Landesgendarmeriekommandant Oberst Ludwig Johann Freiherr Bechinie von Lažan

Photo von Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan
Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan
Image: Joachim Steinlechner, BMI

Personalia

Born:

February 7, 1879, Vienna

Died:

July 22, 1941, Pirna-Sonnenstein

Profession:

Gendarmeriebeamter

Persecution:

Haft 13.03.1938 - 02.04.1938,
KZ Dachau 02.04.1938 - 27.09.1939,
KZ Buchenwald 27.09.1939 - 15.07.1941,
Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein 15.07.1941 - 22.07.1941,
Ermordet am 22.07.1941

KZ Number:

13745, 18110, 1665

Curriculum Vitae

Ludwig Johann Freiherr Bechinie von Lažan kommt in Wien als ehelicher Sohn des k.u.k. Rittmeisters Joseph Freiherr Bechinie von Lažan und seiner Gattin Anna, geborene Stepnitzky, zur Welt. Er hat 11 Geschwister, wovon einige noch im Kindesalter versterben. Nach der Volksschule besucht er die Gymnasialunterstufe und wechselt im Anschluss auf die Infanterie-Kadettenschule in Wien, wo er 1901 maturiert. Am 18. August 1901 tritt er als Kadettoffizier in das Feldjägerbataillon Nr. 1 ein.

Im November 1902 wird Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan zum Leutnant befördert und scheint in der Funktion als Pionieroffizier beim Feldjäger Nr. 10 in Niederösterreich auf. Von 1901 bis 1909 dient er an verschiedenen Garnisonsstandorten in der k.k. Monarchie (Rawa Ruska in Galizien [heute: Ukraine], Reichenberg in Böhmen [heute: Liberec in Tschechien] und in Steyr in Oberösterreich). Am 26. Juni 1909 heiratet er Maria Lindinger und wird in weiterer Folge Vater eines Sohnes.

Im Juni 1909 wechselt Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan zur Gendarmerie und scheint 1910 mit dem Zusatz 'Zugeteilt zur k.k. Gendarmerie' auf. Mit 1. November 1910 wird er als Leutnant dem Landesgendarmeriekommando Nr. 1 in Wien zur Probedienstleistung zugeteilt und im Mai 1910 zur Gendarmerieabteilung Nr. 3 nach Korneuburg versetzt, wo er 1911 Abteilungskommandant wird.

Nach Ablegung der Gendarmerieoffiziersprüfung in Wien 'mit sehr gutem Erfolg' wird Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan im November 1910 zum Oberleutnant befördert. Im August 1911 erfolgt die Versetzung als Kommandant zur Gendarmerieabteilung Nr. 10 nach Gmünd.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan eingezogen und ist in Galizien eingesetzt, hauptsächlich im Raum Lublin und 1918 in Brody. Im Oktober 1914 ist er mit seiner Einheit in Gefechte mit russischen Truppen verwickelt, die tief in Galizien eingedrungen waren. 1915 erfolgt seine Ernennung zum Rittmeister.

1918 ist Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan beim Landesgendarmeriekommando Nr. 5 in Lemberg in Galizien eingeteilt. Dort erlebt er die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Danach wird er wieder dem Landesgendarmeriekommando Niederösterreich zugeteilt, anfangs als Abteilungskommandant Nr. 2 in Wien, dann als Referent beim LGK bis zum 3. Stellvertreter des Landesgendarmeriekommandanten. Er wohnt mit seiner Familie in Wien.

Im März 1929 wird Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan zum Oberstleutnant der Gendarmerie befördert. Im Dezember 1932 steigt er zum 3. Stellvertreter des Landesgendarmeriekommandanten für Niederösterreich auf.

Mit Kundmachung des Bundeskanzleramtes vom 8. Jänner 1934 wird Gendarmerie Oberstleutnant Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan für die restliche Dauer des Jahres 1934 zum Sicherheitsdirektor für das Bundesland Vorarlberg und im selben Monat zum Gendarmerieoberst ernannt. Am 15. Juni 1934 wird er zum Sicherheitsdirektor des Landes Salzburg ernannt.

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch der österreichischen Nationalsozialisten in der zweiten Julihälfte 1934, währenddessen in Wien Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet wird, kommt es in Lamprechtshausen bei Salzburg am 27. Juli 1934 durch die illegale SA zur Entwaffnung der örtlichen Exekutivorgane und zur Besetzung von öffentlichen Gebäuden. Entschlossen setzt Sicherheitsdirektor Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan zur Niederschlagung des Putschversuches das österreichische Bundesheer ein. Auf beiden Seiten kommt es zu Verletzten, zahlreiche Nationalsozialisten werden in Haft genommen. Seit dieser Zeit ist Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan den Nationalsozialisten als patriotisch-österreichischer Beamter besonders verhasst.

Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan geht als Sicherheitsdirektor hart und konsequent gegen die österreichischen Nationalsozialisten vor.

Sein Freund Oberst Otto Berlepsch beschrieb am 6. Mai 1935 Bechinies Stellung als Sicherheitsdirektor in seiner Behörde und im Bundesland Salzburg: „Seine Erfolge werden allgemein anerkannt. […] Er genießt nicht nur seitens seiner Untergebenen seltenes Vertrauen, sondern auch von Seiten fast der ganzen Bevölkerung, ja selbst politische Gegner versagen ihm trotz seiner oft bewiesenen, rücksichtslosen Strenge nicht ihre Achtung und bringen ihm Vertrauen entgegen.“ Da er sich „durch seine Umsicht und seine rastlose Tätigkeit im Interesse des öffentlichen Sicherheitsdienstes sehr verdient gemacht“ hat, verlieh ihm Bundespräsident Miklas das Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens, welches Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg am 25. Mai 1935 in Salzburg überreichte.

