Senatspräsident Dr. Heinrich Rudolf Lieberich

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Heinrich Lieberich
Bild: ÖStA

Personalia

Geboren:

21. Dezember 1909, Wien

Gestorben:

28. August 1980, Wien

Beruf:

Staatsanwalt und Richter

Verfolgung:

Widerstandskämpfer (unentdeckt),
Desertiert am 30.03.1945

Mitgliedschaften

Gruppe Fischer-Malina, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Heinrich Rudolf Lieberich kommt in Wien als Sohn des Ingenieurs und Direktionsrates Hermann Lieberich und seiner Ehefrau Charlotte Therese, geborene Kaiser, zur Welt. Sein Vater arbeitet bei den Wiener städtischen Gaswerken. Heinrich Lieberich wächst in einer evangelischen Familie auf.

Nach der Volksschule besucht er ein humanistisches Gymnasium und studiert anschließend Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Am 15. März 1933 promoviert er zum Doktor der Rechte. Am 21. März 1933 beginnt er seine Gerichtspraxis. Diese führt ihn unter anderem an das Bezirksgericht Innere Stadt, die Wiener Straf- und Zivilgerichte, das Bezirksgericht Purkersdorf, das Kreisgericht Steyr und die Staatsanwaltschaften Wien I und II. 1936 wird er Richteramtsanwärter; im Juni 1937 besteht er die Richterprüfung mit sehr gutem Erfolg und ist anschließend als Hilfsrichter tätig.

1931 heiratet Heinrich Lieberich Ilse Schuster. Am 11. Oktober 1932 wird ein Sohn geboren. Ilse Lieberich stirbt am 14. Mai 1934. Am 28. November 1936 heiratet Lieberich Helene Rumpler. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter.

Heinrich Lieberich tritt in der Zwischenkriegszeit dem Heimatschutz und 1929 dem Studentenfreikorps bei. Am 7. Mai 1934 erfolgt sein Beitritt zur Vaterländischen Front. Dem Nationalsozialismus steht er strikt ablehnend gegenüber.

Am 12. März 1938 erlebt Heinrich Lieberich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Aus Angst um seine berufliche Existenz und Befürchtungen wegen eines jüdischen Vorfahrens, stellt er den Antrag auf Mitgliedschaft zur NSDAP.

Am 29. November 1938 wird Heinrich Lieberich zum Amtsgerichtsrat ernannt; die Übernahme auf die Planstelle erfolgt mit 1. Jänner 1939. Mit 1. Juli 1939 wird er dem Amtsgericht Wien zugeteilt, bleibt aber bei der Staatsanwaltschaft beschäftigt. Mit 1. September 1939 wird er Staatsanwalt beim Landgericht Wien.

Als Staatsanwalt setzt er sich für Menschen ein, denen politische Verfolgung droht. Sein damaliger Mitarbeiter Josef Zarl bestätigt nach dem Krieg, dass Heinrich Lieberich ihm trotz bekannter Gegnerschaft zum Nationalsozialismus eine politisch unbedenkliche Beurteilung ausstellt. Josef Zarl schildert außerdem, wie Heinrich Lieberich ein Strafverfahren gegen Ordensangehörige von St. Gabriel verhindert und auch die vorgesehene Meldung an die Gestapo unterbindet.

Regimekritische Äußerungen führen 1941/42 zu Untersuchungen gegen Heinrich Lieberich. Am 12. Jänner 1942 zieht er bei der NSDAP-Kreisleitung seinen Aufnahmeantrag zurück. Am 17. Jänner 1942 muss er zur Wehrmacht, trotz gesundheitlicher Einschränkungen, einrücken, was mit den politischen Auseinandersetzungen in der Justiz in Verbindung steht.

Über Josef Zarl gelangt Heinrich Lieberich schließlich zur Widerstandsgruppe um Rudolf Fischer und Rudolf Malina, der Gruppe Fischer-Malina in der Breitenseer Kaserne. Rudolf Fischer hält ihn im Interesse der Widerstandsbewegung trotz Schwierigkeiten in der Kaserne zurück. Heinrich Lieberich wirkt als juristischer Berater und Rechtsbeistand für Kameraden, die dem Widerstand angehören. Karl Heger bestätigt, dass er dabei sowohl am Landesgericht als auch beim Wehrmachtsgericht zugunsten betroffener Soldaten einschreitet. Im militärischen Dienst ist Heinrich Lieberich wiederholt politischen Anfeindungen und Strafversetzungen ausgesetzt.

Im Herbst 1944 führt sein Militärdienst Heinrich Lieberich nach Ungarn. Nach der Angliederung seiner Einheit an das Führungsnachrichtenregiment 40 organisiert er mit österreichischen Kameraden eine Widerstandszelle. Er beschädigt Nachrichtengeräte absichtlich und durchschneidet bei nächtlichen Wachgängen Fernsprechleitungen der Wehrmacht. Als ihm gegen Kriegsende die Verhaftung droht, entzieht er sich dem Dienst und desertiert am 30. März 1945.

Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 wird Heinrich Lieberichs frühere NSDAP-Zugehörigkeit überprüft. Am 26. März 1946 wird zunächst seine Entlassung aus dem Staatsdienst ausgesprochen, weil die Behörde ihn als illegalen Nationalsozialisten einstuft. Die Beschwerdekommission verwirft diese Einstufung am 19. Juli 1946. Im Oktober 1946 wird der Entlassungsbescheid aufgehoben. Das darauf bezogene Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof wird am 25. November 1946 als gegenstandslos eingestellt. Danach wird er als Widerstandskämpfer offiziell anerkannt.

Im richterlichen Dienst der Republik Österreich steigt Heinrich Lieberich schließlich zum Senatspräsidenten des Oberlandesgerichts Wiens auf, wo er als solcher in den Ruhestand tritt.

Heinrich Lieberich verstirbt im Alter von 70 Jahren in Wien.

Orte

Wohnort:

 

Quellen

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Heinrich Lieberich

Staatsanwalt und Richter
* 21. Dezember 1909
Wien
† 28. August 1980
Wien
Desertiert, Widerstandskämpfer (unentdeckt)