Ministerialrat Dr. Rudolf Lustig-Leignitz
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 19.03.1938 - 27.03.1938,
Entlassung 30.04.1938
Ehrungen:
Silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse
Karl-Truppenkreuz
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Rudolf Lustig, der später den Namen Lustig-Leignitz führt, kommt als ehelicher Sohn des k.u.k. Majors Rudolf Lustig und seiner Ehefrau Theodora, geborene Blaschek, in Turn im Bezirk Teplitz-Schönau in Böhmen [heute: Trnovany in Teplice in Tschechien] zur Welt. Er wächst in einer römisch-katholischen Familie auf. Nach der Volksschule besucht er das Staatsobergymnasium in Teplitz-Schönau, an dem er 1914 die Matura ablegt.
Am 1. Dezember 1914 rückt Rudolf Lustig-Leignitz als Kriegsfreiwilliger beim k.u.k. Feldjägerbataillon Nr. 1 ein. Während des Ersten Weltkrieges wird er unter anderem als Zugskommandant eingesetzt. Seine militärischen Vorgesetzten heben seine Tapferkeit und Verlässlichkeit hervor. Mit 1. November 1915 wird er zum Kadetten der Reserve befördert; auch diese Beförderung erfolgt ausdrücklich in Anerkennung seines tapferen Verhaltens.
Mit 1. August 1916 wird Rudolf Lustig-Leignitz Leutnant der Reserve. Vom 1. August 1916 bis zum 17. August 1917 besucht er einen Aktivierungskurs an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, der seiner Übernahme in den aktiven Offiziersstand dient. Am 17. August 1917 scheidet er als aktiver Leutnant des Feldjägerbataillons Nr. 1 aus der Akademie aus.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg setzt Rudolf Lustig-Leignitz seine militärische Laufbahn im österreichischen Heer fort. Er erreicht den Rang eines Hauptmanns und dient bei der Brigade-Nachrichtenabteilung Nr. 2. Zugleich inskribiert er Jus und Staatswissenschaften an den Universitäten Prag und Wien, und wird am 6. November 1923 zum Doktor der Rechte promoviert wird.
Am 1. März 1925 tritt Rudolf Lustig-Leignitz in den niederösterreichischen Landesdienst ein. Am 18. April 1926 heiratet er die Lehrerin Therese Renate, geborene Beyer; 1927 kommt der gemeinsame Sohn zur Welt.
Politisch engagiert sich Rudolf Lustig-Leignitz im Wiener Heimatschutz und in der Vaterländischen Front. Als Adjutant arbeitet er im Umfeld des Leiters des Wiener Heimatschutzes und zeitweiligen Vizekanzlers Emil Fey. Der strikte Gegner des Nationalsozialismus engagiert sich in seiner politischen Funktion gegen Nationalsozialisten. Im Rahmen des nationalsozialistischen Putschversuches vom Juli 1934, bei dem Bundeskanzler Engelbert Dollfuss ermordet wird, geht er gegen die Putschisten energisch vor.
Am 12. März 1938 erlebt Rudolf Lustig-Leignitz wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Aufgrund seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus wird er am 19. März 1938 von der Gestapo verhaftet. Er bleibt bis zum 27. März 1938 in Haft und wird mit 30. April 1938 durch Zwangspensionierung entlassen.
Ab 1. Mai 1938 arbeitet er für die Textilwerke Frommherz, Müller & Co. Er berät die Geschäftsführung in juristischen Fragen und bearbeitet Personalangelegenheiten des Unternehmens. Im Juni 1940 wird wegen seiner Verwendung im Unternehmen erneut eine politische Überprüfung eingeleitet. Die Deutsche Arbeitsfront verweist auf Beschwerden gegen ihn und auf seine frühere Tätigkeit für Fey. Am 27. Jänner 1941wird er als 'politisch unzuverlässig' entlassen.
Das Gaupersonalamt blockiert eine neuerliche Anstellung. Als beispielsweise im Frühjahr 1943 seine Übernahme als Hauptabteilungsleiter für Verbrauchsregelungsfragen bei der Reichsstelle Kleidung in Berlin erwogen wird, verweigert die Wiener Gauleitung am 5. März 1943 erneut die Bestätigung seiner politischen Zuverlässigkeit.
Die Verfolgung trifft auch die Familie von Rudolf Lustig-Leignitz . Seine Ehefrau Renate Lustig-Leignitz befindet sich 1939/40 rund sechs Monate in Haft. Zudem verliert die Familie ihre Wohnung. Auch eine weitere Wohnung wird im April 1940 beschlagnahmt.
Im Winter 1944/45 arbeitet Rudolf Lustig-Leignitz in der Hauptverwaltung der Wiener Neustädter Flugzeugwerke. Nach der Befreiung Wiens meldet er sich bereits am 13. April 1945 bei der niederösterreichischen Landesverwaltung zur Wiederverwendung. Zunächst wird er jedoch noch für Aufgaben bei dem nun als Wiener Neustädter Maschinenwerkebezeichneten Unternehmen benötigt.
Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bze. Mai 1945 wird er rehabilitiert, kehrt mit 1. August 1945 in den aktiven Staatsdienst zurück und wird im Heeresamt der Staatskanzlei verwendet. Nach der Auflösung des Heeresamtes Ende 1945 wechselt er mit 2. Jänner 1946 in das Bundesministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung. In den folgenden Jahren bleibt Rudolf Lustig-Leignitz auf dem Gebiet der Vermögenssicherung tätig. 1949 arbeitet er in der Abteilung 3 des Bundesministeriums für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung. 1950 wechselt der Aufgabenbereich in das Bundesministerium für Finanzen, Abteilung 35.
Rudolf Lustig-Leignitz bleibt nach seiner Wiederaufnahme in den Staatsdienst bis zu seinem Tod im aktiven Dienst. Er verstirbt in Wien mit 56 Jahren an einer schweren Herzkrankheit.
Orte
Wohnort:
Quellen
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Austriaca unter austriaca.at/0xc1aa5572_0x003acda6.pdf
