Seliger Josef Mayr-Nusser

Personalia
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Curriculum Vitae
Josef Mayr-Nusser kommt in Bozen als Sohn des Weinbauern Jakob Mayr und seiner Gattin Maria, geborene Mumelter, zur Welt. Der Namenszusatz 'Nusser' verweist auf den Nusserhof in Bozen, auf dem er mit vier Brüdern und einer Schwester aufwächst. Zu seinen Geschwistern zählen Jakob, Toni, Georg, Maridl und Franz. Im September 1915 stirbt der Vater während des Ersten Weltkrieges an der Südfront bei Görz an Cholera. Die Mutter führt den Hof mit Unterstützung von Verwandten weiter und prägt ihre Kinder durch ihren katholischen Glauben und ihre Hilfsbereitschaft gegenüber Bedürftigen. Sein älterer Bruder Jakob wird 1934 zum Priester geweiht.
Josef Mayr-Nusser besucht in Bozen die Volks-, Bürger- und Handelsschule. Nach einer kurzen Beschäftigung bei der Möbelfirma Führer arbeitet er vom 25. April 1928 bis zum 20. Dezember 1941 bei der Firma Eccel als Buchhalter und Kassier. Anschließend ist er bis 1944 als Kassier bei der Firma Amonn tätig. 1931 und 1932 leistet er Militärdienst im italienischen Heer; weitere Einberufungen folgen 1939 und 1940.
Schon als junger Mann engagiert sich Josef Mayr-Nusser in der katholischen Sozial- und Jugendarbeit. 1932 tritt er der Bozner Vinzenzkonferenz 'Unsere Liebe Frau vom Moos' bei. Im Juni 1934 übernimmt er die Leitung der männlichen Jugend der Katholischen Aktion (KA) im deutschsprachigen Teil der Erzdiözese Trient. Am 10. Februar 1937 wird er Präsident der neu gegründeten Vinzenzkonferenz 'Johann Nepomuk von Tschiderer' in Bozen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern unterstützt er arme Familien und Kranke. Sein geistlicher Begleiter ist der Priester Josef Ferrari.
Seine christliche Überzeugung führt Josef Mayr-Nusser früh zur Ablehnung der nationalsozialistischen Weltanschauung. In Artikeln und Ansprachen wendet er sich gegen den Führerkult und die nationalsozialistische Rassenideologie. Am 12. März 1938 erlebt er die Besetzung Österreichs durch das Dritte Reich. Bei der Südtiroler Option von 1939 entscheidet er sich gegen die Auswanderung in das Deutsche Reich und für das Verbleiben in seiner Heimat. Im Dezember 1939 schließt er sich dem 'Andreas-Hofer-Bund' an. Diese Widerstandsorganisation unterstützt die Dableiber, wirbt gegen die Auswanderung und warnt vor einem Beitritt zur SS.
Am 26. Mai 1942 heiratet Josef Mayr-Nusser Hildegard Straub. Die Trauung nimmt sein Bruder Jakob vor. Hildegard Mayr-Nusser arbeitet ebenfalls bei Eccel und engagiert sich in der Katholischen Jugend (KJ). Am 1. August 1943 kommt in Bozen der gemeinsame Sohn Albert zur Welt, der später als Komponist tätig ist. Die überlieferten Briefe zeigen Josef Mayr-Nussers enge Verbundenheit mit seiner Frau und seinem Kind sowie seine Sorge um deren Zukunft.
Im September 1943 besetzen deutsche Truppen Südtirol. Obwohl Josef Mayr-Nusser italienischer Staatsbürger ist, wird er am 5. September 1944 zwangsweise zur Waffen-SS eingezogen. Am 7. September verlässt er Bozen und gelangt mit weiteren Südtirolern zur Ausbildung nach Konitz in Westpreußen [heute: Chojnice in Polen]. Die bevorstehende Vereidigung auf Adolf Hitler bringt ihn in einen Gewissenskonflikt. Am 4. Oktober 1944 verweigert Josef Mayr-Nusser aus religiösen Gründen den SS-Eid auf Adolf Hitler.
Wenn nie jemand den Mut aufbringt, denen zu sagen, dass er mit ihren nationalsozialistischen Anschauungen nicht einverstanden ist, dann wird es nie anders.
Josef hält an seiner Entscheidung fest und wird verhaftet. Zunächst bleibt er in Konitz inhaftiert. Ab dem 14. November 1944 befindet er sich im Untersuchungsgefängnis in Danzig. In seinem letzten erhaltenen Brief an Hildegard vom 5. Dezember 1944 berichtet er von Verhören am 17. November und am 2. Dezember. Er wird wegen 'Wehrkraftzersetzung' zum Tode verurteilt.
Im Februar 1945 wird Josef Mayr-Nusser mit anderen Gefangenen per Bahn abtransportiert. Der Weg über das Buchenwald in Richtung KZ Dachau. Wegen unterbrochener Bahnverbindungen bleibt der Transport in Erlangen liegen. Durch Hunger und die Haftbedingungen schwer geschwächt, stirbt Josef Mayr-Nusser am 24. Februar 1945 im Alter von 34 Jahren in einem Viehwaggon auf dem Erlanger Bahnhof. Als Todesursache wird Bronchopneumonie, eine Lungenentzündung, und ein Hungerödem festgehalten.
Josef Mayr-Nusser wird zunächst in Erlangen bestattet. 1958 werden seine sterblichen Überreste nach Südtirol überführt und später in Lichtenstern am Ritten beigesetzt. Seit seiner Seligsprechung 2017 befindet sich seine letzte Ruhestätte im Märtyreraltar des Bozner Doms.
Seine Ehefrau Hildegard stirbt am 9. April 1998 in Bozen, sein Sohn Albert am 28. Jänner 2024 in Florenz.
Places
Residence:
Citations
Diözese Innsbruck: gedenken.versöhnen.ermutigen. Zeugnisse des NS-Widerstands in Tirol (Innsbruck)
Diözese Bozen-Brixen: Themenweg Josef Mayr-Nusser unter www.josef-mayr-nusser.it/themenweg/
Steurer, Leopold (2017): Josef Mayr-Nusser im zeitgeschichtlichen Rahmen Südtirols 1934–1944 (Meran)
Josef Mayr-Nusser an Hildegard Mayr, Danzig, 5. Dezember 1944. Italienische Übersetzung von Guido Crepaz, veröffentlicht vom Istituto nazionale Ferruccio Parri. Deutsches Autograph laut Archivnachweis im Josef-Mayr-Nusser-Archiv, Pastoralzentrum Bozen
Kußtatscher, Maria (2017): Seligsprechung von Josef Mayr-Nusser. In: KVW Senioren – Rundschreiben, Februar 2017
Stadtgemeinde Bozen: Gedenken an Josef Mayr Nusser, 24. Februar 2026 unter www.gemeinde.bozen.bz.it/Neuigkeiten/Pressemitteilungen/Gedenken-an-Josef-Mayr-Nusser
Rausch, Alexander in Österreichisches Musiklexikon unter musiklexikon.ac.at/ml/musik_M/Mayr_Albert.xml
