Richard Anton Luft

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Richard Luft
Bild: WStLA

Personalia

Geboren:

31. Mai 1898, Deutsch-Slatnik

Gestorben:

4. Februar 1971, Wien

Beruf:

Holzgroßhändler, Kaufmann und Journalist

Verfolgung:

Haft 8.09.1938 - 19.10.1938,
Haft 13.10.1940 - 07.04.1941,
Haft 23.05.1943 - 20.11.1943,
KZ Groß Rosen 20.11.1943 - 15.02.1945,
KZ Flossenbürg 15.02.1945 - 23.04.1945

KZ-Nummer:

87836, 8363

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Richard Anton Luft kommt am 31. Mai 1898 in Deutsch-Slatnik im Bezirk Brüx in Böhmen als ehelicher Sohn von Wilhelm Luft und Maria, geborene Steinböck, zur Welt. [Anm.: Das Dorf Deutsch-Slatnik hieß später Slatinice, musste in den Jahren 1965 bis 1968 dem dortigen Braunkohletagebau weichen und wurde komplett abgerissen.] Über seine Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben. Nach der Schulbildung erlernt er den Kaufmannsberuf.

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg im Jahre 1918 zieht er nach Graz. Der gläubige Katholik und patriotische Österreicher tritt der Christlichsozialen Partei (CSP) und dem Heimatschutz bei. Er betätigt sich als Holzgroßhändler und hält sich zwischen 1926 und 1939 oft für längere Zeit in Jugoslawien, den Niederlanden und England auf. Er heiratet Anna Engl, die Ehe geht später in Brüche.

Am 12. März 1938 erlebt Richard Luft, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Am 8. September 1938 wird er wegen seiner früheren Zugehörigkeit zum Heimatschutz und seiner patriotisch-österreichischen Einstellung verhaftet. Er kommt am 19. Oktober 1938 frei.

Mit seiner Ehefrau zieht Richard Luft über Düren, Erfurt und Schwerin in Deutschland, nach Krakau. Dort wird er aufgrund seiner Gegnerschaft zu Nationalsozialismus zwischen 13. Oktober 1940 und 7. April 1941 abermals eingesperrt. Eine dritte Verhaftung wegen 'Judenbegünstigung und dringendem Verdacht auf Hochverrat' erfolgt am 23. Mai 1943. Ihm wird auch 'Spionageverdacht' aufgrund seiner früheren Auslandsaufenthalte vorgeworfen. Am 20. November 1943 erfolgt seine Deportation in der KZ Groß-Rosen. Dort muss er als Schreiber im Häftlingskrankenrevier arbeiten. Mitgefangene beschreiben ihn als hilfsbereit gegenüber Kranken und als solidarischen Kameraden unabhängig von der Nationalität. Der polnische Arzt Zbigniew Kazimierski bestätigt, dass Richard Luft als Revierschreiber tätig ist und gemeinsam mit anderen Häftlingen Anordnungen der SS zu unterlaufen versucht. Beim Herannahen der Roten Armee wird das Konzentrationslager geräumt und Richard Luft am 15. Februar 1945 in das Außenlager Leitmeritz des KZ Flossenbürg überstellt. Dort wird er am 23. April 1945 von der US-Army befreit.

Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 kehrt Luft nach Wien zurück. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Beruflich ist Luft nach dem Krieg erneut als Kaufmann tätig. Im September 1949 besitzt er in Graz ein Holzexportgeschäft und eine Eisengroßhandlung. Am 1. März 1951 pachtet er das Sägewerk von Johann Aigelsreiter in der Gemeinde St. Veit an der Gölsen. Bis September 1953 betreibt er das Werk und wohnt zeitweise in einer dort von ihm errichteten Baracke. 1953 gerät der Betrieb in ein Ausgleichsverfahren; später folgt ein Konkurs.

Bereits im September 1954 verdient Richard Luft mit der Vermittlung von Inseraten für den Österreichischen Fachzeitschriftenverlag seinen Lebensunterhalt. Er lebt in einem Untermietzimmer und ist zusätzlich auf die Unterstützung seines Bruders angewiesen. Spätestens 1955 ist er auch als Journalist für den Industrie- und Fachverlag Dipl.-Ing. Rudolf Bohmann tätig.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen zu einem Strafverfahren. Am 17. März 1956 verurteilt das Landesgericht für Strafsachen Wien Luft wegen fahrlässiger Krida und mangelhafter Buchführung zu zehn Monaten strengem Arrest. Die Vollziehung der Strafe wird unter Setzung einer dreijährigen Probezeit aufgeschoben.

1958 ist Robert Luft Mitgründer der Internationalen Seilbahnrundschau und arbeitet auch für diese Zeitschrift. Er ist kurz mit Erika Maresch verheiratet bevor er ein mit Anna Maria Schörg ein drittes Mal heiratet.

Richard Luft verstirbt mit 72 Jahren und findet seine letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.

Orte

Wohnort:

 
Thurngasse 11 (Wien), KZ Flossenbürg (Deutschland)

Verfolgung:

 
KZ Groß-Rosen (Groß Rosen, Polen)

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Arolsen Archives

Groß, Robert (2019): Die Beschleunigung der Berge. Eine Umweltgeschichte des Wintertourismus in Vorarlberg/Österreich (1920–2010). (Böhlau/Wien/Köln/Weimar). S 50.

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Richard Luft

Holzgroßhändler, Kaufmann und Journalist
* 31. Mai 1898
Deutsch-Slatnik
† 4. Februar 1971
Wien
Haft, KZ Flossenbürg, KZ Groß-Rosen