Anton Kutej

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Anton Kutej
Bild: Mikrut 2000-1

Personalia

Geboren:

13. Juli 1909, Klagenfurt

Gestorben:

unbekannt, KZ Dachau

Beruf:

Priester

Verfolgung:

Haft 26.03.1940 - 15.06.1940,
KZ Dachau 15.06.1940 - 15.08.1940,
KZ Mauthausen 15.08.1940 - 08.12.1940,
KZ Dachau 08.12.1940 - 16.02.1941,
Ermordet am 16.02.1941

KZ-Nummer:

2863, 13335

Lebenslauf

Der slowenische Österreicher Anton Kutej wird als unehelichen Kind in Klagenfurt geboren. Dort lebt er mit seiner Mutter bis zu seinem zehnten Lebensjahr. Danach übersiedeln beide nach Globasnitz. Der dortige Pfarrer, Jernej Pšeničnik, ermöglicht dem begabten Schüler den Besuch des Gymnasiums in Klagenfurt ab 1923. Dort erhält er auch Slowenisch-Unterricht.

Nach der Matura 1931 tritt er in das Priesterseminar in Klagenfurt ein und beginnt sein Studium der Theologie. Am 27. Juni 1937 wird er zum Priester geweiht und als Kaplan in den Pfarren Eisenkappel/Železna Kapla, Neuhaus/Suha, Maria Elend/Podgorje und schließlich St. Michael ob Bleiburg/Šmihel nad Pliberkom, ab März 1940, eingesetzt.

Anton Kutej hat es als Kaplan von St. Michael ob Bleiburg schon vor dem deutschen Überfall auf Jugoslawien mit einem fanatischen National- sozialisten als Gegenspieler in der Gemeindeverwaltung zu tun. Der Gemeindesekretär war 1934 nach dem niedergeschlagenen NS-Putschversuch nach Deutschland geflüchtet, hatte sich dort der »Österreichischen Legion« verschrieben und war nach dem »Anschluss« zurückgekehrt.

Auch Anton Kutej hat bei seiner Musterung den Dienst in der Wehrmacht nicht von vornherein verweigert. Als ihm der Gemeindesekretär jedoch den Wehrpass zur Unterschrift vorlegt, weigert Anton Kutej sich und kündigt stattdessen eine Rücksprache mit dem Ordinariat an, was der lokale NS-Funktionär als Gelegenheit sieht, gegen Kutej zum entscheidenden Schlag auszuholen.

Die Verhaftung durch zwei Gestapo-Männer findet unmittelbar nach der Messe am Osterdienstag, dem 26. März 1940, bei der Pfarrkirche von Wackendorf/Večna vas statt. Dem Ordinariatskanzler Dr. Josef Kadras, engster Mitarbeiter von Kapitularvikar Andreas Rohracher, teil der Leiter der Gestapo-Stelle Klagenfurt, Dr. Ernst Weimann, Anton Kutej hätte sich geweigert den Wehrpass zu unterschreiben und klar gemacht, er würde dies auch nicht tun und deutsch sei nicht seine Muttersprache.

In der Unterredung mit Herrn Reg. Rat Dr. Weimann teilte dieser am 2. April 1940 abds. mit, Herr Kutej hätte sich eine Zeitlang geweigert den Militärpass zu fertigen und dabei die Äusserung gemacht: ›Den Dreck unterschreibe ich nicht!‹ Auch habe er im Wehrpass als fremde Sprache ›deutsch‹ eingetragen. Ich machte darauf aufmerksam, dass aus dem Schulbetrieb der Ostmark den Betreffenden keine dritte Be- zeichnung bekannt war zwischen Muttersprache und fremde Sprache, dass also dieser Ausdruck in dem Falle durchaus nichts Staatsgefährdendes oder Verächtliches beinhalte.

Aus einem Aktenvermerk von Ordinariatskanzler Josef Kadras

Am 15. Juni 1940 wird Anton Kutej ohne Gerichtsverhandlung in das KZ Dachau verschleppt, zwei Monate später wird er in das KZ Mauthausen verbracht. Dort muss er, wie andere, vor allem polnische Priester unter härtesten Schikanen Sklavenarbeit verrichten, vermutlich im Steinbruch.

Als die SS gegen Ende des Jahres dazu übergeht, alle in KZs deportierten Priester in Dachau zu sammeln, wird auch Anton Kutej am 8. Dezember 1940 mit einem Priestertransport dorthin zurücküberstellt. Anton Kutej, 31 Jahre alt und ursprünglich von kräftiger Statur, kommt bereits in schlechtem körperlichen Zustand ins KZ Dachau zurück; er lebte dort nur mehr zwei Monate.

Am 16. Februar 1941 verstirbt Anton Kutej im KZ Dachau. Einen Tag später, am 17. Februar 1941 wird seine Mutter davon unterrichtet.

Kutej Anton 16./2.41 3.00 [Uhr] hier verstorben/innerhalb 24 Stunden hierher mitteilen ob Leichenbesichtigung erwünscht/Leiche wird im Krematorium Dachau feuerbestattet/bezüglich Urnenüberführung mit K.L. Dachau in Verbindung drahtet/Sterbeurkunde Standesamt Dachau anfordern/Lagerkommandant Pichkowsky [richtig: Piorkowski], SS Sturmbannführer.

Die Urne Anton Kutejs wird am 3. März 1941 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in der Pfarrkirche in St. Kanzian beigesetzt.

Orte

Sterbeort:

KZ Dachau (Deutschland)

Verfolgung:

Ehrung:

Gedenktafel, Gedenktafel, Gedenktafel, Anton Kutej Weg (Grabelsdorf)

Quellen

  • Mikrut, Jan (2000): Blutzeugen des Glaubens. Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Band 3 (Wien), S. 155–159.

Peter Pirker (2010): "...den Dreck unterschreib ich nicht!" Anton Kutej, Stefan und Janko Messner - drei Entziehungsversuche aus der Wehrmacht, in: Thomas Geldmacher et al. (Hg.): "Da machen wir nicht mehr mit!" Österreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien (Mandelbaum), 103–116

Anton Kutej

Priester
* 13. Juli 1909
Klagenfurt
Haft, KZ Dachau, KZ Mauthausen, Ermordet