Hofrat Dr. Eduard Pesendorfer

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 11.03.1938 - 17.06.1938,
KZ Dachau 17.06.1938 - 27.09.1939,
KZ Flossenbürg 27.09.1939 - 02.03.1940,
KZ Dachau 02.03.1940 - 29.12.1942
KZ-Nummer:
Ehrungen:
Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
Ehrenbürgerschaft in ca. 6 bis 7 Gemeinden des Bezirkes Vöklabruck
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Eduard Pesendorfer kommt in Traunkirchen als ehelicher Sohn des Gärtners Alois Pesendorfer und seiner Gattin Antonia, geborene Zimmel, zur Welt. Nach dem Besuch der Volksschule in Traunkirchen wechselt er an das Kollegium Petrinum in Linz. In dieser Zeit tritt er der Marianischen Kongregation bei.
Eduard Pesendorfer matruiert 1925, inskribiert noch im gleichen Jahr Jus an der Universität Wien und tritt der Studentenverbindung Kürnberg bei. 1930 wird er zum Doktor der Rechte promoviert und tritt als Verwaltungsjurist im Dienste des Landes Oberösterreich. 1934 wird er Mitglied der Vaterländsichen Front. Von der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach wird er zur BH Braunau versetzt und von dort zur BH Gmunden, wo er Leiter der Sicherheitsabteilung wird. In dieser Funktion bekämpft er illegale Nationalsozialisten.
Noch in der Nacht der Besetzung Österreichs durch die deutsche Wehrmacht wird er am 11. März 1938 von der Gestapo verhaftet und nach Gmunden in das Polizeigefängnis gebracht, wo er schwer misshandelt wird. Am 17. Juni 1938 wird er ins KZ Dachau deportiert, wo er u.a. als Krankenpfleger eingesetzt ist und sich hohes Ansehen unter den Mitgefangenen erwirbt. Im Konzentrationslager wird ihm in einem Schreiben des Reichsstatthalters an seine Heimatadresse in Traunkirchen die Entlassung aus dem Beamtenstand mitgeteilt. Im KZ lernt er auch P. Josef Kentenich (1885–1968), den Gründer der Schönstattbewegung, kennen. Mit ihm gründet er am 16. Juli 1942 'in einem Schlafsaal, getarnt und geschützt mit Strohsäcken' die Schönstätter Marienbrüder.
Vom KZ Dachau wird er am 27. September 1939 ins KZ Flossenbürg verlegt. Am 2. März 1940 erfolgt die Rückverlegung in das KZ Dachau, wo er bis zum 29. Dezember 1942 verbleiben muss. Versuche seines Bruders eine frühere Entlassung zu erreichen, werden abgelehnt.

Nach nochmaliger Überprüfung der Haftangelegenheit Ihres Bruders Eduard Pesendorfer muss ich Ihnen im Auftrage des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei leider mitteilen, dass trotz eingehender Würdigung Ihrer Familienverhältnisse einer Haftentlassung Ihres Bruders zur Zeit noch nicht nähergetreten werden kann. Wie Sie wissen, ist Ihr Bruder ein fanatischer Gegner des Nationalsozialismus gewesen. Durch sein bisheriges Verhalten im Lager hat er gezeigt, dass er noch nicht das politische Verständnis für das neue Deutschland aufbringt, das heute in der schweren Zeit von jedem Deutschen erwartet werden muss.
Heil Hitler!
Die Entlassung zum Jahreswechsel 1942/43 ist einem Bundesbruder Eduard Pesendorfer zu verdanken, der über einen Freund, der Leibarzt bei Heinrich Himmler ist, diese Enthaftung erreicht. Nachdem Eduard Pesendorfer nach Hause zurückgekehrt ist, versuchen die Nazis, ihn wieder zu diffamieren und ins KZ zurückzubringen. Eduard Pesendorfer entzieht sich aber diesen Versuchen durch die Meldung zur Wehrmacht im Jahre 1943. Er wird an der Ostfront eingesetzt, wo er in russische Kriegsgefangenschaft gerät.
Am Weg heim erlebt Eduard Pesendorfer die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Nach seiner Rückkehr wird er sofort rehabilitiert und tritt wieder seinen Landesdienst an, wo er Bezirkshauptmann zunächst von Vöcklabruck und anschließend von Gmunden wird. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. 1947 heiratet er Irmgard Neubacher und wird in weiterer Folge Vater von acht Kindern. Im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres ist er mit der Gestaltung des KZ-Friedhofs in Ebensee befasst.

Eduard Pesendorfer geht am 1. Jänner 1970 in den Ruhestand und verstirbt fünf Tage nach seinem 70. Geburtstag in Traunkirchen. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Traunkirchen.
Freiheit ist das höchste Gut!
Orte
Verfolgung:
Wohnort:
Quellen
Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 250/251.
Eduard Pesendorfer (Sohn), Privat
