DI Johann 'Hans' Anton Alois Kunath

Personalia

Geboren:

15. Juli 1902, Wien

Gestorben:

13. August 1979, Graz

Beruf:

Architekt

Verfolgung:

Tätigkeitsverbot 11.01.1941

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Johann Anton Alois Kunath, genannt 'Hans', kommt in Wien als ehelicher Sohn des Kaufmanns Johann Kunath und seiner Gattin Aloisia, geborene Capula, zur Welt. Die Familie zieht später nach Graz, wo Hans Kunath nach der Volksschule das Realgymnasium besucht und dort am 11. Juli 1921 maturiert. Am 6. Oktober 1921 inskribiert er an der Technischen Hochschule Graz und schließt diese am 6. Juli 1928 mit der Zweiten Staatsprüfung ab.

Nur wenige Wochen später, am 22. Juli 1928, heiratet der 26-jährige Architektur-Ingenieur in Mariazell die aus Budapest stammende 23-jährige Veronika Aloisia Braun. Veronika Brauns Eltern waren vom jüdischen Glauben zum katholischen Glauben konvertiert, Veronika Braun ausschließlich katholisch erzogen. 1932 kommt der gemeinsame Sohn Peter zur Welt.

In den folgenden Jahren etabliert sich Hanns Kunath als Architekt und Bauingenieur in Wien. Seit 1. Jänner 1937 ist er Gesellschafter-Geschäftsführer der Bauunternehmung Kunath, Schmidt & Metzger. Politisch ist er in dieser Zeit nicht aktiv.

Am 12. März 1938 erlebt Hanns Kunath mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Veronika Kunath als 'Volljüdin’ gilt. Die Ehe mit einem 'Arier' und der gemeinsame Sohn, der als 'Mischling I. Grades' gilt, bewahren sie vor einer späteren Deportation, da sich Hans Kunath weigert sich von ihr scheiden zu lassen.

Bedingt durch die Weigerung sich scheiden zu lassen, muss Hans Kunath am 12. April 1938 aus dem gemeinsamen Unternehmen, der Bauunternehmung Kunath, Schmidt & Metzger ausscheiden. Bis 7. November 1938 ist er arbeitslos und findet danach Anstellung beim Architekturbüro Kurt Klaudy - Georg Lippert. Am 11. Jänner 1941 wird ihm schließlich die Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste entzogen, woraufhin er seine Tätigkeit nicht mehr ausüben kann.

Bei Prüfung der in Ihren persönlichen Verhältnissen begründeten Tatsachen habe ich festgestellt, daß Sie die für die Ausübung des Berufes als Architekt erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzen.

Auf Grund des § 10 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes vom 1.11.33 (RGBl. I, S 797) lehne ich daher sowohl die Aufnahme in meine Kammer als auch die Befreiung von der Zugehörigkeit zu meiner Kammer ab. Sie sind nicht berechtigt, den Beruf als Architekt oder eine andere kammerpflichtige Tätigkeit auszuüben. Zuwiderhandlungen hiergegen werden nach dem § 28 Ziff. 1 aaO. mit Ordnungsstafen geahndet.

Schrieben des Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste vom 1. Jänner 1941

Danach dürfte er teilweise arbeitslos gewesen sein, teilweise in untergeordneten Berufen gearbeitet haben.

Im April bzw. Mai 1945 erlebt Hanns Kunath in Wien die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft kann er seinen Beruf wieder uneingeschränkt ausüben. Nun beginnt die bedeutendste Phase seines architektonischen Schaffens.

Bereits in den ersten Nachkriegsjahren ist Hans Kunath wieder in den österreichischen Berufsorganisationen verankert. Er gehört der Österreichischen Ingenieurkammer an; 1951 wird er Mitglied des Wiener Künstlerhauses. In den folgenden Jahrzehnten zählt Hans Kunath zu jenen Architekten, die insbesondere den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnbau der österreichischen Nachkriegszeit mitgestalten. Für die Stadt Wien plant er mehrere Wohnhausanlagen; darüber hinaus entstehen nach seinen Entwürfen Genossenschaftssiedlungen, Verwaltungsbauten und Sakralbauten in verschiedenen Teilen Österreichs.

Zu seinen frühen bedeutenden Nachkriegsarbeiten gehört die Pfarrkirche Herz Mariae in Leopoldsdorf, die 1950 bis 1952 nach seinen Plänen beziehungsweise gemeinsam mit Josef Horacek errichtet wird. Parallel dazu arbeitet Hans Kunath intensiv für die Gemeinde Wien. Zu seinen Wiener Wohnbauten zählen unter anderem die Anlage Schäffergasse 10–12 aus den Jahren 1950/51, die Wohnhausanlage Krausegasse 14 von 1953/54 sowie das Wohnhaus Feldgasse 19 von 1954/55.

Von 1954 bis 1957 wirkt Hans Kunath gemeinsam mit Viktor Kromp, Robert Zeidner, Otto Kugler und Franz Knobloch am groß dimensionierten Fleminghof in Wien-Ottakring mit. Auch im Verwaltungsbau bleibt Kunath tätig. Zwischen 1960 und 1965 entsteht nach seinen Plänen ein Erweiterungsbau des Amtshauses Grabnergasse in Wien-Mariahilf.

Noch in den 1970er-Jahren ist Hans Kunath als Architekt aktiv. Zu seinen späten Hauptwerken gehört der Rosa-Albach-Retty-Hof in der Billrothstraße 42–48 in Wien-Döbling, der von 1973 bis 1975 errichtet wird.

Hanns Kunath stirbt mit 75 Jahren in Graz.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Archiv der Technischen Universität Graz

Matricula Online

Wien.Geschichte.Wiki unter www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hanns_Kunath

Wiener Wohnen: biographische und baugeschichtliche Angaben zu Hanns Kunath und seinen Wiener Wohnhausanlagen

Erzdiözese Wien: Pfarrkirche Herz Mariae, Leopoldsdorf

www.myheritage.com

Johann 'Hans' Kunath

Architekt
* 15. Juli 1902
Wien
† 13. August 1979
Graz
Tätigkeitsverbot