Dr. Georg Krasser

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 1940 (14 Tage),
Haft 23.08.1944 - 26.08.1944,
in Abwesenheit zum Tode verurteilt 06.05.1945
Ehrungen:
Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Georg Krasser kommt in Wien als ehelicher Sohn des Rechtsanwalts Emil Krasser und seiner Gattin Friederike, geborene Wild, zur Welt. Er ist ein Neffe von Robert Krasser. Nach der Volksschule besucht er von 1928 bis 1934 das Stiftsgymnasium Admont und im Anschluss das Staatsgymnasium Hietzing. 1934 wird er Mitglied der Mittelschulverbindung Borussia Wien. 1937 maturiert er, tritt aber wieder aus der Mittelschulverbindung Borussia Wien aus. Im Anschluss inskribiert er Jus an der Universität Wien. Im gleichen Jahr tritt der der Studentenverbindung Norica bei. Zwischen 1938 und 1939 ist er Sachbearbeiter der Devisenstelle Wien.
Im September 1939 wird er zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Bei einem Heimaturlaub erzählt er an seiner alten Dienststelle von den Vorbereitungen der Frankreich-Offensive. Er wird anonym angezeigt, aber nur kurz in Haft gehalten.
Bei meinem ersten Urlaub vor Beginn der Offensive gegen Frankreich besuchte ich auch meine damalige Dienststelle (Devisenstelle Wien) und berichtete meinem Zimmerkollegen über unsere Vorbereitungen. Dabei wurde ich von einem unbemerkten Dritten belauscht, der mich bei der Stadtkommandantur Wien anzeigte. Diese gab die Anzeige wegen Wehrkraftzersetzung an meine zuständige 2. Panzerdivision an der Grenze zu Belgien weiter. Der Divisionskommandeur – offenbar kein Nazi – nahm die Sache nicht zu ernst und hielt einen 14-tägigen Arrest für ausreichend.
Im Dezember 1939 und im Jänner 1940 folgen aber neuerlich Einvernahmen durch die Gestapo, weil er sich 'in einer solchen Weise über das Attentat auf den Führer [verübt am 8. November 1939 durch Georg Elsner (9. April 1945 hingerichtet)] geäußert [hatte], als ob er schon vorher davon Kenntnis gehabt hätte.'
Er findet dann militärische Verwendung in Belgien, Frankreich, Griechenland und an der deutschen Ostfront, wo er an Ruhr erkrankt. Im November 1941 heiratet er Gertrude Wastl und wird in weiterer Folge Vater eines Sohnes und zweier Töchter. Nach einem Lazarettaufenthalt wird Unteroffizier Georg Krasser Ende 1941 zur Artillerie-Ersatz- und Ausbildungsabteilung 109 nach Brünn versetzt. Hier sorgt sein Cousin Oberleutnant Hans Janauschek dafür, dass er in der Etappe bleiben kann, nachdem ihn die Ärzte Franz Ritschl und Albert Rheinberger als untauglich für den weiteren Frontdienst begutachtet haben. Hans Janauschek ist der Adjutant des Abteilungskommandeurs Hauptmann Viktor Estermann, ab 15. Dezember 1943 erster aus Österreich kommender Kommandant dieser Einheit. Georg Krasser tritt Ende Jänner/Anfang Februar 1942 in Brünn seinen Dienst als Ilb des Stabes, Sachbearbeiter für Unteroffiziere und Mannschaften, an. Hier bildet er mit seinem Cousin und Franz Derndorfer eine Widerstandsgruppe, der sich Fritz Kuso (wegen einer weiteren Versetzung nur für kurze Zeit), Josef Janauschek (der im Juli 1944 nach Brünn gekommen sein dürfte und im Dezember 1944 nicht mehr bei dieser Einheit gewesen ist) und weitere Nicht-ÖCVer angeschlossen haben. Diese Gruppe steht auch in Verbindung mit weiteren militärischen Widerständlern und zivilen Widerstandsgruppen.
Nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wird Georg Krasser im Zuge einer Verhaftungsaktion am 23. August 1944 um 6 Uhr früh erneut verhaftet und bleibt drei Tage, bis 26. August 1944, in Haft. Es findet auch eine neuerliche Hausdurchsuchung seiner Wohnung statt. Im Dezember 1944 wird die Einheit nach Amstetten (NÖ) verlegt. (Diese Verlegung könnte im Zusammenhang mit Planungen des Österreichischen militärischen Widerstandes gestanden sein, bei Einsatz sowjetischer Luftlandetruppen im Großraum von Wien die Stadt durch Wehrmachtseinheiten zu besetzen, die aus Österreichern bestanden und sich dem militärischen Widerstand angeschlossen haben.)
In Amstetten schließen sich auch Edwin Stemberger und ein Leutnant Moritz Edlinger (oder Franz Edlinger) dieser Truppeneinheit an. Am 5. Mai 1945 trifft ein Befehl der übergeordneten militärischen Stelle ein, zur Abwehr eines Angriffs sowjetischer Truppen an das Westufer der Erlauf zu rücken. Georg Krasser schlägt daraufhin Hauptmann Estermann vor, diesen Befehl nicht zu befolgen, sondern die Einheit in das Schloss Hollenstein zu verlegen.
Estermann, ein Berufsoffizier, war entsetzt, begriff aber die Notwendigkeit meines Verlangens. Und erklärte überraschend, dass ich dann die Verantwortung hierfür übernehmen müsse, wozu er mir (Unteroffizier) das Kommando übertrug.
Noch vor dem Abmarsch nach Hollenstein befreit Georg Krasser mit 20-30 Mann seinen Kameraden Wachtmeister Hanel, der in einem Militärarrest in Markt Ardagger (NÖ) einsitzt.
In Groß Hollenstein eingetroffen [6.5.1945], begegneten wir der rückflutenden Spitze der Heeresgruppe Süd. Auf der Ybbsbrücke stand ich plötzlich dem Generalfeldmarschall Rendulic gegenüber, erklärte diesen kurzerhand für verhaftet und forderte ihn auf, mir seine Waffen zu übergeben und ins Rothschildschloss [in Hollenstein] zu folgen.
Nachdem Hauptmann Estermann Generalmajor Lothar Rendulic – ab April 1945 Befehlshaber der Heeresgruppe Süd/Ostmark – wieder in Freiheit gesetzt hat, kommt es zu einem einstündigen Schusswechsel, der einen Toten fordert.
Vermutlich die Geheime Feldgendarmerie 177 verurteilt Estermann, Derndorfer, Janauschek, Krasser und zwei Zivilisten desörtlichen Widerstandes in Abwesenheit zum Tode. Das Urteil wird durch das Amtsgericht Amstetten an der Amtstafel kundgemacht. Der größte Teil der Art. Ers. Abt. 109 setzt sich nach Oberösterreich und in die Steiermark ab. Ca. 300 Mann geraten in sowjetische Gefangenschaft.
Georg Krasser kann aus der Gefangenschaft fliehen und ersucht in Wien Leopold Figl um Intervention bei den Sowjets, um eine Befreiung seiner Kameraden aus der Gefangenschaft zu erreichen, was jedoch misslingt.
In Hollenstein an der Ybbs erlebt Georg Krasser die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er beendet 1947 sein Jusstudium mit der Promotion zum Doktor der Rechte und wird Rechtsanwalt. Georg Krasser tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
In den 1950ern und 1960ern ist Georg Krasser Bezirksparteiobmann der ÖVP Wien-Währing. 1958 wird er Mitglied der Mittelschulverbindung Thuiskonia Wien.
Georg Krasser geht 2002 in Pension und verstirbt mit 95 Jahren in Wien. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Pötzleinsdorf.
Seine Tochter Elisabeth Roth ist zwischen 1998 und 2003 Landtagsabgeordnete, zwischen 2003 und 2008 Bundesrätin sowie Bürgermeisterin von Maria Lanzendorf von 2000 bis 2009.
Sein Enkel Stephan Roth ist ein bekannter Historiker und u.a. Mitarbeiter im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW).
Orte
Wohnort:
Quellen
- Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien), S. 182–184.
Wiener Stadt- und Landesarchiv (DÖW)
Stephan Roth, Privat
