Alois Joseph Drimmel
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft Mai 1938 (3 Wochen),
Haft 15.03.1940 - 04.05.1940,
Haft 19.06.1942 - 22.08.1942,
Heil- und Pflegeanstalt 'Am Steinhof' 22.08.1942 - 03.05.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Alois Joseph Drimmel kommt in Senftenberg in Niederösterreich als ehelicher Sohn des Walzmühlenbesitzers Alois Drimmel und Rosalia, geborene Seeböck, zur Welt. Nach seiner Schulausbildung arbeitet er als Reisender [Anm.: Ein unselbstständiger Handlungsgehilfe im Außendienst, der für seinen Arbeitgeber tätig ist.] Bereits im Alter von 14. Jahren erkennt Alois Drimmel, dass er Homosexuell ist. Zu dieser Zeit wird Homosexualität als Krankheit gesehen und ist darüber hinaus strafbar. Die gesellschaftliche Ächtung, sowie der öffentlich-rechtliche Druck gegen homosexuelle Personen, führen bei Alois Drimmel offensichtlich dazu, dass dieser psychische Probleme bekommt.
1924 leiht er der nachmaligen Ehefrau des späteren NSDAP-Kreisleiters 4.000 Schilling, die diese ihm trotz mehrmaliger Klagen nicht zurückzahlt.
Aufgrund seiner Homosexualität kommt Alois Drimmel immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt und wird 1935 wegen 'Unzucht wider der Natur' zu vier Monaten Kerker und 1937 wegen 'Unzucht wider der Natur und Verletzung der öffentlichen Sicherheit' zu sechs Monaten Kerker verurteilt. 1937 läßt er sich 'freiwillig' Kastrieren, um seiner Homosexualität entgegenzuwirken.
Als am 12. März 1938 die deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschiert und damit das freie und unabhängige Österreich untergeht, wird der Ehemann jener Frau, der er 1924 Geld lieh, Paul Slopetzky, Kreisleiter des Kreises IX der NSDAP. Alois Drimmel verfolgt ihn schon fast Wahnhaft und vermischt dabei offensichtlich Realität und Fiktion.
In seinem Wahn versucht er der NSDAP beizutreten, nur um schon bei der Anmeldung festhalten zu können, dass Paul Slopentzky dies jedenfalls hintertreiben würde. Er beschimpft den Kreisleiter am Telephon und zeigt ihn zumindest sieben bis acht Mal bei der Gestapo an. Die Anschuldigungen beinhalten den Vorwurf der illegalen Aneignung jüdischen Vermögens.
Als er im Mai 1938 bei einer Zugfahrt öffentlich den Kreisleiter beschimpft, wird er verhaftet und zu drei Wochen schweren Kerker verurteilt. Danach überträgt er seine Ablehnung auf die gesamte NSDAP und ihre Funktionäre, die er fortan öffentlich beschimpft. Deshalb wird er vom 15. März 1940 bis 4. Mai 1940 eingesperrt.
In Freiheit hört er trotzdem nicht auf, auf die NSDAP und ihre Funktionäre zu schimpfen. Am 19. Juni 1942 wird Alois Drimmel abermals verhaftet und am 22. August 1942 in die Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof in Wien-Penzing eingewiesen, obwohl auch laut Krankenakte ein Zwangsaufenthalt mehr als zweifelhaft ist.
Alois Drimmel muss bis zur Niederlage des Dritten Reiches und zur Befreiung Österreichs warten, bis er am 3. Mai 1945 wieder die Freiheit gewinnt.
Nach dem Krieg ist Alois Drimmel weiterhin arbeitslos. Er tritt der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Er verstirbt mit 61 Jahren in Krems an der Donau.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Archiv der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich (KPV)
