General Carl August Vaugoin

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Carl Vaugion
Bild: ÖVfStG

Personalia

Geboren:

8. Juli 1873, Wien

Gestorben:

10. Juni 1949, Krems

Beruf:

Bundeskanzler und Bundesminister

Verfolgung:

Haft 28.03.1938 - 09.08.1939,
Enteignung 1939,
Gauverbot 1940 - 1943

Mitgliedschaften

K.Ö.H.V. Pannonia Wien, K.Ö.St.V. Rudolfina Wien, K.Ö.St.V. Liechtenstein Wien

Lebenslauf

Carl August Vaugoin kommt in Wien als ehelicher Sohn des Silberschmiedes und späteren Wiener Stadtrates Carl Vaugoin und seiner Gattin Ida Ana, geborene Litschke, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er zunächst das Gymnasium in Kremsmünster und wechselt dann auf das Amerlinggymnasium im 6. Wiener Gemeindebezirk, wo er 1892 maturiert. Er absolviert das Einjährig-Freiwilligenjahr, um 1894 die Laufbahn als Berufsoffizier einzuschlagen. 1895 heiratet er Eugenie Litschke und wird in weiter Folge Vater zweier Kinder.

Da Carl Vaugoin aber als für den Truppendienst untauglich befunden und 1899 außer Dienst gestellt wird, tritt er als Beamter in den Dienst der NÖ Landesregierung und ist dort im Rechnungsdienst tätig. Stark durch die Persönlichkeit Karl Luegers beeinflusst, tritt Carl Vaugoin 1898 der Christlichsozialen Partei (CSP) bei und wird bald Bezirksparteiobmann-Stellvertreter in Wien-Hietzing. Bereits 1912 wird er schließlich in den Wiener Gemeinderat gewählt. Dieses Mandat hat er bis 1920 inne.

Während des Ersten Weltkriegs wird Carl Vaugoin als Offizier reaktiviert; er leitet 1915/16 die Einjährigen-Freiwilligenschule in Wien, ab April 1916 kommandiert er Etappen-Trainwerkstätten und scheidet nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg im Rang eines Rittmeisters aus dem Militärdienst aus.

Vom Wiener Gemeinderat wird Carl Vaugoin als Stadtrat nominiert und leitet die Personalangelegenheiten der Stadt. Bei den Gemeinderatswahlen vom 4. Mai 1919 wird er erneut in den Gemeinderat gewählt und hält die Position bis zum 13. November 1923. Carl Vaugoin kandidiert auch bei den ersten Wahlen zum österreichischen Nationalrat am 17. Oktober 1920. Er wird gewählt und gehört dem Nationalrat als Abgeordneter bis zum 20. September 1933 mit der kurzen Unterbrechung von etwas mehr als zwei Monaten an. 1926 wird der christlichsoziale Politiker Ehrenmitglied bei der Studentenverbindung Rudolfina und im selben Jahr auch bei der Mittelschulverbindung Liechtenstein Wien. 1927 verstirbt seine Ehefrau. 1928 heiratet er die Witwe Pauline Aloisia Stölzle, geborene Loob; die Ehe bleibt kinderlos.

Da Carl Vaugoin einer der wenigen Mandatare der Christlichsozialen Partei (CSP) ist, der militärische Kompetenz hat, wird er am 28. April 1921 mit dem Amt des Bundesministers für Heerwesen betraut und übt dieses bis zum 7. Oktober desselben Jahres aus. Als der Parteiobmann der Christlichsozialen Partei (CSP), Prälat Ignaz Seipel, am 31. Mai 1922 die Leitung der Österreichischen Bundesregierung übernimmt, beruft er Carl Vaugoin erneut in die Funktion des Ministers für Heerwesens, welches er über alle Regierungswechsel und Koalitionsvarianten der Ersten Republik bis zum 21. September 1933 innehat. Die Hauptaufgabe Vaugoins ist die Schaffung eines Berufsheeres im Sinne des Vertrags von Saint Germain mit geringen finanziellen Spielräumen, vorgegeben durch die ungünstige wirtschaftliche Lage des Staates. Außerdem muss er versuchen, den Einfluss der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) [heute: Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ)] zurückzudrängen, was er tatsächlich unter dem Schlagwort 'Entpolitisierung' Schritt für Schritt durchführt. Die dadurch gleichzeitig erfolgte Stärkung des christlichsozialen Einflusses auf die Gestaltung des Heeres liegt durchaus im Sinne der rasch wechselnden Regierungen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Vom 26. September 1929 bis zum 30. September 1930 fungiert Carl Vaugoin in der Regierung Johannes Schober III als Vizekanzler. Die Spannungen zwischen den Parteien verschärfen sich, der Heimatschutz einerseits und der sozialdemokratische Schutzbund geraten immer öfter gewalttätig aneinander. Der Großdeutsche Bundeskanzler Johannes Schober tritt zurück und Carl Vaugoin bildet ein Minderheitskabinett, in dem auch Vertreter des Heimatschutzes eingebunden sind. Bundespräsident Wilhelm Miklas löst den Nationalrat auf und schreibt Neuwahlen für den 9. November 1930 aus. Die Christlichsoziale Partei (CSP) verliert sieben Mandate, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) wird stärkste Partei im Nationalrat. Eine Koalition zwischen den Großdeutschen, den Christlichsozialen und dem Landbund ist die Folge, allerdings unter dem Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender. Carl Vaugoin ist in dieser Regierung neuerlich als Heeresminister vertreten.

