Dr. Philipp Raphael Rezek

Personalia
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Emigration 27.05.1938
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Philipp Raphael Rezek kommt in Wien als ehelicher Sohn des aus Prag stammenden Kaufmanns Adolf Rezek und seiner Gattin Gisella, geborene Goldstein, in einer jüdischen Familie zur Welt. Nach der Volksschule besucht er die k.k. Staatsrealschule in der Schüttelstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk, wo er sich in der sogenannten 'Schülerakademie' als Pianist profiliert. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird der 1914 eingezogen und wird anfangs an der Front eingesetzt, ehe er Leiter eines Krankenhauses für Seuchenkrankheiten Gebiet des heutigen Albaniens wird. Noch vor Kriegsende kehrt er wieder in seine Heimat zurück und inskribiert im Wintersemester 1917/18 – anfangs noch als außerordentlicher Hörer – ein Studium der Medizin an der Universität Wien.
Als Student erlebt er die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Am 26. Juli 1921 wird er zum Doktor der Medizin promoviert. Er promoviert am gleichen Tag, wie seine spätere Ehefrau Anna Bunzl, die er einen Monat später, am 15. August 1921 heiratet und in weiterer Folge Vater zweier Töchter wird. 1928 tritt er der Loge Zukunft der Großloge von Wien bei, tritt aber 1934 'wegen Inkompatibilität bewußten Judentums mit der Freimaurerei' wieder aus.
Philipp Rezek arbeitet nach der Promotion als Hilfsarzt an der I. Medizinischen Universitätsklinik und ist in den Jahren 1929 bis 1932 zudem Privatdozent für Neuropathologie an seiner Alma Mater. Längere Zeit forscht er in Britisch-Indien über Leberkrankheiten. Im Dezember 1934 veröffentlicht Philipp Rezek den Schmalfilm 'Palästina 1934', der im Kino gezeigt aufgeführt wird. Im November 1936 veröffentlicht er mit 'Ceylon, Land und Leute' einen weiteren Film. Anfang des darauffolgenden Jahres bringt er den Film 'Indien, Land und Leute' heraus und hält zu seinen Reisen durch Ceylon und Indien auch Vorlesungen. Im April 1937 gibt er Vorlesungen mit Filmvorführungen mit dem Titel 'Eine Palästinareise'.
Am 12. März 1938 muss Philipp Rezek erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Philipp Rezek als 'Volljude’ gilt.
Schon länger hat Philipp Rezek eine Forschungs- und Vortragsreise durch die USA vorbereitet und so kann er mit einem Vortragsvisum vom 19. März 1938 bereits am 27. Mai 1938 mit der SS Britannic von LeHavre/Frankreich aus in die USA emigrieren, wo er am 5. Juni 1938 in New York, NY/USA ankommt. Auch seine Frau Anna Rezek und ihre beiden Töchter müssen aus Wien fliehen und können später in die USA emigrieren: die spätere Kunsthistorikerin Esther Mendelsohn Bunzl und die spätere medizinische Technikerin Susanne Lindau.
Bereits 1941 wird ihm und seiner Frau aus 'rassistischen Gründen' die Deutsche Staatszugehörigkeit aberkannt und am 14. Juli 1942 wird beiden der 1921 an der Universität Wien erworbene Doktorgrad aus 'rassistischen Gründen' aberkannt, da beide im Nationalsozialismus 'als Jude als eines akademischen Grades einer deutschen Hochschule unwürdig' gelten.
1943 erhält Philipp Rezek die Staatsangehörigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika. Philipp Rezek ist von 1938 bis zu seinem Tod 1963 Mitarbeiter des Jackson Memorial Hospital in Miami, leitet dort bis 1953 die Laboratorien und anschließend die Abteilung für pathologische Anatomie. Er führt Lehr- und Ausbildungsprogramme für Pathologie und Klinische Pathologie ein sowie 1947 einen Lehrgang für medizinische Techniker. Ab 1954 ist er Leiter der neugegründeten Abteilung für Pathologische Anatomie und Professor für Pathologie an der Medical School der University of Miami sowie gleichzeitig Pathologie am Kendall Hospital in South Miami sowie am Victoria Hospital in Miami. Außerdem arbeitet er als Berater für die Lago Oil and Transportation Company in Aruba [bis 1986 Teil der Niederländischen Antillen] und als Gastdozent für Pathologie an der Hebrew University in Jerusalem/Israel.
Philipp Rezek verstirbt mit 68 Jahren in Miami Beach, Florida.
Orte
Wohnort:
Quellen
Mindler, Robert (2021): Verfolgt, Vertrieben, Ermordet. Auf den Spuren der Wiener Freimaurerei ab 1932 (Wien)
Universität Wien - Gedenkbuch
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Rezek
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