Juri (Jura) Soyfer

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Jura Soyfer (DÖW)

Personalia

Geboren:

8. Dezember 1912, Charkiw

Gestorben:

16. Februar 1939, KZ Buchenwald

Beruf:

Schriftsteller

Verfolgung:

Haft 13.03.1938 - 23.06.1938,
KZ Dachau 23.06.1938 - 23.09.1938,
KZ Buchenwald 23.09.1938 - 16.02.1939,
Ermordet am 16.02.1939

KZ-Nummer:

9697

Mitgliedschaften

Sozialdemokratische Partei Österreichs, Kommunistische Partei Österreichs

Lebenslauf

Juri 'Jura' Soyfer kommt in Kharkov im Russischen Kaiserreich [heute: Charkiw in der Ukraine] als ehelicher Sohn des jüdischen Industriellen Wladimir Soyfer und dessen Frau Ljubow zur Welt. 1920 flüchtet die Familie über Georgien und Konstantinopel und kommt 1921 nach Baden bei Wien, von wo aus sie später nach Wien übersiedelt. Jura Soyfer wird mit zehn Jahren im Realgymnasium Hagenmüllergasse, Erdberg, eingeschult, wo er 1931 erfolgreich maturiert. Mit 15 Jahren beginnt er sozialistische Schriften zu studieren und wird überzeugter Marxist. 1927 tritt er dem Verband Sozialistischer Mittelschüler [heute: Aktion Kritischer SchülerInnen] bei und wirkt in der Agitpropgruppe 'Blaue Blusen' mit. Er ist Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) [heute: SPÖ]. Da in der Familie Russisch, Französisch und Deutsch gesprochen wird, entwickelt Jura Soyfer schnell ein Gespür und eine Vorliebe für Sprache und Sprachspiele. 1929 wird er Mitglied des Politischen Kabaretts der Sozialdemokraten.Dort sammelt er erste Erfahrungen im szenischen Schreiben. Ab Dezember 1931 erscheinen wöchentlich politische Satiren von ihm in der Arbeiter-Zeitung und in der sozialdemokratischen Wochenschrift Der Kuckuck. Ebenfalls verfasst er zwei Artikel für die Politische Bühne. Darin fordert er eine Politisierung des Theaters und das Abschaffen bloßer Ablenkung und Unterhaltung. In dieser Hinsicht ist er dem epischen Theater von Bertolt Brecht sehr nahe.

Nach den sozialistischen Februaraufständen 1934 tritt er der illegalen KPÖ bei, verfasst Flugblätter und beginnt die Arbeit an seinem Roman So starb eine Partei. Dieser Roman, der nur in einem Fragment erhalten ist, ist eine Abrechnung mit der österreichischen Sozialdemokratie, deren Politik in die Niederlage des Februar 1934 geführt hat. 1935 lernt Jura Soyfer über Hans Weigel, Leon Askin [Anm.: Leo Askenasy] kennen, der als Schauspieler und Regisseur am Wiener Theater ABC tätig ist, wo auch die meisten von Jura Soyfers Stücken aufgeführt werden. Diese Kleinkunstbühnen, die weniger als 50 Sitzplätze haben und aus den Bestimmungen des autoritären Theatergesetzes herausfallen, eröffnen einen minimalen Spielraum für Kabarett und Theater.

Am 17. November 1937 wird Jura Soyfer durch eine Verwechslung mit einem gewissen Seidel (eigentlich Franz Marek, führender Funktionär der Kommunistischen Partei) festgenommen. Als sich herausstellt, dass gegen ihn selbst mit seinen kritischen Stücken genug belastendes Material vorliegt, wird er für drei Monate inhaftiert. Am 17. Februar 1938 wird er im Zuge einer Amnestie für 'Politische' entlassen. 26 Tage lang befindet er sich daraufhin in Freiheit.

Am 12. März 1938 muss Jura Soyfer erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutsche Wehrmacht untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Jura Soyfer als ‘Volljude’ gilt.

Am 13. März 1938 wird er in Gargellen beim Versuch, mit Skiern in die rettende Schweiz zu gelangen, von Beamten festgenommen. Nach seiner Arretierung kommt er zuerst in den Gemeindekotter in St. Gallenkirch im Bezirk Bludenz. Am 16. März 1938 wird er vor das Landesgericht Feldkirch gebracht. Am 23. Juni 1938 wurde er in das KZ Dachau deportiert. Am 23. September 1938 wird er von dort in das KZ Flossenbürg überstellt, wo er am 16. Februar 1938 an Typhus stirbt.

Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt,

Und wir wurden stahlhart dabei.

Bleib ein Mensch, Kamerad,

Sei ein Mann, Kamerad,

Mach ganze Arbeit, pack an, Kamerad:

Denn Arbeit, denn Arbeit macht frei,

Denn Arbeit, denn Arbeit macht frei

Der Refrain des 'Dachau-Liedes', welches Jura Soyfer mit Herbert Zipper schrieb

Zum Zeitpunkt hatten seine in die USA emigrierten Eltern bereits ein Affidavit [Anm.: Bürgschaft eines Bürgers des Aufnahmelandes für einen Einwanderer] geschickt, und seine KZ-Entlassungspapiere waren unterzeichnet. Seine sterblichen Überreste werden im KZ Buchenwald verbrannt, die Asche später nach New York überstellt und durch die Hebrew Free Burial Association auf Staten Island bestattet.

Orte

Wohnort:

Verfolgung:

KZ Dachau (Deutschland)

Sterbeort:

KZ Buchenwald (Weimar, Deutschland)

Ehrung:

Stolperstein (Wien), Gedenktafel (Wien), Jura Soyfer Gasse (Wien)

Quellen

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Jura_Soyfer

Juri Soyfer

Schriftsteller
* 8. Dezember 1912
Charkiw
† 16. Februar 1939
KZ Buchenwald
Haft, KZ Buchenwald, KZ Dachau, Ermordet