Univ.-Prof. DDr. Franz Ohnmacht

Personalia
Born:
Died:
Profession:
Persecution:
Haft 13.03.1938 - 16.06.1938,
KZ Dachau 17.06.1938 - 26.09.1939,
KZ Buchenwald 27.09.1939 - 07.12.1940,
KZ Dachau 08.12.1940 - 16.03.1943,
Gauverbot 1943
Curriculum Vitae
Franz Ohnmacht wird als Sohn des Arztes Karl Ohnmacht und Creszentia in Raab in Oberösterreich geboren. Er hat die zwei Geschwister Karl und Anna. Nach der Volksschule besucht er die Gymnasien in Kremsmünster und Ried und maturiert dort 1911. Noch im gleichen Jahr tritt er in das Priesterseminar in Linz ein und wird zum Theologiestudium nach Rom an die Universität Gregoriana geschickt. Aufgrund des Ersten Weltkrieges studiert er in Innsbruck weiter, wird 1916 zum Priester geweiht und promoviert ein Jahr später. Noch im gleichen Jahr wird er zuerst Kaplan in Neufelden und später an der Stadtpfarre Urfahr. 1919 wird er schließlich zum Bischofsekretär von Bischof Johannes M. Gföllner und Notar des Diözesangerichts ernannt. In der Folge promoviert er in Philosophie und habilitiert sich 1927 und wird Professor an der Universität Linz.
Bischof Johannes M. Gföllner bestellt Franz Ohnmacht am 1. August 1934 zum neuen Generaldirektor der Katholischen Aktion (KA), die als Bollwerk im Kampf gegen den Nationalsozialismus ausgebaut werden soll. Franz Ohnmacht soll die KA dahingehend organisieren und strukturieren.
Die politischen Verhältnisse [haben sich] wesentlich geändert und der katholische Volksverein [soll] eine Neuorientierung im Sinne der Katholischen Aktion erfahren.
Seine Aufgeschlossenheit für alle Fragen, seine Initiative, sein Mut, auch Neuland zu betreten, befähigten ihn für eine zentrale Organisationsarbeit, und sein gewinnendes persönliches Wesen ließ ihn nach allen Seiten hin Verbindung finden und Freunde gewinnen.
Zwischen 1934 und 1936 Franz Ohnmacht oberösterreichischer Landtagsabgeordneter und nach, bis zur Okkupation Österreichs durch das Dritte Reich am 12. März 1938 Mitglied des Bundeskulturrats. Sowohl der Linzer Bischof Johannes M. Gföllner, als auch sein Sekretär Franz Ohnmacht sind entschiedene Gegner des Nationalsozialismus und ebenso Gegner der sogenannten “Brückenbauer”, die eine Aussöhnung zwischen Katholiken und Nationalsozialisten betreiben.
Bereits am 13. März 1938 wird Franz Ohnmacht von der Gestapo verhaftet und im Polizeigefängnis Linz in der Mozartstraße eingesperrt. Als Begründung wird u.a. herangezogen, dass er in Akademikervorträgen für ein freies und unabhängiges Österreich eingetreten sein. Am 16. Juni 1938 wird er mit anderen politischen Häftlingen in das KZ Dachau deportiert.
Am Fronleichnamstag 1938 wurde ein Teil der politischen Häftlinge der Mozartstraße in Linz aufgerufen. Es hieß, dass eine Luftveränderung eintreten werde. Es gab nicht wenige, die sich darüber freuten, weil das monotone Leben in en Zellen des Linzer Polizeigefängnis ein Ende nehmen soll. Abends ging es im “Grünen Heinrich” hinaus auf den Bahnhof.
