Sofia Gruber (geb. Selinger)

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
KZ Maly Trostinez 09.06.1942 - 15.06.1942,
Ermordet am 15.06.1942
Lebenslauf
Sofia Selinger, auch Zelingher geschrieben, kommt in Wien als eheliche Tochter des Herman Selinger und seiner Gattin Jetti, geborene Schwarz auch Sfarti, zur Welt. Über die Kindheit und Jugend, der aus jüdischen Elternhaus stammenden Sofia Selinger, ist nicht erhalten. Sie arbeitet später im Kaufhaus A. Gerngross AG in Wien als Buchhalterin.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg im November 1918 heiratet sie am 18. September 1921 im Tempel der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Friedrich 'Fritz' Gruber ist Bankangestellter, muss jedoch bald krankheitsbedingt, unter anderem aufgrund einer Herzschwäche, in Frühpension gehen. Da er nur eine kleine Invalidenrente erhält, trägt sie mit ihrem Verdienst wesentlich zum Unterhalt der Familie bei. 1922 kommt ihr Sohn Siegfried Gruber zur Welt. Politisch ist Sofia Gruber in den 1920ern und 1930ern nicht aktiv.
Am 12. März 1938 erlebt Sofia Gruber mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen sie als 'Vollüdin’ gilt. Sie wird öffentlich gedemütigt und beispielsweise zum Straßenreinigen gezwungen. Das nationalsozialistische Novemberprogrom 1938 erlebt sie hautnahe.
Auch vom Pogrom des 11. November 38 waren wir nicht verschont geblieben. Zwei Zivilisten mit Hakenkreuz Armbinden drangen ein und raubten Geld und Juwelen. Glücklicherweise war mein Vater zum Zeitpunkt nicht zu Hause. Wie ich 1946 ausfindig machen konnte, wurde der Rädelsführer von der Roten Armee verhaftet und hat sich im Arrest in der Pappenheimgasse erhängt. Der Zweite, ein entfernter Verwandter eines Schulkollegen Namens Baloun, konnte nicht ausfindig gemacht werden.
Ihr Sohn, dem ein weiterer Schulbesuch untersagt wurde, schafft es, am 16. Dezember 1938 mit einem Kindertransport nach England zu flüchten. Ihr Ehemann Friedrich stirbt am 21. April 1939 in Wien. Sie ist bis März 1940 in Briefkontakt mit ihrem Sohn.
In Wien arbeitet Sofia Gruber inzwischen als Krankenschwester im Rothschild-Spital. Am 9. März 1942 muss sie in eine Sammelwohnung im 2. Wiener Gemeindebezirk übersiedeln. Von dort erfolgt ihre Deportation am 9. Juni 1942 in das KZ Maly Trostinez, wo sie am 15. Juni 1942, unmittelbar nach ihrer Ankunft, ermordet wird.
Ihr Sohn tritt später in die Britische Armee ein und beteiligt sich an der Niederschlagung des Nationalsozialismus. Er verstirbt 2014 in Wien.
Orte
Wohnort:
Sterbeort:
Ehrung:
Quellen
Wiener Stadt- und Landearchiv (WStLA)
Ben David-Hindler, Elisabeth/Jindrich, Karl/Steiner, Vally/ Fitzka, Ernst/Hindler, Daliah/Hindler, Zahava (2019): Weg der Erinnerung durch die Brigittenau (Wien)
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