Der führende Kopf der Christlichsozialen Partei (CSP) Ignaz Seipel ist durch die scharfe Auseinandersetzung mit den Sozialdemokraten und durch Krankheiten sowie den Folgen des Attentats ebenso geschwächt, wie auch seine Stellung als Geistlicher und Politiker immer wieder Anlass zu Klagen gibt; so kann und will er seine Funktion als Parteiobmann nicht mehr voll ausfüllen. Carl Vaugoin wird von allen Flügeln der Christlichsozialen Partei (CSP) geschätzt, und so erfolgt am 9. Mai 1930 seine Wahl zum Parteiobmann der Christlichsozialen Partei (CSP). Am 1. November 1933 lässt er sich als Parteiobmann beurlauben und scheidet am 26. Jänner 1934 endgültig aus dieser Funktion aus.

Aus seinen Erfahrungen mit dem Heimatschutz zieht Carl Vaugoin den Schluss, dass mit diesem keine Regierungspolitik gemacht werden kann. Den autoritären Kurs des neuen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß (ab 20. Mai 1932) trägt er kurzzeitig mit, da er diesen als einzigen Weg gegen eine Machtübernahme der Sozialdemokraten und deren geforderte 'Diktatur des Proletariats' sieht. Allerdings stellt er sich bald gegen die Pläne in Richtung einer Verfassungsänderung und die Zurückdrängung der Parteien, wovon auch die Christlichsoziale Partei (CSP) betroffen wäre. Im Herbst 1933 spitzt sich der Konflikt zu, und Engelbert Dollfuß entlässt Carl Vaugoin am 21. September 1933 als Heeresminister. Als 'Trostpflaster' wird er tags darauf in den Rang eines Generals der Infanterie befördert. Im gleichen Jahr wird er Ehrenmitglied der Studentenverbindung Pannonia.

Gleichzeitig mit dem Ausscheiden aus der Regierung legt Carl Vaugoin sein Nationalratsmandat zurück und stellt am 1. November 1933 seine Funktion als Obmann der Christlichsozialen Partei (CSP) ruhend, um diese Funktion endgültig am 26. Jänner 1934 an Emmerich Czermak zu übergeben. Weitere öffentliche Positionen übernimmt Carl Vaugoin bei den Österreichischen Bundesbahnen und später in der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix, ebenso in der Hirtenberger Patronenfabrik und der Sprengstofffabrik Blumau.

Mit Inkrafttreten der neuen Verfassung wird Carl Vaugoin am 1. November 1934 in den Staatsrat bestellt und am 27. November 1934 zum Mitglied des neu geschaffenen Bundesrates gewählt. Nach Bekanntwerden des 'Phönix-Skandals' tritt er sofort von allen Funktionen zurück und kehrt in keine dieser Funktionen wieder zurück, obwohl ihm auch gerichtlich die Unschuld an den Geschehnissen bestätigt wird.

Als der Cartellverband (CV) nach der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Jänner 1933 in Deutschland immer mehr von den Nationalsozialisten unterwandert wird, kommt es am 8. Mai 1933 zum Antrag der Rheno-Palatia Breslau, der den Ausschluss von Engelbert Dollfuß und Carl Vaugoin aus dem Cartellverband (CV) fordert. Das hat unter anderem zur Folge, dass sich alle Österreichischen Verbände und Verbindungen sich hinter die beide Exponenten stellen und löst schließlich die 'Abschaltung' (Abspaltung) der Österreichischen Verbindungen vom großen gemeinsamen Cartellverband (CV) und die Gründung des Österreichischen Cartellverband (ÖCV) aus. Der Österreichischen Cartellverband (ÖCV) wird bewußt als Kampfverband gegen den Nationalsozialismus gegründet.

Am 12. März 1938 erlebt Carl Vaugoin, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Bei seiner Rückkehr aus Italien am 28. März 1938 wird er verhaftet und im Polizeigefangenenhaus in Wien inhaftiert. 1939 wird zunächst sein Vermögen beschlagnahmt und anschließend wird ihm sein Ruhegenuss aberkannt. Aus Gesundheitsgründen wird er am 9. August 1939 aus der Haft entlassen. 1940 muss er seinen Aufenthalt in Bayern nehmen, 1942 wird ihm Bad Blankenburg in Thüringen als Zwangsaufenthalt zugewiesen. Ab 1943 kann er nach Niederösterreich zurückkehren und lebt dann im 'Ausweichspital' Litschau.

In Litschau erlebt er die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Die letzten Lebensmonate verbringt er – nach einer Krankheit gelähmt – im Stift Dürnstein in Niederösterreich. Er verstirbt mit 75 Jahren im Krankenhaus in Krems an der Donau und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hietzing.

Orte

Wohnort:

Quellen

Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 371/372.

Karl von Vogelsang Institut unter www.vogelsanginstitut.at/at/?page_id=3945

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Carl Vaugoin

Bundeskanzler und Bundesminister
* 8. Juli 1873
Wien
† 10. Juni 1949
Krems
Gauverbot, Haft