Ing. Ignaz Stiassni

Photo von Ignaz Stiassni
Ignaz Stiassni
Image: Landesarchiv NÖ

Personalia

Born:

July 13, 1902, Prerau

Died:

June 6, 1984, Klosterneuburg

Profession:

Kaufmann

Persecution:

Unternehmensboykott 1938

Memberships

Austrian People's Party, ÖVP Comradeship of the politically persecuted and confessors for Austria

Curriculum Vitae

Ignaz Stiassni wird als eines von zwei Kindern der Kaufleute Ignaz und Therese Stiassni in Prerau in der heutigen Tschechischen Republik geboren. Seine Eltern ziehen mit seiner Schwester und ihm 1918 nach Klosterneuburg und eröffnen dort ein Lebensmittelgeschäft in ihrem Wohnhaus in der Mühlengasse 1.

Ignaz Stiassni besucht nach der Grundschule eine Höhere Technische Lehranstalt und wird Ingenieur. Im August 1927 heiratet er die Beamtin Adelheid Messinger, die katholisch getauft ist, aber aus jüdischem Hause stammt. Mit ihr hat er eine Tochter.

1931 übernehmen Ignaz und Adelheid Stiassni, sowie seine Schwester Hermine, inzwischen verehelichte Novak, das Lebensmittelgeschäft der Eltern und eröffnen 1935 eine Filiale in der Kierlingerstraße 19a in Klosterneuburg. Die Geschäfte florieren und erzielen monatlich etwa 1.800 Schilling Gewinn wodurch die Familien in einem gewissen Wohlstand leben können.

Am 12. März 1938 erlebt Ignaz Stiassni wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Unmittelbar nach der Besetzung Österreichs betritt SA-Sturmbannführer Riedmüller, als SA-Führer von Klosterneuburg, das Geschäft von Ignaz Stiassni und verlangt von diesem, sich von seiner nach den Nürnberger Rassegesetzen als jüdisch geltenden Ehefrau scheiden zu lassen. Als Iganz Stiassni sich hinter seine Ehefrau stellt und dies verweigert, wird sein Geschäft boykottiert. Der Tochter wird es untersagt, eine über die untere Schulstufe hinausgehende Ausbildung zu machen.

In der Folge muss aufgrund der schweren wirtschaftlichen Lage die Filiale geschlossen werden. Ignaz Stiassni findet eine schlecht bezahlte Anstellung als Kellerleiter der Klosterkeller St. Michael.

Als Klosterneuburger war mit bekannt, dass die Gattin des Herrn Stiassni nicht arischer Abstammung war. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1938 war sie sowie Herr Stiassni immer wieder verschiedenen Schikanen ausgesetzt. Insbesondere wurden die Geschäfte boykottiert, da damals die Parolen ausgegeben wurden, dass bei Nichtariern nicht eingekauft werden solle. Aus diesem Grunde blieben dann viele Kunden den genannten Geschäften fern. […]

Die Geschäfte gingen schließlich so schlecht, dass Stiassni gezwungen war, sie zuzusprerren. Er hat dann, wir mir erinnerlich, eine Privatanstellung in einer Wiener Weingroßhandlung angenommen.

Aus der Einvernahme eines Zeugen nach dem Krieg

Am 26. Februar 1943 wird er gezwungen, seinen Hälfteanteil am gemeinsamen Haus entschädigungslos an seine Schwester zu übertragen. Eingezogen zur Wehrmacht wird er nicht, da er als “nicht zuverlässig” qualifiziert wird.

In großer Armut erlebt Ignaz Stiassni, seine Ehefrau und seine Tochter die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Unmittelbar nach Kriegsende überträgt seine Schwester ihm wieder seinen Anteil. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Das Geschäft führt Ignaz Stiassnis Schwester bis zu ihrer Pensionierung in den 1950ern weiter, während Ignaz Stiassni als Bundeskellermeister-Inspektor arbeitet. In dieser Funktion geht er in den Ruhestand und verstirbt mit 81 Jahren in Klosterneuburg.

Places

Residence:

 
Mühlengasse 1 (Klosterneuburg)

Citations

Landesarchiv NÖ

Ignaz Stiassni

Kaufmann
* July 13, 1902
Prerau
† June 6, 1984
Klosterneuburg
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