Gottfried Alois Maria Kremer

Personalia

Geboren:

21. Juni 1892, Graz

Gestorben:

16. Juli 1967, Wien

Beruf:

Druckereiangestellter und Beamter

Verfolgung:

Haft 10.08.1938 - 10.11.1938,
Entlassung 11.08.1938

Ehrungen:

Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Gottfried Alois Maria Kremer kommt in Graz als ehelicher Sohn des Schriftsetzers Josef Kremer und seiner Gattin Katharina, geborene Reisch, zur Welt. Er besucht zunächst die Volksschule, anschließend vier Klassen Bürgerschule und danach drei Jahrgänge einer Lehrerbildungsanstalt in Graz.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet sich Gottfried Kremer 1914 als Kriegsfreiwilliger. Er steht bis 1918 im militärischen Dienst und avanciert dort bis zum Leutnant.

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg heiratet Gottfried Kremer Melanie Pavišek und arbeitet als Druckereiangestellter. Er steigt zum Direktor der Druck- und Verlagsgesellschaft Heinrich Stiasny in Graz auf. Nach dem Konkurs des Unternehmens ist er zeitweise arbeitslos.

Politisch engagiert sich Gottfried Kremer im Freiheitsbund, ein im Jahr 1927 in Wien gegründeter christlich-sozialer Wehrverband der Arbeitnehmerschaft. Darüber hinaus ist er im Schutzkorps aktiv, wo er Adjutant des Stadtkommandanten von Graz, Oberleutnant Artur Hardt und Bahnhofkommandant von Leoben ist. Im Rahmen des Nationalsozialistischen Putschversuchs vom Juli 1934, bei dem Bundeskanzler Engelbert Dollfuss ermordet wird, gehört Gottfried Kremer zu den regierungstreuen Formationen, die gemeinsam mit Bundesheer und Gendarmerie gegen den nationalsozialistischen Putsch vorgehen. Sowohl im Raum Leoben als auch im Raum Graz kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Am 5. April 1937 tritt Kremer in den Dienst der Krankenkasse für Gehilfen und Lehrlinge der Wiener Gast- und Schankgewerbezunft und zieht dafür mit seiner Ehefrau nach Wien. Auch dort ist er überzeugter Gegner des Nationalsozialismus.

Am 12. März 1938 erlebt Gottfried Kremer mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Der ehemalige Freiheitsbund-Angehörige und Schutzkorpsfunktionär, der 1934 aktiv gegen den nationalsozialistischen Putsch eingesetzt worden war, wird am 10. August 1938 von der Gestapo verhaftet und am 11. August 1938 fristlos entlassen. Er kommt am 10. November 1938 aus der Haft frei.

Nach seiner Freilassung arbeitet Gottfried Kremer zunächst als Hilfsarbeiter und später als Kanzleikraft bei der Deutschen Lufthansa am Flugplatz Aspern.

In Wien erlebt Gottfried Kremer im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Am 1. Oktober 1945 wird er vom Rechtsnachfolger seiner früheren Krankenkasse, der Wiener Gebietskrankenkasse für Arbeiter und Angestellte, wieder eingestellt. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. 1950 geht seine Ehe in Brüche.

Als Beamter der Wiener Gebietskrankenkasse für Arbeiter und Angestellte geht Gottfried Kremer in Ruhestand und verstirbt mit 75 Jahren in Wien.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Grazer Volksblatt vom 25. Juli 1935

Gerhard Pferschy, „Das Jahr 1934 in der Steiermark“, in: Blätter für Heimatkunde / Historischer Verein für Steiermark; zur Niederschlagung des Juliputsches und den beteiligten regierungstreuen Formationen.

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Gottfried Kremer

Druckereiangestellter und Beamter
* 21. Juni 1892
Graz
† 16. Juli 1967
Wien
Entlassung, Haft