Dr. Paul Herzog

Personalia

Geboren:

30. Mai 1886, Wien

Gestorben:

24. Oktober 1942, KZ Auschwitz

Beruf:

Rechtsanwalt

Verfolgung:

Haft 10.11.1938 - 15.11.1938,
KZ Dachau 15.11.1938 - 23.12.1938,
Tätigkeitsverbot 31.12.1938,
Emigration 02.01.1939,
Haft 19.10.1942 - 24.10.1942,
Ermordet im KZ Auschwitz nach dem 24.10.1942

KZ-Nummer:

28021

Lebenslauf

Paul Herzog kommt in Wien als ehelicher Sohn des Kaufmanns Emil Elkan Herzog und seiner Gattin Klara, geborene Handl, zur Welt. In der jüdischen Familie hat Paul Herzog vier weitere Brüder und eine Schwester. Nach der Volksschule besucht er das k.k. Erzherzog Rainergymnasium im 5. Wiener Gemeindebezirk [heute: Rainergymnasium], wo er am 11. Juli 1905 maturiert. Im gleichen Jahr inskribert er Jus an der Universität Wien und wird 1909 zum Doktor der Rechte promoviert.

Nach seiner Gerichtspraxis, seiner Konzipientenzeit und seiner Rechtsanwaltsprüfung macht er sich als Rechtsanwalt, gemeinsam mit seinem Partner Leo Fischmann, selbständig. Seine Kanzlei befindet sich am Parkring 8, im 1. Wiener Gemeindebezirk.

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg, heiratet Paul Herzog 1922 die Katholikin Karoline Leopoldine Manhart (sie selbst verwendet ihren zweiten Vornamen als Hauptnamen). 1925 kommt Sohn Peter zur Welt, 1931 Tochter Renate. Die Kinder werden katholisch getauft. In den 1930ern wird Paul Herzog zum ehrenamtlichen Vizepräsidenten der Rechtshilfestelle der Gemeinde Wien und Anwalt des Österreichischen Offiziersverbandes. Politisch tritt Paul Herzog nicht in Erscheinung.

Am 12. März 1938 erleben Paul Herzog und seine Familie, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Paul Herzog als 'Volljude’ gilt, seine Kinder Peter und Renate als 'Mischlinge I. Grades' bzw. 'Halbjuden'.

Normalerweise werden Juden in 'Mischehen' bei den Nationalsozialisten weniger verfolgt. Im Falle von Paul Herzog trifft dies jedoch nicht zu. Unmittelbar nach der Besetzung Österreichs wird ein Verfahren zur Löschung seiner Anwaltsberechtigung eingeleitet. Die Familie wird aus ihrer Wohnung im 18. Wiener Gemeindebezirk vertrieben und findet Unterkunft bei der Mutter und Schwester von Leopoldine Herzog.

Photo von Leopoldine Herzog, geborene Manhart
Leopoldine Herzog, geborene Manhart
Bild: WStLA

Am 10. November 1938 wird Paul Herzog im Zuge des Judenpogroms, der sogenannten 'Reichskristallnacht' von der Gestapo verhaftet und am 15. November 1938 in das KZ Dachau deportiert. Dort wird er am 23. Dezember 1938, unter der Auflage das besetzte Österreich so schnell als möglich zu verlassen, entlassen. Mit 31. Dezember 1938 wird er aus dem Liste der Rechtsanwälte gestrichen.

Photo von Peter Herzog
Peter Herzog
Bild: WStLA

Am 2. Jänner 1939 emigriert Paul Herzog von Wien nach Sluis in den Niederlanden. Seine Ehefrau versucht mit den beiden Kindern sechs Monate später nachzukommen, ihnen wird aber an der niederländischen Grenze die Einreise verweigert. Sie schafft es aber in ein Fischerdorf in Belgien nahe der Grenze zu Holland zu gelangen, wo auch ihr Ehemann nachkommt.

Mit Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 zieht die Familie nach Brügge in Belgien, wo die Kinder die Schule besuchen. Mit Beginn des 18-tägigen Westfeldzug der deutschen Wehrmacht ab dem 10. Mai 1940 flüchtet die Familie nach Frankreich, wobei sie direkt vor der Front hergetrieben werden.

Nach dem Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland am 22. Juni 1940 wird die Familie von der deutschen Feldgendarmerie aufgegriffen. Leopoldine, Peter und Renate Herzog werden zurück nach Wien geschickt, Paul Herzog in ein Arbeitslager nach Dinant in Belgien, wo er als Landarbeiter tätig ist.

In Wien erkrankt Peter Herzog an der Lungentuberkulose, auch Renate Herzog ist sehr oft krank. Vergebens versucht Leopoldine Herzog eine Einreisebewilligung nach Belgien zu bekommen um mit ihrer Familie ihrem Ehemann nahe zu sein. Die deutschen Behörden verweigern konsequent jedes Ansuchen.

Am 19. Oktober 1942 wird Paul Herzog in ein Sammellager nach Mechelen in Belgien gebracht und am 24. Oktober 1942 mit dem Transport Nr. 809 in das KZ Auschwitz deportiert. Dort wird er unmittelbar nach dem Eintreffen in den Gaskammern ermordet.

Leopoldine, Peter und Renate Herzog erleben in Wien die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Peter Herzog ist aufgrund seiner Lungentuberkulose in Spitals- und Heilbehandlung, Renate Herzog erlitt ein Nervenleiden.

Leopoldine Herzog tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Die Kinder schaffen es nach ihrer Heilung die Reifeprüfung in Österreich abzulegen.

Die Familie wandert 1950 in die Vereinigten Staaten von Amerika nach Syracuse in New York aus, da Peter Herzog ein ein Stipendium an der Law School der Universität Syracuse erhält und Renate Herzog, die sich journalistisch bereits bei de 'Geneva Daily Times' profilieren konnte, ein Stipendium an der Harvard University bzw. der Radcliffe Graduate School.

Leopoldine Herzog dazu: 'Es ist etwas Wunderbares für mich, meine beiden Kinder, die so unendlich viel Leid erfahren mußten in ihrem jungen Leben, denen man - grausam und rücksichtslos - die Kindheit zertrampelt, die Jugend zerstört, die Gesundheit schwer geschädigt hat, sich freuen zu können.'

Selbst Bundeskanzler Leopold Figl läßt es sich nicht nehmen, Leopoldine Herzog schriftlich zu gratulieren: 'Es freut mich zu hören, dass Ihren beiden Kindern nach den schweren Jahren so große Ehrungen zuteil geworden sind, die sie sich auf Grund ihres Fleißes und ernsten Strebens reichlich verdient haben. Sie haben damit auch unter Beweis gestellt, dass der wahre Österreicher sich überall bewährt und seiner Heimat nur Ehre machen kann.'

Photo von Renate Herzog
Renate Herzog
Bild: WStLA

Leopoldine Herzog verstirbt 1975 in Syracuse in New York, 33 Jahre nach ihrem Ehemann.

Orte

Wohnort:

Verfolgung:

KZ Dachau (Deutschland)

Sterbeort:

KZ Auschwitz (Polen)

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Archiv der Universität Wien

Arolsen Archives

Matricula Online

Paul Herzog

Rechtsanwalt
* 30. Mai 1886
Wien
† 24. Oktober 1942
KZ Auschwitz
Emigration, Tätigkeitsverbot, Haft, KZ Auschwitz, KZ Dachau, Ermordet