Siegfried Wolkenstein

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Биография
Siegfried Wolkenstein kommt in Wien als ehelicher Sohn des Goldarbeiters Josef Wolkenstein und Rosa, geborene Weininger, zur Welt. Die Familie ist jüdischen Glaubens. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben. Später eröffnet er in Wimsbach bei Lambach die Knopffabrik Wolkenstein & Co.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg 1918 lernt Siegfried Wolkenstein in einem Wiener Soldatencafé die Sängerin Thusnelda Kolbinger kennen, die als 'Nelly Niels' auftritt. Am 12. März 1920 heiraten sie in Wien standesamtlich; 1921 wird ihre Tochter Hildegard Wolkenstein geboren. Die Familie lebt in Wimsbach bei Lambach. Weil der Ortspfarrer Thusnelda Wolkenstein wegen ihrer nur standesamtlichen Ehe mit einem Juden von der Kommunion ausschließt, erwirkt sie eine bischöfliche Dispens. Die kirchliche Trauung folgt am 7. Mai 1923. 1927 tritt Siegfried Wolkenstein aus der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) aus. Der Pfarrer entschuldigt sich später öffentlich.
Thusnelda Wolkenstein bringt ihr gesamtes Vermögen in die gemeinsame wirtschaftliche Existenz und die Steinnussknopffabrik ein. Die Handelsregisterabschrift im Akt weist Wolkenstein & Co. als offene Handelsgesellschaft seit dem 3. Jänner 1930 aus; die Eintragung erfolgt am 15. Februar 1930. Gesellschafter sind der Großindustrielle Robert Salcher in Wagstadt und Siegfried Wolkenstein als Fabrikant in Wimsbach. Erzeugt werden Knöpfe aus Steinnüssen und Drechslerwaren. Während Robert Salcher allein vertretungsbefugt ist, vertritt Siegfried Wolkenstein die Gesellschaft gemeinsam mit einem Prokuristen.
Am 12. März 1938 erlebt Siegfried Wolkenstein, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen er als 'Volljude’ gilt. Die Familie, die in Wimsbach bei Lambach wohnt, wird sofort auf Weisung des Welser nationalsozialistischen Bürgermeisters Leo Sturma von der Gendarmerie überwacht. Am 5. Mai 1938 wird Siegfried Wolkenstein von der Gestapo verhaftet und in das Polizeigefangenenhaus Linz gebracht. Er bleibt dort bis Juli 1938. Seine wirtschaftliche Stellung in der Fabrik wird ihm entzogen und die Fabrik 'arisiert'. Die Familie zieht im Anschluss nach Wien. Mit seiner Verhaftung verliert Siegfried die tatsächliche Verfügung über den Betrieb.
Die Verfolgung zerstört die wirtschaftliche Grundlage der Familie. Thusnelda Wolkenstein muss in Wimsbach Möbel und Wohnungsinventar billig abgeben. An die Stelle der früheren Mittel tritt eine monatliche Unterstützung der Firma von 150 Reichsmark. Hildegard Wolkenstein darf nicht Medizin studieren. Thusneldas Antrag, die Tochter statt als 'Mischling I. Grades' als 'Mischling II. Grades' behandeln zu lassen, scheitert. Die Tochter arbeitet in einem Kosmetikinstitut ein Jahr unbezahlt, danach für 60 Reichsmark monatlich. Allein die Miete der Wiener Wohnung beträgt 80 Reichsmark.
Thusnelda Wolkenstein hält an ihrem Mann fest, obwohl sie von den Nationalsozialisten zur Scheidung gedrängt wird. Angedrohte Dolgierungen und die dauernde Belastung lässt ihre Gesundheit leiden. Um ihren Ehemann und ihre Tochter zu schützen, arbeitet sie unentgeltlich beim Roten Kreuz. Zugleich stellt sie zum Schutz ihrer Angehörigen die öffentlich erzählte Vergangenheit als Kriegsteilnehmerin bei August von Mackensen heraus. Sie sammelt in der Uniform des NS-Reichskriegerbundes Spenden, engagiert sich für Kriegsversehrte und trägt bei offiziellen Anlässen ein von Bekannten geschenktes Parteiabzeichen. Eine NSDAP-Mitgliedschaft folgt daraus nicht; sie war niemals Mitglied der NSDAP. Sie schafft es auch, dass Siegfried Wolkenstein keinen Judenstern tragen muss und nicht weiter verfolgt wird.
In Wien erlebt Siegfried Wolkenstein die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er wird wieder als Gesellschafter in seine Fabrik eingesetzt. Er unterschreibt jedoch einen Vertrag, der seinen Verbleib im Unternehmen an die eigene Mitarbeit knüpft. Seine Zustimmung zu einem solchen Vertrag ist Teil des Gefühls der 'ersten Freude, wieder Mensch zu sein'. Da er gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, die Fabrik in Oberösterreich zu führen, muss er den Anteil nach ihrer Darstellung um 1949 unter ungünstigen Bedingungen verkaufen.
Siegfried Wolkenstein stirbt an Lungenentzündung wenige Wochen vor seinem 79. Geburtstag.
Места
Место проживания:
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Wiener Stadt- und Landearchiv (WStLA)
Österreichische Akademie der Wissenschaften unter www.oeaw.ac.at/de/acdh/oebl/biographien-des-monats/2024/august
