Dr. Theobald Josef Cieplik

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 02.10.1944 - 07.05.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Theobald Josef Cieplik kommt in Beuthen in Oberschlesien in Deutschland [heute: Bytom in Polen] als ehelicher Sohn des Konservatoriumsdirektor Thomas Cieplik und seiner Gattin Anna, geborene Ratzky, zur Welt. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Beuthen absolviert er zwei Lehrjahre in der Klavierfabrik Ed. Seiler, sowie der Klaviaturen- und Mechanikfabrik Jentzsch & Co in Liegnitz in Niederschlesien in Deutschland [heute: Legnica in Polen], bevor er an den Universitäten München und Giessen Volkswirtschaft, Jus und Musik inskribiert. Er wird 1924 zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften promoviert.
Nach Beendigung seiner Studien tritt Theobald Cieplik als Angestellter in die Musikhausfirma Th. Cieplik G.m.b.H., mit Sitz in Beuthen ein, wo er ein Jahr später zum Geschäftsführer, Mitgesellschafter und Leiter der Konzertdirektion aufsteigt. Aufgrund seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus übersiedelt er 1936 nach Wien, da die nationalsozialistischen deutschen Machthaber ihm einen wirtschaftlichen Verbleib verunmöglichen. In Wien betätigt er sich als selbständiger Konzertagent auf Auslandsturneen und Lektor und Hilfsregisseur der Wiener Kammerspiele.
Am 12. März 1938 muss Theobald Cieplik erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Die deutsche Besatzungsmacht lässt ihn in seinen beruflichen Funktionen. Im März 1942 heiratet er Ernestine 'Erna' Clementine Stefanie Komora, die nach ihrer Ausbildung in Hellerau-Laxenburg [Anm.: Hellerau-Laxenburg war von 1925 bis 1938 eine der weltweit bedeutendsten Schulen für modernen Tanz, Rhythmik und Musikpädagogik.] ab 1935 eine Schule für Gymnastik und Kunsttanz im 4. Wiener Gemeindebezirk betreibt und an der 'Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst' die Fächer Gymnastik und Anatomie unterrichtet. Die Ehe bleibt kinderlos.
Theobald Cieplik wird noch im Jahr seiner Hochzeit, im Jahre 1942, zur Wehrmacht eingezogen, wo er als Obergefreiter dienen muss. Wahrscheinlich Anfang 1944 schließt er sich der 1942 von Karl Gruber gegründeten Gruppe Freies Österreich/Gruppe Karl Gruber an. Ziel dieser überparteilichen, aber eher dem christlichsozialen Lager zurechenbarer Gruppe ist die Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Besetzung und der Wiedererrichtung seiner Eigenstaatlichkeit.
Werden zuerst nur Flugzettel produziert, so erscheint ab dem 15. November 1943, durch Mitglieder der Widerstandsgruppe heimlich im Wiener Vorwärts-Verlag gedruck, die Kampfzeitung ‚Freies Österreich! Blätter für Friede, Freiheit und Fortschritt‘ . In insgesamt sechs Ausgaben wird darin, neben den Forderungen nach der Wiedererrichtung des freien und unabhängigen Österreichs und der Überwerfung des nationalsozialistischen Terrorregimes, von den Kriegsschauplätzen und den Niederlagen deutscher Truppen berichtet.
Im Frühherbst 1944 wird die Gruppe schließlich aufgedeckt und Theobald Cieplik am 2. Oktober 1944 von der Gestapo verhaftet. Zu einer Verhandlung vor dem Volksgerichtshof kommt es aufgrund des Kriegsendes und der Befreiung Wiens jedoch nicht mehr. Beim Herannahen der Roten Armee auf Wien wird er auf einen Marsch in Richtung KZ Dachau gesetzt. Am Weg dorthin wird ihre Route nach Zell am See geändert. Bei Steyr in Oberösterreich werden sie schließlich von der US-Amry am 7. April 1945 befreit.
Bei Steyr erlebt Theobald Cieplik die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 und kehrt anschließend zurück nach Wien. Am 4. Jänner 1946 nimmt er die österreichische Staatsbürgerschaft an. In seinem neuen Heimatland ist er als Künstlerimpresario [Anm: Vorläufer des modernen Künstlermanagers oder Tourneeveranstalters] tätig.
Also Konzertimpresario geht Theobald Cieplik in Pension. Er verstirbt dort mit 85 Jahren und findet seine letzte Ruhestätte in der Feuerhalle in Wien-Simmering.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
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