Anna Maria Ledermülelr

Personalia
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Curriculum Vitae
Anna Maria Ledermüller kommt in Wien als eheliche Tochter des Manufakturzeichners Josef Ledermüller und seiner Gattin, der Wäscherin Anna, geborene Heinz, zur Welt. Zur Familie gehört auch der 1899 geborene Bruder Josef Carl Josef.
Nach der Schulbildung wird sie Handelsgehilfin und tritt nach 1933 der Vaterländischen Front bei. Die gläubige Katholikin ist legitimistisch eingestellt und steht dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber.
Am 12. März 1938 erlebt Anna Ledermüller mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Im März 1940 gewinnt Anna Gruber sie und ihren Vater für die legitimistische Widerstandsgruppe Leopold Mahr. Diese Gruppe wirbt um Anhänger und sammelt Beiträge im Zeichen einer Wiederherstellung Österreichs unter dem Haus Habsburg.
Anna Ledermüller unterstützt die Gruppe nicht nur durch Beiträge, sondern wirbt auch weitere Mitglieder. Sie gewinnt die Hausbesorgerin Franziska Sitter und den pensionierten Polizeimeister Johann Grünberger. Franziska Sitter leistet außerdem Beiträge für ihren Ehemann Georg und für Edmund Ester.
Ab April 1940 wird die Gruppe von der Gestapo aufgedeckt und Anna Ledermüller am 6. Mai 1940 verhaftet.
Sie gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch ihr Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und Staates, indem sie sich in einer legitimistischen Geheimorganisation in hochverräterischer Weise betätigt.
gez. Heydrich
Anna Ledermüller bleibt bis zum 5. Juli 1941 in Haft. Am selben Tag stirbt ihr Vater Josef Ledermüller in Wien. Auch nach ihrer Haftentlassung bleibt sie strikte Gegnerin des Nationalsozialismus.
Die Angefragte [Anna Ledermüller] steht der NSDAP ablehnend gegenüber. Nach dem Umbruch war sie ungefähr 1 ½ Jahre in Untersuchungshaft. Sie besucht sehr fleissig die Kirche und war ausserdem Chorsängerin in der Dollfusskirche. Eine politische Zuverlässigkeit ist bei der Angefragten nicht gegeben.
Am 30. Mai 1944 verurteilt das Landgericht Wien I Anna wegen 'Neubildung von Parteien' zu 15 Monaten Gefängnis. Die bereits erlittene Haft wird angerechnet. Zum Vollzug des verbliebenen Strafrestes wird sie am 15. August 1944 um 8 Uhr in die Untersuchungshaftanstalt Wien II eingeliefert. Am 16. September 1944 wird sie entlassen.
Ein undatierter Brief nach einer Haftentlassung lässt ihre gesundheitliche und wirtschaftliche Not erkennen. Anna möchte für einige Zeit aufs Land gehen, weil sie sich 'nach der Haft daheim nicht recht erholen kann'. Zugleich erkundigt sie sich, ob sie Zigaretten verkaufen darf, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
In Wien erlebt Anna Ledermüller im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Sie findet Arbeit als Angestellte bei einer Versicherungsanstalt.
Als Angestellte geht Anna Ledermüller in Pension und verstirbt ledig und kinderlos mit 76 Jahren. Sie findet ihre letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Ottakring.
Places
Residence:
Citations
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
