Stefan Hennet

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 23.10.1944 - 06.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Stefan Hennet (auch Henneth geschrieben) kommt in Bodafok, einem Stadtteil von Budapest, als ehelicher Sohn von Adam Hennet und seiner Gattin Katalin, geborene Szeleczky, zur Welt. Nach der Schulbildung macht er eine Ausbildung zum Schuhmacher und schießt diese mit der Meisterprüfung ab. 1902 heiratet er in Budapest Maria Winczheim und wird in weiterer Folge Vater dreier Söhne und zweier Töchter.
1910 übersiedelt Stefan Hennet mit seiner Familie nach Wien und eröffnet dort ein Schuhmachergeschäft. Auch nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg, betreibt er weiterhin sein Schuhmachergeschäft.
1930 geht seine Ehe in Brüche. Obwohl er politisch nicht aktiv ist, ist er kein Unterstützer des Nationalsozialismus. Später geht er eine Beziehung mit Antonie Schwabel ein.
Am 12. März 1938 muss Stefan Hennet erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Gegenüber seiner Freundin Antonie Schwabel äußert er sich immer wieder abfällig gegenüber dem Nationalsozialismus. Als er im Herbst 1943 beispielsweise aufgefordert wird, einen Splittergraben auszuheben, kritisiert er dies gegenüber seiner Freundin.
Ja, ich gehe Splittergraben graben, wenn die braune Pest hineinkommt. Heil Hitler, mein Magen ist bitter!
Auch gegenüber Dritten kritisiert er, in Anwesenheit von Antonie Schwabel, das nationalsozialistische Regime.
Die Russen sind schon in Ostpreussen, mit der braunen Pest dauert es nicht mehr lange.
Ich habe nichts zusammengehaut. Der Gauner soll vom Kriegführen aufhören. Der Pülcher wird schon schauen, wenn die Juden hereinkommen, dann wird er Blut schwitzen.
Als Stefan Hennet gegenüber Antonie Schwabel Adolf Hitler am 22. Oktober 1944 kritisiert, ist deren Beziehung bereits zerrüttet. Sie geht daraufhin sofort zur Gestapo und denunziert Stefan Hennet, der einen Tag später, am 23. Oktober 1944 verhaftet wird.
Am 21. Dezember 1944 ergeht die Anklageschrift, zu einem Prozess und einer Verurteilung kommt es jedoch nicht mehr, da der Krieg zu Ende geht. In der Haft zieht sich Stefan Hennet ein Herz- und Magenleiden zu. Er erlangt am 6. April 1944, bei der Schlacht um Wien, wieder seine Freiheit und erlebt die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Sofort eröffnet er wieder sein Schuhmachergeschäft.
Stefan Hennet tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Die Krankheit, die er sich in der Haft zugezogen hat, schreitet derart voran, dass er gezwungen ist, sein Geschäft 1950 aufzugeben. Er verstirbt mit 79 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof Wien-Südwest.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Ungarisches Staatsarchiv
