Buchenwald
Bild: Arolsen Archives

Als österreichischer Soldat der französischen Armee erlebt Arthur Huschak die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er wird erst im Februar 1947 demobilisiert und kehrt heim zu seiner Gattin nach Klagenfurt. Nach seiner Rehabilitierung arbeitet er als Finanzbeamter in der Landesfinanzdirektion Kärnten und tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Mit der Aufstellung des Österreichischen Bundesheeres 1956, wechselt Artur Huschak wieder zum Militär und arbeitet in weiterer Folge als Leiter des Ergänzungskommandos Niederösterreich, wo er zum Brigadier aufsteigt.

Als Brigadier des Österreichischen Bundesheeres geht Arthur Huschak in den Ruhestand, geht zurück nach Kärnten, wird Landesvorstandsmitglied der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich - Landesorganisation Kärnten und verstirbt mit 68 Jahren in Klagenfurt. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof St. Ruprecht in Klagenfurt.

Orte

Wohnort:

Paulitschgasse 13 (Klagenfurt)

Verfolgung:

KZ Buchenwald (Weimar, Deutschland)

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Arolsen Archives

Matricula Online

Friedhöfe Klagenfurt - Verstorbenensuche

Arthur Huschak

Soldat und Finanzbeamter
* 23. Februar 1903
Kolomea
† 25. Juli 1971
Klagenfurt
Entlassung, Haft, Flucht, KZ Buchenwald