Dr. Johann Huldreich Měřička

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 13.11.1942 - 19.07.1943,
KZ Flossenbürg 19.07.1943 - 19.04.1945
KZ-Nummer:
Lebenslauf
Johann Huldreich Měřička kommt in Wien als ehelicher Sohn des Postbeamten Josef Měřička und seiner Gattin Aloisia, geborene Karin, zur Welt. Nach dem Besuch der Volksschule geht er auf das k.k. Staatsgymnasium im 3. Wiener Gemeindebezirk [heute: Gymnasium Kundmanngasse], wo er 1911 maturiert. Noch im gleichen Jahr inskribiert er Jus an der Universität Wien. Wahrscheinlich wird er nach dem Ausbruch des I. Weltkrieges zur Armee eingezogen.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg, kehrt Johann Měřička nach Wien zurück und wird am 20. Oktober 1919 zum Doktor der Rechte promoviert. Im Anschluss absolviert er seine Gerichtspraxis. Er heiratet Olga Mastny am 1. Mai 1921 und wird am 19. Juni 1923 als Rechtsanwalt eingetragen. Im gleichen Jahr kommt sein Sohn zur Welt. Seine Kanzlei befindet sich in der Annagasse 10, im 1. Wiener Gemeindebezirk.
Politisch schein Johann Měřička in den 1920er und 1930er Jahren nicht aktiv gewesen zu sein, er ist aber Rechtsberater der tschechischen Gesandtschaft in Wien.
Am 12. März 1938 erlebt Johann Měřička wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht und am 1. Oktober 1938 den Einmarsch in das sogenannte 'Sudetenland'. Über die Tschechische Botschaft in Wien bringt er Schmuck und weitere Wertgegenstände verfolgter Juden und Tschechen ins Ausland. Nach der Besetzung der sogenannten 'Rest-Tschechei' am 15. März 1939 wird diese am 16. März 1939 annektiert und zum 'Reichsprotektorat Böhmen und Mähren' erklärt. Johann Měřička schleust weiterhin Vermögensgegenstände ins Ausland.
Zwischenzeitlich ging Johann Měřička eine Beziehung mit Herta Mayer ein. Der gemeinsame außereheliche Sohn kommt am 1. Juni 1939 zur Welt. Die Ehe mit Olga Měřička wird 19. September 1942 geschieden.
Am 13. November 1942 wird Johann Měřička von der Gestapo verhaftet, da seine Hilfe für verfolgte Juden und Tschechen der Gestapo bekannt wurde. Am 19. Juli 1943 wird er in das KZ Flossenbürg deportiert. Als die Rote Armee näherrückt, wird das KZ Flossenbürg geräumt und Johann Měřička wahrscheinlich am 19. April 1945 auf einen Todesmarsch in Richtung des KZ Mauthausen geschickt.
Am Weg dorthin wird er befreit und zieht, gesundheitlich sehr gezeichnet von den Strapazen, zu seinem Bruder nach Kuttenberg [heute: Kutná Hora in Tschechien]. Dort erlebt er die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945.
Seine, durch die Haft im Konzentrationslager angeschlagene Gesundheit verschlechtert sich stark. Er verstirbt in Kuttenberg am 15. Juni 1946 mit 54 Jahren.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Sauer, Barbara/Reiter-Zatloukal Ilse (2022): Advokaten 1938. The fate of lawyers a trainees registered with the Austrian Regional Bar Associations who were barred from practicing in the legal profession from 1938 to 1945. 2. Auflage (Wien) S. 423.
Archiv der Universität Wien
Arolsen Archives
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