Dort wurden wir in den Kleinen Wartesaal der I. Klasse zusammengepfercht, um auf den aus Wien eintreffenden Extrazug zu warten. Mit dem Besteigen es Zuges fingen die Quälereien der SS-Schergen an. Es begann mit dem berühmten “Fußstellen”, so dass viele vor der Waggontür zusammenstürzten, hernach die üblichen Schläge mit dem Gewehrkolben, usw. Dicht gedrängt saßen wir in den Waggonabteilen beisammen. Bei mir waren noch Primar Dr. Hittmair (Wels), Professor Dr. Ohnmacht (Linz), Postpräsident Dr. Groß (Linz) und andere. Zunächst kam das Kommando, alle müßten die Hände auf die Füße legen und immer in das Waggonlicht schauen. Wer die Augen wegwandte, bekam Schläge. Nachdem sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte, wurde die Ablieferung aller persönlichen Sachen befohlen. Alle Taschen mußten geleert werde. Die Sachen wurden von en SS-Leuten gesammelt. Angeblich sollten wir sie wiederum zurückbekommen, gesehen haben wir aber nie mehr etwas davon.
Als wir um unseren Beruf gefragt wurden, stellte sich heraus, dass Dr. Ohnmacht ein Priester sei. Die unflätigsten Schimpfworte eines jungen SSlers waren die Folge. Dr. Ohnmacht erhielt Befehl, eine Predigt über die Jungfräulichkeit Mariens zu halten. Alles Sträuben half nichts, mit dem Revolver wurde dem Befehl Nachdruck verliehen. Da wir aus den Nachbarabteilen öfters Schüsse hörten, wußten wir, dass alles sehr ernst gemeint war. Dr. Ohnmacht entledigte sich seiner Sache in meisterhafter Weise. Deutsch sprach er eine neutrale Sätze und dann setzte er lateinisch immer ein Lob Mariens dazu. So ging es eine Weile fort. Der dumme SS-Mann kam bei der Sache nicht auf seine Rechnung. Er ließ von Dr. Ohnmacht ab. Zwischendurch kamen Turnübungen im engen Abteil, die sehr rasch ausgeführt werden mußten.
Auf diese Weise in einem fort beschäftigt, kamen wir während der Nacht über Salzburg nach München. Dort wurden wir in Viehwaggons verladen, und zwar an die 100 Personen in einen Waggon. In Dachau wurden wir bei schärfster Bewachung ausgeladen, zu einem Zug geordnet, an dessen Spitze Bürgermeister Dr. Bock, Dr. Hittmair, Dr. Ohnmacht und ich marschierten. So zogen wir im Konzentrationslager Dachau ein.
Franz Ohnmacht bleibt bis 26. September 1939 im KZ Dachau und wird anschließend in das KZ Buchenwald überstellt und am ab 8. Dezember 1940 wieder zurück in das KZ Dachau. Im KZ Dachau wird der körperlich schon geschwächte Priester einer Strafkompanie, welche im Steinbruch arbeitet zugeteilt. Ab 20. September 1941 ist er Kapellenverwalter und Lagerkaplan. Weil er öfters die Beichte abnimmt und seelsorglich tätig ist, muss er pfahlstehen, wird auf den bloßen Körper geschlagen und schwer verwundet und muss mehr als andere hungern. Mental kann ihn dies nicht brechen, jedoch hinterlassen die Misshandlungen körperlich ihre Spuren.
Am 16. März 1943 wird Franz Ohnmacht schließlich aus dem Konzentrationslager entlassen, darf aber nicht mehr nach Linz zurück, erhält Gauverbot und wird nach Gadebusch in Mecklenburg verbannt. Nach Kriegsende braucht es noch bis zum 3. August 1946 bis er schließlich von der nunmehr sowjetischen Zone ausreisen darf.
In Linz angekommen, wirkt er als Referent im bischöflichen Ordinariat. Doch bald zeigt sich, dass die in der Haft zugefügten schweren körperlichen Schädigungen zur Folge haben, dass Franz Ohnmacht an fortschreitender Gedächtnisschwäche leidet, was bis zum Verlust des Sprechvermögens führt.
Leider kann sich Franz Ohnmacht nicht mehr erholen. Mit 1. September 1948 muss er vom Amt eines Judex prosynodalis und bischöflichen Gerichtsrates enthoben werden, ab 1951 kann er nur mehr unter Assistenz eines Priesters die hl. Messe zelebrieren, was ihm schließlich auch nicht mehr möglich ist. Er verstirbt am 11. April 1954 um 16:30 Uhr im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern.
Places
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Citations
- Mikrut, Jan (2000): Blutzeugen des Glaubens. Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Band 2 (Wien), p. 181–192.
