Marie Wilhelmine Aloisia Koch (geb. Billig)
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 30.04.1938 - 11.05.1938,
Haft 21.06.1939 - 29.06.1939,
Haft 20.07.1942 - 08.03.1943
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Marie Wilhelmine Aloisia Billig kommt in Tarnau in Galizien [heute: Tarnów in Polen] als eheliche Tochter des k.u.k. Majors Johann Billig und seiner Gattin Veronika zur Welt. Über ihre Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben.
Ab 1914 befindet sich Marie Billig in Wien und arbeitet als Fremdsprachenkorrespondentin bei der Firma Stein. Dem Nationalsozialismus steht sie von Anfang an kritisch gegenüber. 1937 verliert sie ihre Anstellung. Danach ist sie arbeitslos bzw. arbeitet als Kassiererin.
Am 12. März 1938 erlebt Marie Billig mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Aufgrund ihrer Gegnerschaft zum Nationalsozialismus wird sie von 30. April 1938 bis 11. Mai 1938 in Schutzhaft genommen.
Nach ihrer Entlassung flieht Marie Billig im Mai 1938 in die Tschechoslowakei. Dort lebt sie bei ihrem Verlobten Miroslav Skřivánek, der zunächst vollständig für ihren Lebensunterhalt aufkommt. Ab 1939 ist sie in verschiedenen Verwaltungsstellen im Raum Prag, als Dolmetscherin und Kassierin beschäftigt. Zwischen 21. Juni 1939 und 29. Juni 1939 ist sie abermals in Gestapo-Haft. Ein genauer Grund ist nicht erhalten. Im Herbst 1940 wird sie wegen ihres Verlobten als 'politisch unzuverlässig' entlassen. Rund einen Monat später findet sie eine Anstellung bei einer deutschen Krankenkasse; ab 1. April 1941 arbeitet sie bei einem Bodenamt im Raum Prag.
Im Jahr 1942 lebt Marie Billig in Kolin [heute: Kolín] auf dem dortigen Truppenübungsplatz in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrem Verlobten, dem landwirtschaftlichen Verwalter Miroslav Skřivánek.
Am 20. Juli 1942 werden beide verhaftet. Die Anklageschrift der deutschen Staatsanwaltschaft in Prag wirft ihnen Äußerungen vor, die geeignet seien, das Vertrauen in die nationalsozialistische Staatsführung und die NSDAP zu untergraben. Marie Billig soll unter anderem von deutschen Soldaten gesprochen haben, die nicht an der Ostfront kämpfen wollten, und Zweifel am tatsächlichen Bündnis zwischen dem Deutschen Reich und Italien geäußert haben. Die Staatsanwaltschaft klagt sie nach § 2 des sogenannten Heimtückegesetzes an.
Marie Billig befindet sich zunächst im Gerichtsgefängnis Pilsen und anschließend in der Untersuchungsstrafanstalt Prag-Pankrác. Dort bringt sie in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1942 im sechsten Schwangerschaftsmonat vorzeitig ein Kind zur Welt. Sie nimmt selbst eine Nottaufe vor. Das Kind stirbt wenige Stunden nach der Geburt. Marie Billig erhält weder eine Geburts- noch eine Sterbeurkunde und erfährt auch nichts über den Verbleib des Leichnams. Während der Haft verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand erheblich; eine angemessene Behandlung ihrer Ischias- und Nervenschmerzen ist nach ihren Angaben nicht möglich.
Am 8. März 1943 wird Marie Billig aus Prag-Pankrác entlassen. Am 12. Mai 1943 spricht sie das Sondergericht beim Deutschen Landgericht in Prag frei. Der Freispruch erfolgt allerdings ausdrücklich nur 'mangels Beweises'. Ihr Verlobter verstirbt acht Tage nach ihrer Haftentlassung. Sie zieht im Anschluss nach Pribram [heute: Příbram].
Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 kehrt Marie Billig am 30. Mai 1945 aus Pribram nach Wien zurück. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
In Wien arbeitet Marie Billig im Haushalt. Am 2. Juni 1952 heiratet sie den pensionierten Bundesbahninspektor Ferdinand Koch. Sie verstirbt etwas mehr als ein Jahr nach ihrem Ehemann, am 30. Oktober 1964, mit 72 Jahren, in Graz.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Schematismus für das k.u.k. Heer und für die k. u. k. Kriegs-Marine 1899 unter library.hungaricana.hu/hu/view/KriegsMarine_1899/?pg=949&utm_source=chatgpt.com&layout=s
