Friederike Maria Unger (geb. Birker)

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 24.10.1944 - 06.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Friederike Marie Birker kommt in Wien als eheliche Tochter des Angestellten Albert Birker und seiner Gattin Friederike Hermine, geborene Wirbel, zur Welt. Ihre Eltern waren vom katholischen zum evangelischen Glauben A.B. konvertiert. Friederike Birker wird evangelisch erzogen.
Über ihre Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben. Am 12. Oktober 1922 heiratet sie den Angestellten Rudolf Unger. Die Ehe bleibt kinderlos und wird 1929 geschieden.
Nach dem Ende ihrer Ehe lebt sie mit dem verwitweten Kaufmann Otto Kessler, dessen Eltern vom jüdischen zum katholischen Glauben konvertiert waren, zusammen. Er bringt zwei Töchter in die Lebensgemeinschaft ein. Die ältere Tochter bezeichnet Friederike Unger später ausdrücklich als ihre 'Ziehmutter'.
Am 12. März 1938 erlebt Friederike Unger mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Otto Kessler als 'Volljude’ gilt.
Ab 1942 versteckt Friederike Unger ihren Lebensgefährten Otto Kessler in ihrer Wohnung um ihn vor einer Deportation zu schützen; im Melderegister wird Kessler am 14. Mai 1942 nach 'unbekannt' abgemeldet.

Beide schließen sich 'Freies Österreich/Gruppe Karl Gruber' an, einer 1942 vom Schriftsteller Karl Gruber gegründeten Wiener Widerstandsgruppe. Die überparteiliche, eher christlichsozial geprägte Bewegung strebt die Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft und die Wiederherstellung eines unabhängigen Österreichs an. Zunächst verbreitet sie Flugzettel. Ab dem 15. November 1943 erscheint heimlich im Vorwärts-Verlag die Zeitung 'Freies Österreich! Blätter für Friede, Freiheit und Fortschritt'. Ihre sechs Ausgaben werben für die österreichische Unabhängigkeit, wenden sich gegen das NS-Regime und berichten über deutsche Kriegsniederlagen. Die Gruppe trifft sich in der Stuckgasse 6 in Wien-Neubau. Im Frühherbst 1944 wird sie aufgedeckt; zahlreiche Mitglieder werden verhaftet.

Otto Kessler gehört der Gruppe seit dem 15. Mai 1943 an und arbeitet an ihrer illegalen Zeitung mit. Friederike Unger ist wahrscheinlich um die gleiche Zeit der Widerstandsgruppe beigetreten sein.
Am 24. Oktober 1944 werden Friederike Unger und Otto Kessler gemeinsam verhaftet. Neben dem Verdacht der 'Vorbereitung zum Hochverrat' wird Friederike Unger wegen der Beziehung zu ihrem verfolgten Lebensgefährten die nationalsozialistische Anschuldigung der 'Rassenschande' zur Last gelegt.
In ihrer Haft wird Friederike Unger schwer misshandelt. So werden ihr die Zähne des Oberkiefers ausgeschlagen. Außerdem erkrankt sie an Angina und einer Lungenentzündung. Am 6. April 1945 erlangt sie, im Rahmen der Schlacht um Wien, ihre Freiheit.
In Wien erlebt Friederike Unger im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Otto Kessler, der am 16. Februar 1945 in das KZ Mauthausen deportiert wurde, starb dort bereits am 25. April 1945.
Friederike Ungers letzten Lebensjahre sind von schwerer Krankheit und materieller Not geprägt. Am 30. November 1951 verurteilt sie das Landesgericht für Strafsachen Wien wegen der Veruntreuung eines ihr 1942 anvertrauten Ringes zu sechs Monaten schweren Kerkers. In der Darstellung des Passierten gibt es sehr unterschiedliche Sachverhalte. Im Jahr 1952 wird ihr wegen einer Krebserkrankung Strafaufschub gewährt. Sie verstirbt am 3. März 1954 im Alter von 58 Jahren in Wien.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Arolsen Archives
Matricula Online
