Heinrich Radatz

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Heinrich Radatz
Bild: Martin Radatz, Privat

Personalia

Geboren:

23. Juli 1904, Leithaprodersdorf

Gestorben:

31. Mai 1945, Gusen

Beruf:

Tischlermeister

Verfolgung:

Haft 16.12.1944 - 16.02.1945,
KZ Mauthausen 16.02.1945 - 05.05.1945

Lebenslauf

Heinrich Radatz kommt in Leithaprodersdorf im Burgenland als ehelicher Sohn des Tischlermeisters Georg Radatz und seiner Gattin Elisabeth, geborene Fink, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er die Hauptschule um in Anschluss die Lehre zum Tischlermeister zu absolvieren.

Heinrich Radatz übernimmt die Tischlerei seines Vaters, heiratet 1932 die Schneidermeisterin Theresa Jagenbein und wird in weiterer Folge Vater dreier Söhne. Politisch ist er uninteressiert, wiewohl er dem Nationalsozialismus eher kritisch gegenüber steht. Er wird als kritischer Geist charakterisiert, der seine Meinung offen artikuliert.

Am 12. März 1938 erlebt Heinrich Radatz den Untergang des freien und unabhängigen Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Mit dem neuen Ortsgruppenleiter der NSDAP in Leithaprodersdorf gerät er immer wieder in Konflikt. Die Familie wird bespitzelt und abgehört, beispielsweise, ob sie sogenannte 'Feindsender' hören oder öffentlich schikaniert. Auf Druck des Ortsgruppenleiters und um seine Familie zu schützen, tritt er schließlich der NSDAP bei.

Photo von Tischlerei von Heinrich Radatz in Leithaprodersdorf
Tischlerei von Heinrich Radatz in Leithaprodersdorf
Bild: Martin Radatz, Privat

Mit Heranrücken der Roten Armee im Osten werden auch Leithaprodersdorf aus Altersgründen nicht mehr wehrfähige Männer zum Volkssturm ausgebildet.

Heinrich Radatz wird eines Nachts Anfang Dezember 1944 mit anderen Volkssturm-Männern aus Leithaprodersdort nach Eisenstadt gebracht. Bei der Abfahrt um drei Uhr morgens herrschen tumultartige Zustände am Kirchenplatz. Sie werden jedoch nach ihrer Ankunft in Eisenstadt wieder zurück geschickt.

Einige Tage später, am 16. Dezember 1944 wird er vor seinem Haus von Gendarmen verhaftet. Er hatte im Rahmen seiner Fahrt nach Eisenstadt einige Tage zuvor 'wehrkraftzersetzende Äußerungen' getätigt und wurde von anderen denunziert. Mit ihm werden zwei weitere Einwohner von Leithaprodersdorf verhaftet Auf einem Lastwagen wird er in die Haftanstalt Elisabethpromenade nach Wien gebracht. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits in einem körperlich sehr geschwächten Zustand.

Photo der Häftlings-Personal-Karte des KZ Mauthausen
Häftlings-Personal-Karte des KZ Mauthausen
Bild: Arolsen Archives

Ja, mit dem Volkssturm werden wir den Krieg auch nicht gewinnen.

Die wehrkraftzersetzende Äußerung von Heinrich Radatz vom Dezember 1944

Am 16. Februar 1945 wird Heinrich Radatz in das KZ Mauthausen deportiert. Im Konzentrationslager verschlechtert sich sein Zustand zusehends. Am 5. Mai 1945 wird er von Truppen der 3. US-Army im Konzentrationslager befreit. Aufgrund seines schlechten gesundheitlichen Zustandes wird er in das Lazarett nach Gusen verlegt. Dort verstirbt er am 31. Mai 1945 an den Folgen der Haft. Er wird in einem Massengrab in Gusen beigesetzt. Er wird nur 41 Jahre alt.

Orte

Wohnort:

Hauptstraße 46 (Leithaprodersdorf)

Verfolgung:

Quellen

Martin Radatz, Privat

Arolsen Archives

Einlieferungsliste des KZ Mauthausen vom 16.02.1945

Heinrich Radatz

Tischlermeister
* 23. Juli 1904
Leithaprodersdorf
† 31. Mai 1945
Gusen
Haft, KZ Mauthausen