Im privaten Bereich ergaben sich in dieser Zeit wesentliche Veränderungen. 1936 heiratete sein in die Kriminalpolizei eingetretener Sohn Hermann und am 26. Juni 1937 wurde sein erstes und einziges Enkelkind Ernst in Wiener Neustadt geboren.

Dem von seinen Vorgesetzten als außerordentlich fähig eingeschätzten Bechinie wurde am 3. Januar 1938 noch eine weitere äußerst schwierige Funktion übertragen: Er übernahm zusätzlich zum Salzburger Amt das des Landesgendarmeriekommandanten für Niederösterreich, dessen 1. Stellvertreter er bereits seit dem 12. November 1935 gewesen war.

Nach dem vom Bundeskanzler Schuschnigg unter Druck des Deutschen Reichskanzlers unterzeichnete „Berchtesgadener Abkommens“, wurde der österreichische Naziführer Arthur Seyß-Inquart Innen- und

Sicherheitsminister. Für über 3 000 Nationalsozialisten erfolgte eine Amnestie.

Dem von seinen Vorgesetzten als außerordentlich fähig eingeschätzten Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan wird am 3. Jänner 1938 noch eine weitere äußerst schwierige Funktion übertragen: Er übernimmt zusätzlich zum Salzburger Amt das des Landesgendarmeriekommandanten für Niederösterreich, dessen 1. Stellvertreter er bereits seit dem 12. November 1935 ist.

Am 12. März 1938 erlebt der überzeugte Patriot, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Am 13. März 1938 wird Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan in seiner Wohnung in Wien von der Gestapo verhaftet und am 2. April 1938 in das KZ Dachau deportiert. Am Tag seiner Deportation in das Konzentrationslager verstirbt seine Todkranke Ehefrau. Nach dem Bericht des Salzburger Priesters Leonhard Steinwender wird er im KZ Dachau lange Zeit im Arrestzellenbau („Bunker“) festgehalten. Dort muss er täglich ums Überleben kämpfen.

Nach dem nationalsozialistischen Überfall auf Polen und dem damit verbundenen Ausbruch des Zweiten Weltkrieges muss das KZ Dachau kurzfristig für die SS geräumt werden, weshalb Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan am 27. September 1939 in das KZ Buchenwald überstellt wird. Auch dort wird er im Arrestzellenbau („Bunker“) festgehalten. Als er einige Monate später, wahrscheinlich im Frühjahr 1940, aus dem „Bunker“ entlassen wird, ist er durch den dort erlittenen Hunger, die Kälte und Drangsalierungen körperlich schwer gezeichnet.

Doch auch danach ist Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan schweren Misshandlungen ausgesetzt, denn er wird insbesondere von einem Salzburger SS-Mann, dem Unterscharführer Karl Dumböck (geb. 1906), gequält. Dieser war bei den Ereignissen im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Putschversuch des Juli 1934 auf Anweisung Ludwigs Freiherr Bechinie von Lažan auf der Salzburger Festung Hohensalzburg eingesperrt gewesen. Im KZ Buchenwald ist Karl Dumböck Kommandoführer des Strafkommandos Gärtnerei. Er gilt als einer der brutalsten SS-Schläger, der viele Häftlinge zu Tode quält oder mit einem Eichenknüppel blutig schlägt.

Vermutlich wegen seines Alters und schlechten Gesundheitszustandes wird Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan Mitte Juni 1941 durch die 'T4-Ärztekommission' für den Transport in ein angebliches 'Erholungslager' selektiert. In der Nacht zum 15. Juli 1941 fährt ihn ein SS-Kommando mit weiteren 92 Häftlingen im Alter zwischen 30 und 64 Jahren mit Lastkraftwagen in die Tötungsanstalt Prina-Sonnenstein, wo er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch am selben Tag den Gastod erleidet. Als offizieller Todestag wird der 22. Juli 1941 angegeben. Seinen Verwandten wird mitgeteilt, er sei an der Ruhr verstorben.

Bericht der Bundespolizeidirektion Salzburg an die Sicherheitsdirektion über Karl Dumböck vom 17. Juni 1946
Bericht der Bundespolizeidirektion Salzburg an die Sicherheitsdirektion über Karl Dumböck vom 17. Juni 1946
Image: Joachim Steinlechner, BMI

Am 5. September 1941 wird die aus Weimar-Buchenwald nach Wien überstellte Urne auf dem Wiener Zentralfriedhof beerdigt.

Places

Residence:

Persecution:

Death Place:

Citations

Joachim Steinlechner, Bundesministerium für Inneres (BMI)

Arolsen Archives

SalzburgWIKI unter wiki.sn.at/wiki/Ludwig_Bechinie-Lazan

www.myheritage.com

Ludwig Freiherr Bechinie von Lažan

Gendarmeriebeamter
* February 7, 1879
Vienna
† July 22, 1941
Pirna-Sonnenstein
Detention, Concentration camp, Murdered