August Franz Kösseldorfer

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 27.09.1944 - 06.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
August Franz Kösseldorfer kommt in Wien als unehelicher Sohn der katholischen Theresia Kösseldorfer zur Welt. Ein Vater ist nicht festgehalten. Nach der Schulbildung wird er Bäckergehilfe.
Am 16. November 1911 heiratet er die Näherin Stefanie Augustina Forster und wird in weiterer Folge Vater eines Sohnes. Ob August Kösseldorfer in den Ersten Weltkrieg eingezogen wird, ist nicht erhalten.
August Kösseldorfer erlebt im November 1918 die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Danach arbeitet er weiter als Bäckergehilfe. Am 19. Dezember 1928 wird die Ehe von Tisch und Bett geschieden; ihre endgültige Auflösung erfolgt durch einen Beschluss des Landgerichtes Wien vom 9. Dezember 1938. Politisch ist er in den 1920ern und 1930ern nicht aktiv.
Am 12. März 1938 erlebt August Kösseldorfer mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Sein Austritt aus der katholischen Kirche wird aufgrund einer behördlichen Zuschrift vom 23. November 1938 im Taufbuch vermerkt. Am 5. September 1939 heiratet er beim Standesamt Fünfhaus Nord zum zweiten Mal.
Am 1. Juli 1942 schließt sich August Kösseldorfer der Widerstandsorganisation 'Freies Österreich/Gruppe Karl Gruber' um den Schriftsteller Karl Gruber an. Er übernimmt die Funktion des Bezirksleiters für den 15. Wiener Gemeindebezirk und verbreitet die illegale Zeitung der Gruppe.
Die 1942 gegründete Gruppe 'Freies Österreich/Gruppe Karl Gruber' ist eine überparteiliche, christlichsozial geprägte Widerstandsorganisation. Sie tritt für die Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Herrschaft und die Wiederherstellung seiner staatlichen Unabhängigkeit ein. Zunächst verbreitet sie Flugblätter. Ab dem 15. November 1943 erscheint die heimlich im Wiener Vorwärts-Verlag gedruckte Zeitung 'Freies Österreich! Blätter für Friede, Freiheit und Fortschritt'. Ein Treffpunkt befindet sich in der Stuckgasse 6 im 7. Wiener Gemeindebezirk.
Im Frühherbst 1944 wird die Gruppe aufgedeckt. Am 27. September 1944 verhaftet die Gestapo August Kösseldorfer wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' und 'Wehrkraftzersetzung'. Die Haftbedingungen sind schwer. Im Winter muss Kösseldorfer in einer ungeheizten Zelle des Wiener Landesgerichtes mit nur einer Decke auf dem Boden schlafen. Er verliert 17 Kilogramm Körpergewicht und erkrankt an Wirbelsäulenrheumatismus und Ischias. Dazu kommen starke nervöse Beschwerden, Schlafstörungen und Schweißausbrüche.
Aufgrund des Zusammenbruchs des Dritten Reiches kommt es zu keinem Prozess vor dem Volksgerichtshof mehr und August Kösseldorfer wird am 6. April 1945 aus der Haft entlassen.
In Wien erlebt August Kösseldorfer im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Nachdem er in Pension gegangen ist, verstirbt August Kösseldorfer in Wien mit 78 Jahren.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
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