Dr. Eva Maria Hilda Winter (geb. Friedländer)

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Eva Winter
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

1. Jänner 1922, Wien

Gestorben:

7. September 2010, Wien

Beruf:

Angestellte

Verfolgung:

Haft 02.01.1940 - 02.09.1940,
Studienverbot 1940 - 1945

Lebenslauf

Eva Maria Hilda Friedländer kommt am 1. Jänner 1922 in Wien als eheliche Tochter des Arztes Dr. Walter Friedländer und seiner Gattin Erna, geborene Halbmayr, zur Welt. Ihr Vater war 1919 vom jüdischen zum katholischen Glauben konvertiert. Nach der Volksschule und der Unterstufe besucht sie die staatliche Oberschule für Mädchen Wien XIII [heute: GRG 13 Wenzgasse]. Ihre Mutter verstirbt 1936.

Am 12. März 1938 erlebt die 16-jährige Eva Friedländer, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen sie als 'Mischling I. Grades' bzw. ‘Halbjüdin’ gilt. Ihr Vater, der nach den ‘Nürnberger Rassengesetzen’ als 'Volljude' gilt, emigriert nach Shanghai, woraufhin Eva Friedländer bei ihre Großmutter mütterlicherseits lebt. [Anm.: Ihr Vater verstirbt am 15. August 1939 in Sanghai.]

Obwohl sie als 'Halbjüdin' gilt, kann Eva Friedländer noch im März 1939 die Matura ablegen. Ab 1. Oktober 1939 an ist sie als ordentliche Hörerin im einjährigen Maturantenkurs der Handelsakademie II am Hamerlingplatz in Wien eingeschrieben. Später möchte sie an der Universität Wien studieren.

Über ihre Freundin Lieselotte Hortsch, die Tochter von Franziska Hortsch, bzw. Franziska Hortsch selbst, erhält sie verschiedene verbotene Schriften, unter anderem französische und schweizerische Zeitungen, die Emigrantenzeitung 'Österreichische Post', legitimistische Flugschriften sowie das 1938 in Zürich erschienene Buch 'Der Griff nach Österreich' von Robert Ingrim. Das Buch 'Der Griff nach Österreich' gibt Eva Friedländer auch an Freunde weiter. Neben der Weitergabe des Buches hört Eva Friedländer nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, am 1. September 1939 mit einem ihr gehörenden Rundfunkgerät ausländische Nachrichtensendungen.

Am 2. Jänner 1940 wird Eva Friedländer, einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag, von der Gestapo verhaftet. In den Vernehmungen weigert sie sich die Namen derer, denen sie das Buch 'Der Griff nach Österreich' weitergegeben hat, preiszugeben. In einem Prozess vor dem Sondergericht am 5. August 1940 wird sie wegen 'Heimtücke' und dem Hören von 'Feindsendern' zu acht Monaten Haft, unter Anrechnung der Untersuchungshaft, verurteilt. Am 2. September 1940 wird sie aus der Haft entlassen.

Nach ihrer Entlassung darf Eva Friedländer wegen ihrer 'rassistischen Einstufung' und der politischen Verurteilung kein Hochschulstudium aufnehmen. Danach lebt sie weiter bei ihrer Großmutter.

In Wien erlebt Eva Friedländer im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Vom Sommersemester 1945 bis zum Sommersemester 1948 ist sie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien inskribiert. Im Zuge der akademischen Wiedergutmachung wird ihr ein Semester erlassen. Da ihr Stipendienansuchen abgelehnt wird, nimmt Eva Friedländer im Jänner 1947 eine Beschäftigung im Bundeskanzleramt, Abteilung Auswärtige Angelegenheiten, auf. Die gleichzeitige Belastung durch Beruf und Studium sowie die fortdauernden gesundheitlichen Folgen der Haft führen Anfang November 1947 zu einem schweren körperlichen Zusammenbruch. Sie muss ihre Beschäftigung daraufhin aufgeben.

Eva Friedländer schreibt eine Dissertation mit dem Titel 'Das Puppenspiel in Österreich'. Am 22. Dezember 1948 wird Eva Friedländer zum Doktor der Philosophie promoviert.

Am 17. August 1948 heiratet sie Robert Winter und wird in weiterer Folge Mutter eines Sohnes. Über ihren späteren beruflichen Werdegang ist nichts erhalten.

Eva Winter verstirbt mit 88 Jahren in Wien und findet ihre letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hietzing.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Archiv der Universität Wien

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Eva Winter

Angestellte
* 1. Jänner 1922
Wien
† 7. September 2010
Wien
Studienverbot, Haft