Oskar Eisinger

Personalia

Geboren:

15. Juni 1908, Tulln

Gestorben:

23. November 1985, Tulln

Beruf:

Viehhändler

Verfolgung:

Tätigkeitsverbot 13.03.1938,
KZ Dachau 25.06.1938 - 23.09.1938,
KZ Buchenwald 23.09.1938 - 18.02.1939,
Emigration am 29.04.1939

KZ-Nummer:

17255, 9106

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Oskar Eisinger wird in Tull an der Donau in Niederösterreich als Sohn des jüdischen Viehhändlers Michael Eisinger geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt.

Oskar Eisinger und seine Schwester Charlotte übernehmen nach dem I. Weltkrieg den Viehhandelsbetrieb ‘Bürder Eisinger OEG’ ihres Vaters. 1934 tritt der überzeugte Österreicher der Vaterländischen Front bei.

Oskar Eisinger muss erleben, als das freie und unabhängige Österreich am 12. März 1938 mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Richard Schlesinger als ‘Volljude’ gilt.

Bereits mit 13. März 1938 wird ihm die Tätigkeit als Viehhändler untersagt und die Guthaben seiner Familie, bis auf einen kleinen monatlichen Betrag gesperrt. Es ist unklar, ob er aufgrund seiner politischen Tätigkeit bei der Vaterländischen Front oder seiner jüdischen Abstammung am 25. Juni 1938 in das KZ Dachau deportiert wird. Von dort wird Oskar Eisinger am 23. September 1938 in das KZ Buchenwald überstellt. Unter Vorlage eines Visums nach Honduras wird er schließlich am 18. Februar 1939 entlassen. Bis zum 28. April 1939 lebt er noch bei seinen, inzwischen in die Weintraubengasse 19 im 2. Wiener Gemeindebezirk übersiedelten Eltern.

[…] Am 29.4.1939 fuhr ich nach Abazia, damals in Italien. Dort lebte ich in einem Restaurant als Emigrant und die Kosten meines do. Aufenthaltes wurden von einer jüd. Weltorganisation aufgebracht. Eine Verdienstmöglichkeit hatte ich dort nicht. Ende Oktober 1939 musste ich auch dort abreisen. Ich flog nach Budapest und wurde dort vorerst 14 Tage lang im sog. Schubhaus interniert. Dann kam ich auf ein kleines Donauschiff und fuhr mit diesem nach Sulina in Rumänien an der Mündung der Donau. Dort wurden wir auf ein Hochseeschiff mit Namen “Liesl” umgeladen und fuhren mit diesem Richtung Mittelmeer ab.

Nach längerer Fahrt erhielt dieses Schiff eine Landeerlaubnis in Haifa. Ich kann mich noch erinnern, dass wir vorher monatelang auf dem Meer herumgefahren sind, weil wir keine Landeerlaubnis erhielten. Das ganze Schiff war besetzt mit Emigranten. Die Reisepässe mussten wir am Schiff vernichten, damit uns keine Behörde später zurückschicken konnte. […]

Oskar Eisinger über seine Flucht aus dem besetzten Österreich

In Haifa tritt Oskar Eisinger am 7. April 1942 dem britischen Militär bei und kämpft in einer Kraftfahrertruppe für Großbritannien.

Als britischer Soldat in Nahen Osten erlebt Oskar Eisinger die Befreiung und die Wiedererrichtung Österreichs. Am 9. September 1946 wird er aus der britischen Armee entlassen und kehrt sofort in seine Heimat zurück.

In Österreich eröffnet er wieder den 1938 geschlossenen Viehhandel in Tulln und tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Später heiratet er und wird Vater zweier Töchter.

Als Viehhändler geht Oskar Eisinger in Pension und verstirbt mit 77 Jahren in Tulln. Er findet seine letzte Ruhestätte am jüdischen Friedhof in Tulln.

Orte

Wohnort:

Verfolgung:

KZ Dachau (Deutschland), KZ Buchenwald (Weimar, Deutschland)

Quellen

Landesarchiv Niederösterreich

Stadtgemeinde Tulln

Oskar Eisinger

Viehhändler
* 15. Juni 1908
Tulln
† 23. November 1985
Tulln
Emigration, Tätigkeitsverbot, KZ Buchenwald, KZ Dachau